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Neue jüdische Presse · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 15 des Frankfurter Israelitischen Familienblattes. Inhalt der Beilage: Aus den Vereinen. — Aus derLcheerio elt. — Personalien. — Vereins Nachrichten. — Jüdische Jugend. Ans ven Vereine«. Frankfurt a. M. M o n t e f i o r e - V e r e i n. Der Vorstand des ,,Montesiore"-Vereiiis (E. B.) hat beschlossen, den Restanrations-Betrieb während der Pescichfeiertage aufrecht zn erhalten. Diese Neueinrichtung durfte den Mitgliedern des Vereins sehr willkommen sein. (Liehe Inserat.) .. Frankfurt a. M. Am Sonntag, den 16. April, nachmittags 5.Uhr, findet im Lokal des Vereins Mekor Chajim, Schützcnstr. 2, die ordentliche Hauptversammlung des Vereins zur Versichern» g gegen Stellenlosigkeit (Lchomrc Schabbos) statt. Ans der Tagesordnung sei Punkt -1 besonders hcrvorgchoben. Er betrifft einen Antrag des Vorstandes ans Bewilligung eines außerordentlichen Beitrages, der si ls Fonds zur G r ü n d u n g eines L e h r l i n g s h e i m c s dienen soll. Unter diesem Lehrlingsheim ist, wie wir hören, nicht etwa nur ein Znsammenkniistsort für Lehrlinge in ihren freien Stunden zu verstehen, sondern es soll — nach den, Borbilde des Marburger Instituts — ein Heim geschaffen werden, das auswärtigen Lehrlingen während der Dauer ihrer Lehrzeit zn mäßigem Preise Unterkunft und .Verköstigung bietet und gleichzeitig für ihre religiöse und sittliche .Ausbildung Sorge trägt. Wer die Gefahren kennt, denen in einer Großstadt, wie Frankfurt, uikselbständige junge Leute fortdauernd ausgcsetzt sind, der wird den Plan zur Gründting einer derartigen Anstalt mit Freude begrüßen. Wir machen noch ausdrücklich daraus aufmerksam, das; auch N i ch t m i t g l i e d e r als Gäste willkommen sind. Frankfurt a. M. Nach langer Ruhe batte der M i s r a ch i - V e r e i n seine Mitglieder und Freunde in den letzten 14 Tagen gleich mit zwei Vortragsabenden bedacht. Zuerst — am 28. März — sprach Herr Rabbiner D r. Kahn-Eßlingen über das Thema „Die Staatsverfassung in Israe t"*) und dann — am 10. April — sollte Herr Rabbiner D r. Unna-Maun h ei m über „Nationaljudent u ui und Religio n" sprechen, mußte aber leider wegen starker Erkältung im letzten Augenblick absagen und so fand über das gleiche Thema ein recht lebhafter Diskussionsabend statt. Tie Diskussion wurde cingeleitet von Herrn Professor D r. S u l z - bach; an der Diskussion selbst beteiligten sich die Herren D r. med. Fen chtwa n ger, Ingenieur Feingold, S. G e i s, I. L. G o i t e i n, I. H i r s ch, L o u i s K a h n, c a n d. M ela m e d, ft u d. Salk i ii o w i tz und st u d. W i ii t e r l i tz. Mannheim. Kinderhilfstag. Aehnlich wie in anderen großen Städten veranstalteten auch hier einige Vereine für soziale Hilfe einen jtindcrhilfstag. Auch die jüdische F r a n e n v e r e i n i g u n g „Caritas" beteiligte .sich daran und wird das an sie entfallende Zehntel mit ca. Jt. 1750 dazu verwenden, um leidende jüdische Kinder, denen aus finanziellen Gründen die Wohltat eines Badeaufenthaltes versagt bleiben müßte, dorthin zn entsenden. Aus -er Lehrerwett. Hamburg. Anläßlch der Centenarseier der T a l m u d - T h o r a - R e a l s ch ü l e, die am. 31. März feierlich begangen wurde, hat Herr Direktor D r. I. G o l d s ch m i d t eine F e st s ch r i f t herausgegeben, aus der wir über die Geschichte der Schule folgendes entnehmen: „Am 31. März 1805 wurde die Schule in der Elbstraße 122 eröffnet. Sie hieß offiziell Israelitische Armenschule der Talmud-Thora. Tas Schuthaus