Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 33 (28.4.1925)
- Date
- 1925-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 33 JUEDtSCHE RUNDSCHAU Seile 307 alles zusammenraffen, was an Einheit und Einheltsbewußtsein jn uii* noch vorhanden ist. Selbst Urcticr „Sic (die thoratreue Nation) ist wahrhaftig keine Gegnerin der Einheit" mfl. Dann inuOtc der Hntwtirf einer .ernten Zfs.vniiicitlAssnng der palästinensischen Jiulenhclt m> ansuchen, daß er Exklaven schuf, wv> chic Einheit n..-!it zu erreichen war, diese Einheit aber benutzte, wo irgend sie nur möglich war. Parum mullte zwar «och die Möglichkeit der Absonderung von der Oemcinde mit und ohne Austritt (02 und D3) gegeben werden, darum muUtc zwar auch jkkIi aut manche ideale Forderung verachtet werden, deshalb mußte aber andererseits Thora und Thorarccht in den Entwurf hinein pjciionniicn werden, soweit es nur irgend erreichbar war und die grundsitrüche Festlegung, dal) „die Aufgaben de« rabblnmchen Rates und der Örtlichen Rabbinatsiimtcr sich gemäß der Kgl. Verordnung von au! alle das jüdische Recht betreffenden Anceki*en<ieitcn erstrecken", gibt, auch wenn die dahinterstehende excniplifikallvc Aufzahlung no.li irreführen kann, iedcnfalls eine Grundlage, auf der weiter gebaut werden kann. Um noch einmal zu präzisieren: Ideal wt der Entwurf nicht und konnte er nicht sein, da er ein Kompromiß zwischen »II den Kräften sein niultte, die tatsächlich am Aulbau de* Lande» mitarbeiten, da* lieiüt eine Resultante zwischen nahezu allen Kräften der Judcuheit. Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzung ist festzustellen, daß er In vielen Ikzichungen gut ist, und dall insbesondere die von llreuer aufgehellten Bemängelungen bezüglich der anschlichen Vergewaltigung religiöser Sondcrgruppcu unzutreffend sind. IV. Ein kurzes VC'ort 11111« noch über die Form de* Buches gesagt werden. Wir glauben, da» auch Streitschriften in einem inständigen Tone gehalten sein können und daß vor allem tinc Schrill, die für das thoratreue Judentum fechten will, keine Behauptungen enthalten darf, die nicht den Tatsachen rollkomiiicn entsprechen, schließlich dürfte man von Ihr erwarten, dall sie sich von Blasphemien fernhält. l>aß In diesen drei Berklingen das Buch den Anforderungen, die man stellen sollte, nicht entspricht, sei durch ciue Anzahl Beispiele belegt. a) „Dal) Palästina in demselben Sinne jüdisch werden müsse, wie England englisch ist, war wirklich ein starkes Stück und hätte der politischen Laufbahn de.- Urheber* Uicaei in Blut ^tauchten Wortes (?) ein iHhcs Ende für i'nmcr bereiten müssen." (S. ö.) „Theodor Hcrzl hat, vor dem gähnenden Abgrund stehend, den tollkühnen Sprung mitten unter die Großmächte gewagt und hat, von ihnen wie ein Nurr n gestarrt {'<'<), den politischen Anspruch auf das Erbe der Väter erhoben" (S. 19). Von den Clialuzim hcillt es u. a.: „Der letzte Bauer in irgendeiner Kcwuzah, dessen Stiruschweili den Boden düngte, deuchte ihnen wertvoller als der Prophet Jcremljah, dessen Wort durch die Jahrtausende hallt" (S, •II). Der alte Jischuw, „dessen i».i...,;. 1 ührer durch den .MillMcJi llaralibamith* vielfach gelähinl. waren" (!) (S. II). Von den Persönlichkeiten, auf die das Qemciiiscliaftslebeu des alten Jischuw eingestellt war, heißt es; „Mit ihnen glaubte man zuversichtlich gewonnenes Spiel zu haben, Sic gehörten durchweg dem eingeschüchterten und ausgehungerten .alten jischuw' an. Den Lockungen einer festen i.cbcn^stclhing und eines wundersam gesicherten Gehalts würden sie alle Kaum widerstehen" (l!).