Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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"־* V. f) V ץ\ w r\ .«31 «■ und Frfitit. Alx»0«m«c1t bei der Ejjrrditieo ttahVtioB «ml Verleg W. 15, SSdielech• Str. 8. t |f _ __ DO de« Poeiilmtr״ viertr'j ־briirb I*. 6.- ' u7d '55 «5*י*'*י״״״1״»׳״י k DeuUchUnfl, Aua^nda^nnrment in •nUp5<Hhend*f w* u Nummer 2 *9•׳t e ־ «w&äw'* ».» י■ ■י ■ Berlin, 9. i. 1920 A n z e i g e n - Ve rv/a 11 u n g*. W«lt *Verlag, Berlin NW. 7, Dorolbecn*lr«Ö« S5L Tttaphont Amt Zentrum 4SI4 m. 4515• ABielgenpreia för di« *ecJ1*gr*p«Uen• Nonp*r«ii!exe!l• | ll4 AiiKalgenicblnü: Dhcatag und Freitag' caehmllts^• 4 Uhr. /O׳ n)) ׳<; ״,V ~\ |y»v11 ך׳־יי••־■ V Am-' Uh,*"d Hi und 645. PeiH-iircWenlo: Orrlin üff’ * / ג?9,־ Or»terreicb: P0itip»rkf.«»en*׳ut Wien, Kooto w \v*4Ii2! *Är T*rWho*low«k®i: Po*tap9»k»*»v<u111mt Prag. Konto Nr 1,0010. Ue«'״kh<m'*ch!t1ß Sonnt«* un<j Mittwoch imliimttif. 18. Tcbcth '5680 XXV. Jahrg. ' Eine internationale Emigrationskonferenz Dia dringendste JUdiach« Aufgabe der Gegenwart Wir geben nachstehender Anregung von ge* •diätster Seite Raum, ohne unsere Stellung *u präjudkieren. Wir verweisen auf die in der licuti״en Nummer stehende Ankündigung über die Einberufung der allgemeinen jüdischen Hilfskanferenz. Oie Red. Den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ braucht man nichts von der grauenhaften Not der Ostjuden zu er* *ählen. Man braucht für sie auch nicht erst den Hin* weis, daß ■wir vor einen! ungeheuren Ansturn* jüdischer Massenauswanderung au» der!Ukraine, aus Polen, Sowjet-Rußland und andere» Ge- Meten des Ostens stehen. Und man braucht ihnen auch aicht au sagen, daß wir auf absehbare Zeit nicht in der l-age sein werden, die gewaltige Auswandemngsflut in.*die Hahnen zu lenken, die rach Palästina führe». Die t rage, die hier in gedrängter Kürze behandelt werden soll, lautet: Was muß geschehen, um der einictzemlen ziellosen Massenauswanderung einen festen, durchdachten Plan entgegenzusetzen? Was muß getan werden, damit nicht die Juden der westlichen Länder unrorbereitet, hilflos und bis ins Innerste erschreckt vor der kommenden Periode jüdischen Ooluselends stehen? Zunächst einige Feststellungen: 1. Die Auswanderung zu regulieren ist nicht eine einzelne Organisation, nicht das deutsche oder das eunopäisebe Judentum imstande. Nur eine gewaltige, vereinte Kraftanstrengung des ganzen jüdischen Volkes und all seiner Hilfsorganisationen kann der beispiellos schweren Aufgabe gewachsen sein. 2. Die Frage der Emigration aus dem Osten kann nur im Zusammenhang mit der der lmmigration in neue Landstriche behandelt werden. Die Immijratton ist heute für jedes Land eine Frage, von größter inn erpo 1 i ti s c 11 e r Wichtigkeit. 3. Der politische Charakter der Immigration schließt zersplitterte und getrennte Teilverhandlimgen einzelnen jüdischen Organisationen mit den für die Einwanderung in Betracht kommenden Länder aus. Nur eine vom ganzen jüdischen Volk aktiv legitimierte politische Körperschaft kann deshalb von politischem Faktor zu politischem Faktor bindend verhandeln. Aus diesen Feststellungen folgert für mich zunächst: Sämtliche großen jüdischen Organisationen der Welt, die sich mit jüdi-Hi-philantnopischen Angelegenheiten und mit jüdischer Politik sowie mit der jüdischen Emigratton befassen, mit andern Worten also, die iustitutkmeii, die — möglichst n-och ergänzt durch die großen jüdischen Gemeinden — in der Tat die Masse des jüdi* sehen Volkes organisatorisch umfassen, müssen mit größter Beschleunigung