war ein Geschenk dreier hochherziger Gemeindemitglieder. Die Zahl der auigenommenen Schüler betrug 60; dieselben wurden nicht sowohl nach dem Alter, als vielmehr nach den Kenntnissen geordnet, und zwar in vier Klassen. Den Unterricht leiteten vier Religionslehrer und ein Lehrer für Schreiben und Rechnen. Die Schule war bis zum Jahre 1822 also hauptsächlich eine Religionsschule.. Am 30. Oktober 1821 wurde der unvergeßliche Isaak Bernays zum geistlichen Beamten der Deutsch-Israelitischen Gemeinde nach Hamburg berufen, und unter seiner Leitung wurde'eine Reform der Schule, eine Verbesserung des Unterrichts in Angriff genommen. Bernays sprach sich mit voller Offenheit dafür ans, daß die Talmud-Thora eine Volksschule sein solle. Ihre Aufgabe bestehe in der Erziehung der Knaben zu Bürgern und Juden. Außer dem bisher bereits gelehrten Rechnen und Schreiben, sollte die deutsche Niuttersprache getrieben werden. .Ferner wurden Realien in den Plan eingefügt: Naturkunde, Erdkunde und Geschichte. Die umfassende Vermehrung des profanen Lernstoffs konnte natürlichzumal bei den damaligen Methoden, *) Den Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Kahn werden wir demnächst zum Abdruck bringen. Anm. d. Redakt. nicht ohne Einschränkung des religiösen ins Werk gesetzt werden. Bernays erklärte sich mit der Einschränknng des talmndischen Unterrichts cinverstandcn. Unter seiner Leitung — er stand der Schule bis zu seinem Tode, 1. Mai 184!>, vor — entwickelte sich die Reorganisation der Schute immer mehr, und der plötzliche Tod Isaak Bernays war nicht nur für die Hamburger Gemeinde, sondern auch namentlich für die Talmnd-Thora-Schule ein harter Verlust. Tie Zahl der Schüler betrug 1822 185, in den folgenden Jahren verringerte sich die Zahl bedeutend; erst im Jahre 1848 wurden 207 Unaben gezählt. Am 1. Mai >848 trat der jetzt noch amtierende Oberlehrer Herr Tr. S. P. Nathan in das Lehrerkollegium der ^Schule ein: seine Bestallung hatte der damalige Lchulpräses Tr. Ohiinict Riester unterzeichnet. Im August 1851 wurde O b c r r a b b i n e r A. Ster n zum Nachfolger Bernays nach Hamburg bernfcn, er übernahm als Ephorus die Leitung der Schute, unter seiner segensvollen Tätigkeit in Gemeinschaft mit dem unvergeßlichen Vorsteher H. I. Mathias entwickelte sich die Talmud-Thora zu einer Bürgerschule, um 1860 zn einer Realschule nnigewandelt zn werden. Im November 1857 siedelte die Schule in ihr neues jetziges Schnthans ans den Kohlhösen über. Zn den erheblichen Baukosten ist das hochherzige Legat des Bürgermeisters Benecke an die Tentsch-Jsraelitische Gemeinde im Betrage von 11000 Tlr. Beo. mit verwandt worden. Die Zahl der Schüler stieg nun beständig und betrug im Jahre 1867 bereits 350, 1860 400. Tas Schulhans erwies sich als zu klein: dank der Initiative des Herrn Oberrabbincrs A. Stern spendete der verstorbene Kaufmann Sally Lewison zum Andenken an seine verstorbene Tochter eine beträchtliche Summe, und es wurde ein zweites Tchulhaus zur Benutzung für die Vorschule erbaut, das im November 1872 bezogen wurde. ' Im Jahre 1860 erhielt die Schule die Berechtigung zur Ablegung der Prüfung für den einjährigen .Heeresdienst, am 1. April 1871 fand die erste Abgnngsprüfung statt. Am 11. März 1888 verschied im Alter von 68 Jahren Oberrabbiuer A. Stern, der sich um die Entwicklung und .Förderung der Schule unvergängliche Verdienste erworben; die Talmnd-Thora-Schule stand wieder verwaist, aber mit seltener Energie übernahm .Herr Tr. S. P. Nathan die interimistische Leitung der Schule, bis im April 1880 der jetzige Direktor