(S. 17). Dementsprechend hcillt es dann bei der Errichtung des Waad-Lcumi Und Waad halr: ..Die Rabbiner finden sich allmählich, in der Aussicht auf Stellung und Gehalt (II) und in der Hoffnung auf bessere Zeiten, widerwillig, aber schwelgend ab" (S. -19). „Die nationale üolus- (icseliichtc beginnt mit einem zionistischen Qolus, das härter ist als das üolus des aufgeklärten Edoni" (!!) (S. Gi). Besonders geschmackvoll ist auch der Satz „Edoms dolus gönnt den'Juden auf der ganzen Erde —* außer In der Schweiz — die Ochsen. Das zionistische Qolus macht selbst vor den Ochsen 11.«.ut halt" (S. <X>). „Wie unendlich groß muß der Maß der Urheber dieses Entwurfs gegen Jisraels Gott und qegen Gottes Thora sein, wenn sie den Fluch eines, solchen beispiellosen Kulturukandals auf eich nehmen koniiteil!" (S. 88). „Der Entwurf Ist ein öffentlicher Skandal. Er ist in seiner IinmoralHät dermaßen häßlich und abstoßend, daß seine Bestätigung seitens der cn.'jiiicnen Kcgicrung in der vorliegenden Form völlig ausgeschlossen erscheint." (S.W.) Zu h) „Hätte sich in der Tat die Zionistische Organisation, nachdem der rechtliche Teil ihres Programms einigermaßen verwirklicht war, , ••. gewissermaßen ideell für gesattigt proklamiert, hüttc sie sich nunmehr restlos und ohne jeden Vorbehalt in den Dienst des wirtschaftlichen Aulbaus Palästinas gestellt und hätte sie in ihrer neuen latigkeit die religiösen Qcfühle der jüdischen Masse geschont, beispielsweise Garantien für die Wahrung der Sabbatfuhc geboten, so hätte man den Versuch, alle Teile des jüdischen Volkes zu einträchtiger Mitarbeit zu gewinnen, nicht ohne weiteres als aussichtslos bezeichnen können.'' 123.) „Das Leben der jüdischen Volksinasscn während der Itlztcn Jahrzehnte vor dem Weltkrieg war ganz und gar von ten Kämpfen um die nationale Emanzipation, um die Befreiung von Oott und von Oottcs Thora erfüllt. In diesen Kämpfen haben die zionistischen Führer durchweg Stellung .enommen." (31.) Allerdings, — aber was der Verfasser weislich verschweigt, häufig genug auf Selten der Orthodoxie, ^ir brauchen In Deutschland z. B. nur an die Kämpfe gegen Orgel und Ucbctbuchrcform zu erinnern —, aber wie hätte <hs in die Polemik gepaßt. — Die Chalukkah wird folgendermaßen charakterisiert: „Im. großen und ganzen waren die .frommsten', vielfach auch die thorakundigsten Juden, ö t nach Palästina zogen. Als Pioniere eines wirtschaftlichen Aufbau» waren sie wohl kaum zu betrachten. Die Versunken« Mt in Oott und in Gottes Thora, diese einzigartige nationale ttrimgenschnft des (iolus (t), mußte so naturgemäß mit Eiligem Boden, gleich dem nationalen Sehnen und Hoffen, "ite unermeßliche Strigctunrr erfahren. Durch doppelt Innige •'tue zu Gott und Gottes "Ihora glaubte man am besten der Pönalen Zukunft zu dienen. Die Gefahren des Pauperismus }"id wohl nicht ausgeblieben. (Dieser Satz dient als Ersatz 'j»r die ta\(ul\cuns all der Tatsachen, die freilich der Tendenz Buches wenig entsprechen würden. D. Rcz.) Aber es kann gleichwohl festgestellt werden, daß in Palästina Persönlichkeiten von lauterster .Frömmigkeit und umfassendster Gelehrsamkeit aufwachsen, daß Thora'-Hochschulcn zur Blüte •Jmcn, aut die die ganze Diaspora stolz war (?? wahr ist, höchstens eine einzige der palästinensischen Jcscliiwoth 'ch mit den besseren, nicht den besten, curopätschcp Icschl- *oth vergleichen ließ), daß das nationale Oottcsrcclit auf '■tillßcm Dodcn durchweg treusten Gehorsam fand, und daß y> l.'anzc geistige Leben aus dem sprudelnden Quell der .