in einem neutralen Lande zu einer internationalen jüdischen Emigra- 1 ion ו kon fe r e nz ztisammcntreten. Die Anregung müßte von der zionistischen Weltorganisation ausgehen, die, von der Entente bereits als Vertretung des jüdiselten Volkes anerkannt um) schon durch ihre inter* nationale Struktur hierzu vor allen großen lokalen oder auf Länder und Kontinente beschrankten Organisationen nullifiziert ist. Die Konferenz muß zunächst fcststeilcn,!laß sie die legitimierte Vertretung des gesamten jüdischen Volke* darsteilt. Sie muß aus sich heraus Ausschüsse wählen, die bevollmächtigt sind, mit allen (insbesondere südamcrikanischen) für eine größere Einwanderung in Betracht kommenden Staaten Verftandlungen anzuknüpfen, Das Wichtigste ist, daß die Konferenz diesen Kommissionen auch die Vollmacht geben kann, folgeudes 711 erklären: ״Wir wissen, daß keinem Staate heute damit gedient ist, daß jüdische Massen herein- *trüinen und sich sofort als Händler, Arbeiter und Handweiker nur auf die großen Städte verteilen. Wir verpflichten uns deshalb, die Einwanderermengen, die Ihr uns erlaubt hercinnibrlngen, organisatorisch 7.u leiten. Nur insoweit der Arbeitsmarkt in Euren Städten jüdische Arbeiter und Handwerker erfordert, werden wir diese dorthin dirigieren. Die Ucbrigen werden wir inr stiindigeti Zusammenarbeiten mit Euren landwirtschaftlichen, gewerblichen, forstwirtschaftlichen und sonstigen wirt* schaftliehcn Aufsichtsbehörden in geschlossenen Massen da ansiedcln, wo sie für Euer Wirtschaftsleben produkli chigesctzt werden können. Wir stellen das finanzielle cAUtenzminimum für die Einwanderer bis zu dem Zeitpitnkt, wo *io sich selbst erfüllten können und steuern nnt zu den dein Lande erwachsenden kulturellen und 1 11 1 K" ^e''fausgaben bei. Wir verlangen nur, daß der jüdische Charakter dieser Sied- Jungen in jeder Hinsicht gewährleistet wird. — Lediglich au! der Basis derartiger Vorschläge J1 verhandelt «׳erden. Nur wenn hinter der jluhsclien Ein Wanderung eine starke Macht steht, die die Zuwandernden bei Ihrem Bemühen, sich eine wirtschafthche Existenz zu gründen, nach einem■ großzügigen ״Der Zionismus erstreb) für da» Jüdische Volk die Schaffung einer öffenilldv-rcditücl» gesteh er) ca Helmti.llfo In Palästina." Baseler Programm. Einberufung der allgemeinen jüdischen Hilfskonferenz. (Eigener Drahtberlcht.) Das Comirö der Delegationen In Paris hat in *etnar Sitzung vom 28. Dezember beschlossen, die allgemeine jDdhdie Hilfskonfcrenz für den 7. bis 11. März 1920 nach Zürich einzuberufen. Der späte Termin wurde mit Rücksicht auf die großen RelseschwierlgkeUcn der Delegierten aus Amerika und Südrußland festgesetzt. EIngcladen sind etwa 70 Hilf»- Organisationen, die 40 Länder repräsentieren und mehrere lenirale jüdische Organisationen. Der litauische Gcmeindetag (Eigener Drahtbericht.) Kowno, 6. Januar. Am 5. Jar.uar, nachmittag» 5 Uhr. fand die feierliche Eröffnungssitzung de» entea litauisch-jüdischen Gemeindetage» durch den Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Solo w ritschik, statt. Es waren 78 Gemeinden durch 139 Delegierte anwesend. Zahlreiche Gäste wohnten außerdem den Verhandlungen bei. Der Ministerpräsident Oalwt• «owski und der Außenminister Wo Idem »r begrüßten die Versammlung und drückten ihr den festen Willen der litauischen Regierung aus, auf den Ortmdlagen der nationalen Autonomie weiter zu bauen. Sie wünschten der Arbeiten der Tagung reichen Erfotg. Dann sprach der englische Major de ßesumont, der die Konferenz mit warmen Worten begrüßte und ihr