der Schule, Herr D r. I. G o l d s ch m i d t, in sein Amt eingcsührt wurde. Manche bedeutsame Nencruugen verdanken ihre Einführung den ersten Jahren der Amtstätigkeit des neuen Direktors. Die Zahl der Schüler nahm beständig zu, »nd beträgt heute bereits 550. Ans der Talmud-Thora-Armcnschule hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine Realschule entwickelt, die unter den höheren Schulen im Deutschen Reich schon darum einen beachtenswerten Rang cinnimmt, weil sie die größte jüdische konfessionelle Schule ist. Tie angesehensten Gemeindemitglieder rechnen es sich heute zur Ehre, ihre Kinder den Unterricht in der Talmud-Thora- Rcalschule genießen zn lassen." Duisburg. In der Synagoge fand die Einführung des neuerivählten Rabbiners T r. N eu - mark-Berlin statt. Tic hiesige jüd. Gemeinde hatte bisher keinen Rabbiner. Eschweiler ^Rheinland). u ebernah me der R e t i g i o n s s ch n l e ans den städtischen Etat. Nachdem bereits in der Sitzung vom 22. Dezember vor. Jhrs. die Stadtverordneten sich fiii die Uebernahme der bestehenden isr. Privatschule auf den städt. Etat im Prinzip ausgesprochen hatten, wurde in der Sitzung des Stadtverordneten-Kollegiums vom 3. d. M. die Uebernahme einstimmig beschlossen. Ehrenfeld bei Cöln. Am 1. April siedelte Herr Lehrer S. Vogel nach Wolfenbüttel über, um an der dortigen Samsonschulc die Stelle als Hausvater zn übernehmen. Ter Vorstand überreichte Herrn Vogel als Zeichen der Anerkennung, die er sich in seiner 6jährigen Tätigkeit erworben, ein kostbares Geschenk. Jüka (Ungarn). Am 28. v. M. fand die feierliche Installation des Rabbiners Benjamin Fuchs statt. Somogy-Esurgo (Ungarn). Die hiesige israel. Gemeinde hat den erst vor wenigen Wochen am Budäpester Landesrabbinerseminar absolvierten Tr. Ludwig K o h n zu ihrem Rabbiner gewählt. Biala (Rufs. Polen). Der angesehene chassidische Rabbi, Rabbi Jizchok ist verschieden und mit einem Gefolge von Tausenden seiner Verehrer zu Grabe getragen worden. Wilna (Rußland). Dr. I. 8. Cantor, bisher Kronrabbiner in Libau, wurde hier zum' Rabbiner gewählt. Tr. Cantor ist einer der populärsten hebräischen Schriftsteller Rußlands; er war der Begründer und Redakteur der ersten hebräischen Tageszeitung „Hajanm", die einige Zeit in Petersburg erschien. Personalien. Frankfurt a. M. Herr Hosiieferant Josef F r o in m, Chef der Sekt-Kellerei I. Fromm G. m. b. H., ein Sohn des verstorbenen, in hohem Andenken stehenden Rabbiner Fromm, erhielt den K r v n e n - v r d e n 4. K l a s s e. Hattersheim. Nach kurzem Krankenlager verschied am 30. März Herr Moses Klein. Der leider allzufrüh Heimgegangene hatte es durch streng rechtliches Wesen verstanden, sich die Achtung und das Vertrauen all derer zu erwerben, die ihn kannten. Vorbildlich in jeder Beziehung war die Gastfrenndschaft gegen Arme und Dürftige, die in seinem Hause geübt, geradezu rührend waren häufig die Anerkennungen, die ihm und seiner wahrhaft edlen Frau deshalb zu Teil wurde. Mid» hatte den ganzen Feldzug 1870/74 mit* gemacht, und sich damals schon durch gewissenhafte Pflichterfüllung ausgezeichnet. Er erreichte ein Alter von 50 Jahren. Sein 'Andenken wird bei Allen, die ihn kannten, unvergessen bleiben. Berlin. Fräulein Liili Wedell. eine Tochter des verstorbenen Rabbiners Tr. A. Wedell in Düsseldorf, hat nach glänzend bestandenem medizinischen Staatsexamen an der Universität München mit Auszeichnung promoviert. Da Fräulein Tr. Wedell im jugendlichen Alter von 24 Jahren ihre Studien beendet hat, so dürste sie gegenwärtig die jüngste deutsche Aerztin sein. Wollstein, 6. Älpril. In der heute stattgehabten Versammlung der jüdischen Gemeindemitglieder wurden zu R e p r 8 s e n t a n t e n der synagogen-Gemcinde gewählt: Lehrer Becker, Mauslente I. Boß, Heinrich Herzog, A. Vermin, F. Breslauer; zn Stellvertretern: die Kausleute M. Mannheim, R. Bedach und Julius Jakob. Stratzburg i. Elf. Hier starb Herr Ferdinand O P p e n h c i ni e r, der Begründer und Vorsitzende des Aussichtsrates der Firma „Adler & Oppenheimer, Lederfabrik-Akt.