■Jota gespeist wurde (??)". (37.) Paß diese Darstellung ein •nsolut schiefes, unzutreffendes Bild von den wahren Verhält« wsen gibt, kann u. a. (nur um für eine allgemein bekannte ,'itsachc einen Zeugen zu benennen, gegen dessen Persönlich- <<■ t such Breuer schwerlich etwas einwenden wird) an der oben '."«fcn Stelle bei Hildesheimer nachgeprüft Verden. „Die „'"Stsesscne Bevölkerung gab Ihre Jugend den zionistischen Bildungsstätten nicht preis und hielt eich selbst den Schulen Jf' »offenannten (!) Mlsraclu .... im allgemeinen fern." "8) Glücklicherweise ist der zweite, leider auch der erste Teil j ' 13t Uli «.»tsiu.-, IV.IUII U11V.II Uli Vl.»>-;; Satzes keineswegs richtig. Auch Breuer muß wissen, sJ'1 selbst die vom religiösen Standpunkt aus schlimmsten ^nulen in psychologisch geradezu unverständlicher Weise .""Kindern aus den Kreisen des alten Jischuw besucht '«raen, wiec» Ja sogar den Verführungen der Mlislons« schulen gelang, diese fn einem natürlich nicht großen, aber doch Immer iiiieh erschreckendem Malle einzuf.iiigcii. — Schließlich sei auch au dieser Stelle empfohlen, die beiden Charakteristiken von Kuk (••». 40, von dessen Llgeiixehuftrn der Verfasser nur zwei erwähnt, „eigenartigen Mystizismus" und „hoch gesteigertes Selbstgefühl") und Soniienfeld (S. 51) („Auf Matltjalin schon, Joclian.m*. .Sohn, des I loheprlesters, muß man zurückgreifen, sucht man In Israels Geschichte ähnliches Geschehen". (S. 50) unmittelbar hintereinander zu lesen, die Wirkung dieses traurigen Vergleichs Ist dnuii stärkcrl c) Hier tsci nur eine Stelle ohne Zusntz abgedruckt! „Das uralte heilige Glaubensbekenntnis gilt nicht mehr. Morgens und abends haben künftighin die Juden des. .nationalen Heims' Inbrünstig auszurufen: Höre, Israel, die Zionistische Nntionalorganisalion, unsere Nntloiinlorgatilsatlon, Ist die einzigeinet Dies ist das Bekenntnis, das künftighin alle Juden rint. die Juden überhaupt zu Juden macht. Erst mit tleus liodcn dieses Bekenntnisses Int allenfalls Kaum für Gott und Oottcs Thora. Die indischen Kind.r unseres Natioualhciins werden es schon mit der- Muttermilch In sich aufnehmen. Es wird ste Begleiten im Lehen und im Sterben. Sie sollen es laut rufen, in blinder Uchcrzciigung, In fanntlRchrm Ocliorsani. Und leise mögen sie hinzufügen: Gesegnet sei der Name der herrlichen Kcgicriiut? des WaudLcumi für immer und ewig . . ." Was hätte wohl Isaac Breuer gcsclincncn. wenn ein Ziouist eine solche Blasphemie gewagt hätte?I Damit eude die Kritik, die nn das lluch vielleicht schon mehr Zeit verschwendet hat,, als es verdient. Mau kämpfe gegen uns, aber tut man es int Namen der Toleranz, so sei man selbst tolerant und tut man es im Namen der Gerechtigkeit, so sei Inan selbst' gerecht (und nicht selbstgerecht!), tut man es aber im Namen der Thora, so wäge man sorgfältig jedes Wort, sei wahrhaft und ehrlich, sonst heiligt man nicht den göttlichen Namen, sondern tut das, was diese Schrift tut! Die Jugend Amrrlkis lür den Aulbau Palästinas New York. (J.T. A.) Sieben Zciitralorganisatlonen der jüdischen Jugend Amerikas sind soeben in New York zu einer Konferenz zusammengetreten, die über eine Intensivierung der Arbeit in Amerika für den Aufbau Pnlästlnos beraten soll. Die teilnehmenden Organisationen Jung- Hadassah, Jung-Misrachl, Liga jüdischer Jugend, Mciioran, lung-lsracl, Jung-Jiidah, und Verband der Jugendlichen der Vereinigten Synagogen werden sich zu einem Verband zusammenschließen, dem die Aufgabe zufallen soll, den Boden in Amerika für eine intensive Kampagne zugunsten der propalästinensischen Aulbauinr.tltutioncn, wie Nalionalfonds, Kcrcn Hajcssod usw., vorzubereiten. Die Konferenz war mit einer Feier der Eröffnung