fruchtbare Arbeit wünschte. Er hoffe auf die baldige Erfüllung der ewigen Sehnsucht des jüdischen Volke» nach seiner nationalen Heimstätte in Palästina. Kowno, 7. Januar. Der Verlauf der Sitzun; i ist *ehr befriedig׳'™! Gestern wurde die Frage di ökonomischen Autbatu erörtert. Plan unterstützt und das betreffende Land davor bewahrt, daß ihm eine gewaltige Proletarier* oder Händlertnasse zur Last fällt, wird man überhaupt mit uns! verhandeln. Zu diesem Zweck muß sich die Konferenz als solche in Permanenz erklären und zwar in Form einer rc chtsfähigen Körperschaft. Diese Körperschaft muß ferner als eine ihrer ersten Aufgaben eine große jüd i s c 11 c Emigrationsbank begründen, deren Aktienkapital, möglichst amter Ucbcrnahme einer gewissen Zinsgarnntic durch die Korporation der Konferenz, von den einzelnen Organisationen sofort gezeichnet und in ihren Ländern plaziert werden muß. Die Bank hat nicht nur die Finanzierung der Immigration In den etwa sich uns erschließenden Ländern zu übernehmen, sondern vor allem auch Hand in Hand mit dem Jewish Colonial Trust, der das Gleiche ja doch früher oder später für die Palästina* Aus Wanderer i» mehr otler weniger großem MalUtabe durchzuführen hat, ־zusammenzuarbeiten und zahlreiche Filialen in dm Auswanderungsländern, insbesondere als Liquidation s- *teilen für das immobile Vermögen der Abwandemden zu errichten. Außerordentlich erwünscht wäre es, wenn bis zum Zusammentritt der Konferenz bereit» in Deutschland theoretische Vorarbeiten geleistet würden, die der Konferenz genauere» Material darüber böten, welche Länder heute eine jüdische Einwanderung aufnehmen können. Dies ist ganz knapp und in Kürze der Vorschlag. Die genauere Ausarbeitung aller Details wird erfolgen müssen, sowie sich zeigt, daß die zionistische Organisatkm und die jüdische Oeffentlichkeit erkannt hat, daß heute und nicht morgen der Anstoß zur Einberufung der Konferenz erfolgen muß. Männer wie Mathias Acher haben schon vor Monaten in ähnlicher Weise auf die kommende Situation hingewicscit. Ich sehe keine andere Möglichkeit, das jüdische Volk vor ungeheurem und grauenhaftem Unglück zu bewahren, und ich sehe keinen Grimd, der als ausschlaggebend heute dem dringenden Verlangen nach sofortigem Ztisammcntreten der Vertreter der ganzen jiulisclien Welt in der Stunde höchster Not entgcgcngchattcft werden kann. Zumal das Eine als selbstverständlich für uns alle feststclit, daß das Werk des Aufbaues des jüdischen Palästina unter diesen Arbeiten nicht leiden darf. Denn über allem, was wir tun und gezwungen werden zu tun, steht als höchstes und unverlierbares ideal Palästina. Und wir hoffen und glauben, daß auch für sehr Viele von denen, die wir heute in andere Länder leiten müssen, oder doch für ihre Kinder und Kindcskinder da» letzte Wanderungsziel das Land der Väter sein wird. - Hans Goslar. Dr. Welzmanns Rückkehr Jerusalem, 24. Dezember 1919. Dr. We izmann hat sich öffentlich daliin ausgesprochen, daß aller Wahrscheinlichkeit nach die für Palästina erlorderliehen Grenzen gesichert sind, ebenso Vorzugsrechte für da» jüdische Volk üi der Frage der öffentliche״ Arbeiten und de* Landkaufs. Er erklärte, daß diejenigen Orte, die im Augenblick von Arbeitergruppen bearbeitet werden, zu Arbeitersiedlungen umgewandelt werden müßten. Eine Million Pfund müsse vom Nationalfond* für den Landkauf aufgebracht werden. Die Araber würden an dem gesamten Aufbauwerk zunr Wohle der gesamten Bevölkerung teilnchmen. Dr. Weizmann hat Palästina am 21. Dezember verlasten, um nach England zurückzukehren. Auf