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Der Israelit · 1881-05-04 · Heft 18 (4.5.1881) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 18 (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
– (sequence 25)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 19 des Israelit. Leitender Artikel. Jüdisches Leben in Schule und Mus. Von A. Senior. (Schluß.) Wenn aber auch in den Landgemeinden, unter denen es allerdings noch solche gibt, deren Mitglieder oft mit peinlicher Gewissenhaftigkeit (was ja ganz lobenswerth ist) die Thora beachten, aber geistlos, weil es nichts anderes ist als mato d'iwx nss, ein mechanisches Werk, das der Innigkeit entbehrt, wenn auch hier der Jndifferentismus, der sich unter der Maske der Unscheinbarkeit und Harmlosigkeit einschleicht, zur hundertköpfigcn Hydra angewachsen ist, zu deren Bekämpfung und Besiegung es eines „Herkules des Geistes" bedarf, so ergeht mein erstes Wort an diejenigen Gemeindevorsteher, die noch ein Fünkchen Liebe 'und Anhänglichkeit zu ihrem angeborenen Glauben haben und sich ihrer großen Pflicht bewußt sind, bei Anstellung eines Lehrers ihr ganz besonderes Augenmerk darauf zu richten, daß ein tüchtiger, von seinem Berufe begeisterter Lehrer und aufrichtiger Jehuvi es ist, der nicht allein die Jugend unterrichtet und erziehet, sondern der es auch versteht, die ö'ni in seinen Sabbatvorträgen — denn an den Wochentagen wird man aus dem Lande nur in den seltensten Fällen dazu kommen, eine Stunde für das „Lernen" zu erübrigen — in eingehender und allgemein verständlicher Weise über die jüdischen Gesetze und Vorschriften zu belehren und der sich nicht damit begnügt, seinen ganzen „Lern"-Stoff den sogenannten ^o-c-Büchern zu entnehmen. Wer es richtig versteht, kann auch diese Seite der Belehrung und Ermahnung in ganz ausgiebiger Weise behandeln und zwar im Anschlüsse an die Erläuterung der Gesetze, von denen die meisten eine Fülle moralischer Lehren in sich schließen. Zum zweiten rufe ich den Vorstehern ein Fjn zu, wenn manche Lehrer ihre neologen Anschauungen in die Schule zu übertragen anfangcn und auch den Gottesdienst nicht verschonen. Auf diese Weise wurden den Landgemeinden so ganz stillschweigend Reformen aufgezwungen, und keiner hat den Muth, etwas dagegen einzuwenden und energisch dagegen zu proteftiren. Diese Reformen beginnen gewöhnlich mit einem deutschen Gebet für den Landesfürsten, dann kommt die deutsche Hafthora, dann noch dies und jenes, gemischter Ehor undCoufirmation — und zu alledem beobachtet die Gemeinde mit den Vorstehern ein beharrliches Schweigen aus Gleichgiltigkeit und Mangel an der hier nöthigen Energie. Daß dieses selbst in einer frommen Gemeinde, d. h. fromm in der oben geschilderten Art, Vorkommen kann, dafür könnte ich einen Fall ansühren. Werden aber diese Gemeinden mit den jüdischen Gesetzen besser bekannt gemacht und in ihren Geist cingeführt, dann wissen sie auch schon besser, was verboten und was erlaubt ist; denn daß die Ignoranz viel Schuld an solchen Vorkommnissen trägt, ist gar nicht zu bezweifeln. Neuerdings ist mancher Lehrer auf dem Lande, der eine öffentliche Anstellung an der Eommnnalschule erlangt und daselbst den jüdischen Kindern nach Vorschrift des Stundenplans auch „Religionsunterricht" zu ertheilen hat, in dem 'Wahne befangen, nun habe er nicht mchrnöthig, hebräischen Unterricht zu ertheilen. Also „Religionsunterricht" wohl, aber keinen „hebräischen" Unterricht 1! Daß dieser höhere Blödsinn zugleich den schärfsten Widerspruch enthält, ist nicht schwer zu begreifen, wenn man sich nur ein wenig vergegenwärtigen will, daß der heutige „Biblische Gcschichts- und systematische Religionsunterricht" (denn dies will man jetzt Religionsunterricht heißen) nur ein Produkt der „neuern" Zeit ist und sich ans dem so weit weggeschlenderten und als Nebensache bei Seite geschobenen „Hebräischen" herausgebildet hat, und wie man früher aus dem „BiblischeGeschichte" und alles das und noch etwas mehr, was der „systematische Religionsunterricht" in sich saßt, in viel lebendigerer Anschauung und auf viel sicherer Grundlage ruhend, gelernt hat. Und ich halte heute noch dafür, daß ein solcher Rückschritt zum besseren Alten ein segensreicher Fortschritt für die jüdische Schule zu nennen wäre. Allerdings sprechen hierbei die Verhältnisse jeder einzelnen Schule auch ein Wörtchen mit, dafür und dagegen, und es wäre schwer, wollte man einen allgemein giltigen und für alle Verhältnisse passenden diesbezüglichen Plan aufstellen; ja, es wäre geradezu unmöglich. Aber jeder einsichtsvolle Lehrer, dem es wirklich darum zu thun ist, dem „Hebräischen" wieder eine Heimstätte zu gründen, wird am besten selbst mit Zeit und Verhältnissen zu rechnen verstehen und so unter allen Umständen etwas Ersprießliches leisten können.

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