der Hebräischen Universität verbunden. In der Konferenz trafen ah Ivcducr auf: louls Mars ha fl, Dr. David de Sola Pool, der Präsident des nationalen Verbandes Jimg-Jiidah, ferner die Präsidentin der Jimg-H.v dassah, Mrs. Frieda Silbcrt, der Präsident der Priedlaiider Erzichungskonfcrenz, Mr. Georg IIyman, und als Vertreter der Palästina-Jugend Dr. Elicscr Rieger. Vertreter palästinensischer Arbeiter In Moski» Vor kurzem wurde in Moskau die 39. Konferenz der Russischen Konsumgenossenschaften (Zeniro-Sojus) abgehalten, die zehn Tage dauerte. Der Konferenz wohnten als Vertreter der palästinensischen Arbeiterschaft die beiden Delegierten der „Chcwrath Haowdim", David Rem es von der Bau- Kooporallve „Solclbonch" und Lcvi Sc hk ol 11 i k - von der Leitung des „NIR." (Landwirtschaftlicher Arbeiterverband Palästinas) bei. Der Zenlro-Sojus Ist der Internationalen Union der Konsumgenossenschaften als Mitglied angeschlossen, auch «lic Chcwrath Haowdim wird der Union beitreten. Herr David Rem es begrüßte den Hund der Arbeiter- Kooperativen Rußlands im Namen der Produktiv- und Konsumgenossenschaften Palästinas In hebräischer Sprache. Er führte aus, die Arbeiter Palästinas werden sich freuen,' Vertreter der russischen Kooperativen als Oästo auf ihrer Konferenz In Palästina begrüßen zu können. Er drückte die Hoffnung aus, daß mit der Entwickchmg der jüdischen Arbclterwirlschaft in Palästina sich auch die wirtschaftliche Verbindung mit der Kooporallve Rußlands entwickeln werde. In darauffolgenden privaten Verhandlungen wurden die Bedingungen und Möglichkeiten unmittelbarer kaufmännischer Verbindungen zwischen den russischen und palästinensischen Konsumgenossenschaften eingehend erörtcrl. tle jüdische Kolonisation Ii der Krim Moskau. (J.T.A.) Der Oberste Wirtschafttrat der russischen Regierung beschloß in einer Sitzung am 22. April eine weitere große Landfläehe von Insgesamt 31 860 Dcsjatln (etwa 86000 Morgen) In der Krim für die jüdische Landansicdlung zur Verfügung zu stellen. Gegenwärtig werden In der Krim 8140 Dcsjatin Boden von Juden bebaut. Flizieruig palästinensischer (Jbllg.iloien in Amerika Die Sitzung des amerikanischen Exekutiv-Komitees vom 29. März In New York faßte zwei Resolutionen von umfassender Bedeutung. Die erste fordert die Schaffung eines Unlvcrsitiitsfonds, die zweite Resolution bennmlclt die Frage p n I ä 11 i n c n s 1 a c h e r ü b 11 g n 11 o 11 c n, Judgc Ik-rnard A. Roseublatt erstattete einen Bericht, fu dem er die unbedingte Notwendigkeit betont, daß man Mittel und Wege suchen müsse, um nach Palästina große Geldsummen zu leiten, als Investierungen In feste Obligationen. Auf diese Weise könne m\\\ für den r\utbau PaliwUn?,«' clu proftco Kapital zusammenbringen und gleichzeitig der palästinensischen Mittelklasse zur Selbständigkeit verhelfen. Der Bericht Rosenblatts sieht die Einsetzung einer Verkaufiagentur für eine Gruppe von Wertpapieren vor, welche eine gesicherte Form der Kapitalsanlage darstellen. Das erste dem Publikum zu offerierende Wertpapier sollen Hvpothckcnbomls teilt. Das beauftragte Komitee hat amerikanische Investoren anlockende Bedingungen auszuarbeiten, Da diese Obligationen erstklassig sind, ist zu hoffen, daß liier ein neuer Weg gefunden Ist zur Finanzierung unseres Aulbauwcrkc», der sowohl für Palästina wie für den Investor selbst von Vorteil Ist. Der Vorschlag sieht die Errichtung einer Korporation vor towle den Verkauf von Uypothekenbondt, um den Bau von 1000 Häusern In Palästina zu erleichtern. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Zulli'r»l,,clt für Induttricimuchlncn. Zur allgemeinen Information wird mitgeteilt, daß nur dann Zollfrcihcit für den Import von Maschinen durch Maschinenhandler gewährt wird, wenn diese Händler dem Direktor für Zollwesen oder dessen Vertreter nachweisen können, daß diese Maschinen auf die Bestellung eines Abnehmer« hin Importiert wurden, welcher Eigentümer oder Leiter einer Fabrik oder eines Induitrlellett Unternehmens in Palästina ist, und zwar vor erfolgter Einfuhr. Vcrclnhciilldiunö - nldil Vcrstiimelzunü Von Julius Uerger, Jerusalem, II. Ich'habe In meinem ersten Artikel die eigentümliche Armut eines Programms gekennzeichnet, das, wie die Lipsky* sehe sieh darauf beschränkt, auf die Verwaltung des Keren Knjimclh einen größeren Einfluß zu nehmen, statt die dringcml notwendige Vereinheitlichung unseres Sicdlungswcrkcs In Palästina anzustreben. Es Ist merkwürdig, daß auch da, wo Llpsky sich mit der Aufbringung der Gelder beschäftigt, sein Blick In erster Linie vom Kcrcn Kajcmclh gefesselt wird. L'r verlangt chic Koordination vom Keren Hajessod und Jüdischen Natlonalfonds und die Vereinigung beider Samniclapparatc zwecks Vermeidung von Störungen bei ihren Sammlungen. Wenn es aber zwei zionistische Fonds gibt, die «ich In Ihrer Sammclarbeit jetzt kaum noch tangieren,, geschweige stören, ko sind es Kcrcn Hajessod und Kcrcn Knjeinclh, wobei zugegeben sein mag, daß da» nicht Immer so gewesen Ist. Man möge aber einmal die Leiter der Samiiiclarhcit in den verschiedenen Ländern, die Vorsteher der Verbände und Gruppen fragen, was sie an einer gcordneten Arbeit hindert, was ihnen In wachsendem Orado die Aufbringung der von der Zionistischen Organisation verlangten Ocldcr unmöglich macht. Es wird sich fast überall ergeben, daß es heute gar nicht mehr das mangelnde Einvernehmen zwischen den Propagandalcltungcn von Kcrcn Hajessod und Kcrcn Kajcmcth Ist, das sie verdrießt. Sondern es Ist die geradezu groteske Unordnung, die bc/ügllclii der Aufbringung aller möglicher anderen Fonds eingerissen Ist und sich Immer mehr verbreitet. Kaum haben sich Kcrcn Hajesn-Kl und Kcrcn Kajcnieth In den verschiedenen Ländern Ober Ihr Arbeitsprogramm geeinigt, da tauchen von allen Sellen Emissäre anderer zionistischer Institutionen auf. Das „Arbeitende Palästina" verlangt eine Pinan/propaganda, die PLDC. führt einen Akticiivcrkauf durch, der morgen von einem des „Sold Bonrh" abgelöst wird; diese Schule oder, Jene schickt ihre Dotcn, die, wenn sie keine Schülcranmcldungcn erhalten können, zumindest Ocld verlangen. Eine andere Anstalt sammelt Maschinen oder Ocld für Maschinen.'*,,,- Einc Mädchenfarm wendet sich au die Frauen (die sich wiederum an ihre, Männer wenden). Was nkht offiziell Ist, hat zumindest eine Empfehlung von hoher offizieller Stelle, z. B. wenn es sich um eine Aktion für den dringend notwendigen Fonds für ein Opernhaus In Jerusalem oder für die Errichtung eines Denkmals für die im Weltkriege gefallenen Juden in Palästina handelt. Hat man dies alles einigermaßen geordnet, so entsendet die Exekutive ihre Sekretäre für einen politischen Fonds oder um Mittel für die Universität. Und in dieses Tohu Wabohu ertönen nachdrücklich die Forderung eines Kcrcn Alija oder eines Keren Hachschara für die Clialuzim dc9 eigenen Landes. Daneben muß ja auch noch die Landcsorganlsation oder der Sonderverband selbst finanziert werden, gibt es außer dem Schckcl noch: den Landesbeitrag oder die Zionistcnstcucr, das offizielle ZeltiMigsabonnemcnt oder ein Pressefonds, gibt es Sammlungen für temporäre und lokale Zwecke —f nulla dies «Ine collektionc. Ein unentwirrbares Chaos ist