der Rück- «we traf er in Triest mit Dr. Ruppin zusammen. Ein Brief des Emir Faisul Wie di» ״London Zionist Bulletin“ in «einer Nummer 21 mitteilte, richtete Emir Fa faul an Herbert Sa m uel «in Schreiben, da• in deutscher Ueberaetrung wie folgt lautet: ״Lieber Herr Samuel! Ich bin »ehr glücklich, zu erfahre», daß Sie •״lalllieh der zweiten Wiederkehr der Balfourschen Erklärung die Gelegenheit benutzt haben, um das Mißverständnis zu zerstreuen, das durch die Veröffentlichung meine« Interview» im ״Jewish Chronlcle“ im letzten Monat entstanden war. ich bin fest überzeugt, daß daa gegen- »eitige Vertrauen zwischen uns und die völlige (Jeheretnstimmung in unseren Gesichtspunkten, welches ein» restlose Versündigung zwischen Dr. Weizmann und mir möglich gemacht hat, in der Zukunft ähnliche Mißverständnisse verhüten und zwischen uii* die Hartnonie erhalten wird, die für den Erfolg unterer gemein- •amen Sache so notwendig ist Empfangen Sie, mein werter Sir, di» Verstehen״!» meiner größten Hochachtung, Fa i»uf.“ Wl« von una seinerzeit mitgeteil», hatte Herbert % I. ■i!..,r ־.■;;! ׳ ■I . . r , j geiuui iijiic, wie» oaraut 11m, uan uer türm »eine Zustimmung zu den zionistischen Vorschlägen aasdrücklich erklärt und seine Haltung diesbezüglich nicht geändert habe. Diese Erklärung winl von Emir Faisul *n dem wiedergegebenen Brief wiederholt. Die Lage Im vorderen Orient Die gegenwärtige Situation in den Gebieten <Je« ehemaligen türkischen Reiche» lat eüie rocht uneifrcu liehe, ln Aegypten scheint e* noch immer zu gären, au» Mesopotamien sind In letzter Zeit Nachrichten über Erhebungen der einheimischen Bevölkerung gegen die englische Herrschaft laut geworden und m den Palästina benachbarten Gebieten Syrien» ist es nach zahlreichen Meldungen zu Mißhelligkeiten mit der! französischen Besatzungtruppen gekommen, bei denen die Drohung laut wurde, sich mit Gewalt gegen eine französische Herrschaft zu wehren. Der ״Near East“, die ausgezeichnet informierte englische Oricutzeitschrift, bringt einen Brief ihre» Jerusalemer Berichterstatter* vom '26. November, tu welchem cs heißt: ״Die Nachrichten aus Damaskus und Beirut sind andauernd schlecht. Berichte aus Damaskus melden, daß die Bevölkerung hier ebenso wie in Horn», Ham* und Aleppo entschlossen ist, für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. Im Bciniter Distrikt ist es bereits zu verschiedenen Zusammenstößen zwischen der Bcvöikentng und der französischen Armee gekommen." Auch andere britische Zeitungen teilen die Besorgnis über die Gestaltung dieser Verhältnisse. Sa schreibt ״New Statcsman“ am 13. Dezember: ״Die Erregung ist beträchtlich durch die An- Kündigung gemildert worden, daß Frankreich nicht beabsichtigt, die militärische Okkupation auszudehnen und daß der Emir Faisul einen mäßigenden Einnuß auszuüben vermag. Aber niemand glaubt, daß Faisul seinen mäßigenden Einfluß einen Moment Länger ausüben wird, als er daran interessiert ist. Der wirkliehe kritische Moment wird erst kommen, wenn der türkische Frieden in naher Aussicht steht.“ Alle diese Nachrichten beweisen, daß cs nicht nur' hi» Interesse des jüdischen Volkes, sondern ebenso f>1 dem der arabischen Bevölkerung wie der europäischen Mamlatnrmächte gelegen ist, die unleidlichen Verhältnis*» der Übergangszeit möglichst schnell durch eine dauernde Regelung abzulösciu Es ist dringend zu wünsche«, daß die nunmclw wiederholt augekümllgtcn unmittelbar bevorstehenden Verbandhmgcn mit der Türkei nicht wieder vcrsciiaben, sondern baldfest nrn Abschluff gebracht werden.