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Der junge Jude · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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PALÄSTINA-UMSCHAU (Januar—Februar 1930 Das Wirtschaftsleben in der Stadt. Bautätigkeit. Die letzten Monate brachten die jüdische Bautätigkeit in den Städten zur Entfaltung. Besonders viel wird in Tel-Aviv gebaut. Die jüdischen Kaufleute, die vor den Ereignissen ihre Geschäfte in Jaffa hatten, errichten jetzt große Bauten in Tel-Aviv. Die Zahl der Baugenehmigungen, die in den letzten Februarwochen vom Magistrat in Tel-Aviv erteilt wurden, erreichte dieselbe Höhe wie in der großen Bauzeit von 1926. Die Ziegelfabrik Silikat, die ihren Betrieb seit der Krise von 1926-27 unterbrochen hatte, beginnt wieder ihre Arbeit. In Jerusalem, Haiia und Safed werden die jüdischen Viertel erweitert und nach Möglichkeit vereinigt. Der Hilfsfonds bestimmte für diese Bauten £ 64.000.—.*) A r b e i t e r - V o r s t ad t. Im Februar begann man den Bau der ersten großen Arbeiter- Vorstadt im Lande. Sie wird auf National-Fonds-Boden bei Haifa gebaut. Im Jahre 1930 werden zunächst 200 Häuser errichtet. Der Plan sieht eine Siedlung von 5000 Familien vor. Der Boden, der dazu notwendig ist, steht zur Verfügung. Wie in der Landwirtschaft, werden auch in der städtischen Arbeiter- Siedlung die beiden Formen der Arbeitersiedlungen — die kollektive und die individuelle — Platz finden. Industrie. Die Exportziffern der meisten Industriezweige zeigen eine sichtbare Erhöhung. Die einzige wichtige Ausnahme ist der Zementexport. Die Ursache ist in der Erweiterung des inländischen Marktes durch die neuentfaltete Bautätigkeit zu suchen. In der letzten Zeit wurde der Mangel an Exportmärkten tfür die Industrie von Tag zu Tag stärker fühlbar. Die neuen ägyptischen Zölle (besonders auf Seife — eine der wichtigsten Exportwaren Palästinas) haben das Problem noch wesentlich *) £ Mk. 20.—. erschwert. In den letzten Monatein sind Export-Versuche nach Süd- Afrika gemacht. Die Landwirtschaft, O r a n g e n b a u. Die diesjährige Orangen-Ernte beläuft sich auf 3 Millionen Kisten, also eine bis jetzt noch nicht erreichte Zahl. Die Preise waren zuerst sehr ungünstig wegen des unorganisierten und unsorgfältigen Exports der arabischen Erzeugnisse. In den letzten Wochen haben die organisierten jüdischen Plantagenbesitzer und Kaufleute viel höhere Preise erzielt. Der jüdische Orangen-Export begnügt sich nicht mit dem englischen Markt, er durchdringt auch die Märkte auf dem europäischen Festland, besonders Deutschland und Osteuropa. Neuanpflanzungen werden intensiv fortgeführt. Marktschwierigkeiten. Durch die neuen ägyptischen Zölle wurden verschiedene Zweige der jüdischen Landwirtschaft betroffen (Orangen, Bananen, Honig). In den letzten Wochen sind einige tausend Kilo Honig nach Skandinavien verschickt worden. Die Arbeiterschaft in den Kolonien. Die jüdischen Arbeiter in den Kolonien fassen Fuß und führen die Anfänge einer selbständigen wirtschaftlichen Tätigkeit durch die Erweiterung der Bodenflächen, durch Neuanpflanzungen, Vergrößerung des Inventars und der Bautätigkeit fort. Eine besondere Entwicklung ist in der Zweiiggruppe des ,,Kibuz Hameuchad" in Petach-Tikwah (180 Seelen) zu verzeichnen. Der Tageslohn der jüdischen Arbeiter erreicht ungefähr die Höhe von 20 Piastern (Mk. 4.—). Die Arbeitslage. Nach der kurzen Saison-Arbeitslosigkeit der Wintermonate in den Kolonien, die hauptsächlich für Frauen und Mädchen bemerkbar 74

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