-Ges. in Straßburg, Lingolsheim, Berlin, Graulhct und Waalwijk". Stratzbnrg i. Elf. Am 15. ds. Mts. feiert der Direktor der medizinische» Abteilung des hiesigen Bürgerspitals Tr. Gustav Levy seinen 70. Geburtstag. Tr. Levn ist Präsident des israelitischen Konsistoriums des Unter-Elsaß und Präsident der hiesigen israelit. Gewerbeschule. Posen. Seinen 70. Geburtstag feierte Herr G u st a v G o l d s ch m i d t, langjähriges Vorstandsmitglied des Bcth-.Hamidrasch und der Nehem.-Betschule. In der Synagoge fand zn Ehren des Jubilars nach dem Gottesdienst eine Feier statt, bei der Herr Rabbiner Caro in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars würdigte. Liegnitz. Anläßlich der dieser Tage erfolgten Einweihung des neuen Rathauses, erhielt unser erster Vorsteher der Synagvgengemeinde, Stadtverordneten- Borsteher Herr Heinrich C o h n den K roneno r d e n 4. K l a f s e. Ranüegg (Baden), 10. April. Diese Woche ver-- läßt unser hochverdienter Vorsteher, der praktische 'Arzt Dr. Ai o s e s Rothschild, unsere Gemeinde, um nach Konstanz überzusiedeln. Mehr als 18 Jahre hat er hier und in den Nachbarorten mit seltener Pflichttreue und gewissenhafter Umsicht seinen verantwortungsvolle» Berufe gelebt. Durch eine wahrhaft ideale Ansfassung der Pflichten seines Standes, wie durch seine angeborene Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit ist es ihm gelungen, sich in reichstem Maße die Achtung, Liebe und Freundschaft aller Kreise der Bevölkerniig zu erwerben. Mehr denn 10 Jahre stand er an der Spitze der israelitischen Gemeinde und hat sich um die Förderung ihrer Interessen nach Innen und Außen mit Einsetzung all seiner Kraft bemüht. Dafür sollte ihm jetzt bei seinem Scheiden die verdiente Anerkennung zuteil werden. Samstag Abend feierte die israelitische Gemeinde seinen 'Abschied durch Ueberreichung eines silberne» Ehanukalenchters, bei welcher Gelegenheit ihm unser Rabbiner, der Vorsteher des Synagogenchors, dessen eifriges Mitglied ex gewesen war, Herr Albert Bloch im Namen des Synagogenratcs und noch so manche seiner Freunde herzliche Worte des Dankes und des Glückwunsches für seinen neuen Wirkungskreis widmeten. Gestern 'Abend veranstaltete die politische Gemeinde ihm zu Ehre» ein 'Abschiedsbankett. Unser Herr Bürgermeister feierte den Scheidenden als treuen Bürger, trefflichen Arzt, treuen Berater und ergebenen Freund. Der Herr Rabbiner rühmte ihn als Menschenfreund und Künstler in seinem Berns. Die Vorsteher des Turn- und Gesangvereins danktem ihm mit innigen Worten für seine tätige Mitwirkung au ihren Bestrebungen. Mit den Reden wechselten Borträge des Gesangvereins, Musikstücke der trefflichen Ortskapelle sowie poetische Widmungen, in denen das bisherige Leben des Gefeierten in humorvoller Weise geschildert wurde. Es war eine wehmütige und doch erhebende Abschiedsstimmung, in welcher die schöne Feier ihren Ausklang fand. Hoffen wir, daß es dem Nachfolger des Scheidenden, Herrn. Dr. Bergheimer, gelingen möge, sich in gleicher Weise die Sympathien der Gemeinde zu gewinnen.

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