eingerissen, dasi jeder Orgsiilslcrungsmöglichkcit spottet, und gegen das keine Ocwalt einschreitet.' Einer nutzt den Apparat, einer die Methoden und Erfahrungen des anderen aus. Und da es der KKL. Ist, der seiner ganzen Eigenart nach gerade die einfachste i Sammchnlttcl am meisten ausgebildet hat und ganz und gar auf sie angewiesen Ist, Ist er es, der om meisten leidet. Immor reißt z. D. die Gewohnheit ein, die bekannten traditionellen Tage, die seit Anfang für den KKt. reserviert sind, für die Zwecke irgend welcher Fonds oder Verbände In Anspruch zu nehmen. Hier steckt der Kern de* Uebcli, und hier ist auch das Versagen unserer leitenden Stellen zu konstatieren. Wenn es nicht bald gelingt, cino Ordnung In die wilden Sammlungen zu bringen, wird die Aufbringung von Geldern für unsere zentralen Fonds sich sehr hakt als unmöglich erweisen. Aber es Ist nicht nur die materielle Seite dieser Sainm- Iiings-Dcsorganisatioiicn, die dringend.nach einer eingreifenden Regelung verlangt, auch die ideologische ist nicht mindef. verworren. Was bei der Propaganda als Begründung für die einzelnen zionistischen Sammlungen vorgebracht wird, das; Ist geradezu das Muster einer Furbcukarte vom radikalsten Nationalismus bis zur verschwommensten Rachinnnuth.phrasco- Jogic. Man hat oft den Eindruck, daß unsere Finanzpropaganda zu einem Ocschält von Agenten geworden ist, denen es nur darauf ankommt, Erfolge zu erzielen, ihre Auftraggeber zu befriedigen, und denen dazu jedes Mittel als erlaubt gilt. Das mag eine Weile gut gehen, und der und jener mag damit einmal „enorme Erfolge" erzielen, die Sammlungen aber und, » was noch schlimmer ist, der Zionismus werden so ruiniert. Wenn wir heute in wachsendem Grade das Ocfühl bekommen, daß die Zionistische Organisation geistig arm und flach wird und dadurch ihrer Anziehungskraft, d. Ii. aber in weiteren Folge ihrer Bedeutung verlustig geht, so nicht zum wenigsten deshalb, well wir es zulassen, daß bei uns jeder nach seiner Prapngnudniiiclhode selig machen kann. Die Sammlungen selbst aber werden so devaidlcrt, jeder Pfuscher macht m-.t Ihnen, was er will. Das Publikum wird nicht nur ahgestumplt, es wird mißtrauisch und die Jugend — die Jugend wendet sich ab und geht uns verloren. Uter mtitttc der Ucbel der Rclonu eingesetzt werden und hätte längst eingesetzt werden sollen. Wenn aber festzustellen Ist, daß die Vorschläge des Herrn Lipsky, soweit sie prinzipieller Natur sind, an dem eigentlichen Problem ganz vorbeigehen, so sind sie auch in technischer Hinsicht einerseits unzulänglich, andererseits geeignet, das Gegenteil' von dem zu erreichen, was Herr Lipsky will: eine Verstärkung der Aktivität, das heißt eine Vergrößerung der Einnahmen. Llpsky begnügt sich mit dem Vorschlag der „Durchführung der Koordination In der Arbeit des Kcrcn Hajessod und Kcrcn Kajcmcth". In dieser Form heißt das gar nicht«. Was verlangt werden muß, Ist eine zentrale Stelle, die über die Durchführung oller Sammlungen wacht, die innerhalb der Zionistischen Organisation und in Ihrem Namen unternommen werden. Dts.hclOt: wir brauchen endlich die schon seit Jahren verlangte Propaganda-Zentrale. Sie könnte etwa als eine Stelle bei der Exekutive eingerichtet werden und im wesentlichen aus.je einem Vertreter des Kcrcn Hajessod . und des Kcrcn Kajcmcth unter dem Vorsilz eines Mitgliedes der Exekutive bestehen, wobei vernünftigerweise für d;< rlcschliissc lii.'&cr Stelle Einstimmigkeit verlangt werden sollte. . Sic wüßte sich nalürlich in Urcz Jisrael befinden, überall f andemwo wlr'c sie unmöglich. Diese Stelle hatte die Orund-