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Jüdische Korrespondenz · 1920-09-09 · 27 (9.9.1920) · page 10

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
27 (9.9.1920)
Date
1920-09-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Jüdische Korrespondenz Nr. 27 (Fortsetzung von Seite 6.) I (Die Hetze gegen Professor Einstein.) Aus der I Tagespresse ist bekannt, daß vor einigen Tagen in Berlin ein! pöbelhafter Angriff auf den berühmten Physiker Professor Einstein unternommen wurde. In der „Arbeitsgemeinschaft deutscher Naturforscher" erklärte ein Vortragender die Einsteinsche Relativitätstheorie als wissenschaftlichen Dadaismus, warf Einstein selbst Plagiat- und Reklamesucht vor; nachher wurde Einstein das Opfer eines förmlichen Attentates deutschnationaler Studenten, die ihn umringten und auf das maßloseste beschimpften. Der Gelehrte wurde mit den Worten „Dem Saujuden soll man die Gurgel durchschneiden" empfangen und insultiert. Professor Einstein beabsichtigt infolge dieser Vorfälle Berlin und eventuell ganz Deutschland zu verlassen und im Auslande zu wirken. Bereits vor einigen Monaten war Einstein Gegenstand heftiger Angriffe in der Berliner Universität. Professor Albert Einstein, ein polnischer Jude, ist einer der größten wissenschaftlichen Entdecker der Gegenwart und als solcher in der ganzen Welt anerkannt. Wenn die deutsche Antisemitenbande, die vertrottelten preußischen Edeljünglinge, die heute noch Anhänger des Potsdamer Systems sind, Einstein aus Deutschland hinausekeln, so stellen sie nur den richtigen, vernunftgemäßen Zustand her: ein echter Gelehrter paßt nicht in dieses Land. (Die Orthodoxie in Holland.) Das orthodoxe „Nieuw Jsraelitisch-Weekölad" in Amsterdam entwickelt für die orthodoxe Judenheit folgendes politische Programm: Gleiche politische und gesellschaftliche Rechte für Juden wie für Nichtjuden. Die jüdische Religion muß, gleich allen'anderen Religionen, anerkannt werden und eventuell gleiche finanzielle Unterstützung seitens des Staates genießen. Der Staat soll gesetztlich festlegen, daß ein Jeder am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, ohne irgendwie mit seinen Religionsvorschriften in Konflikt kommen zu müssen. Es soll jedem freistehen, sich überall niederzulassen und niemand darf deshalb ausgeschlossen werden, weil er Jude ist. Falls die Juden irgendwo die Majorität erlangen, sollen ihnen auch die Rechte der Majorität zustehen. (Wiederaufnahme gewesener jüdischer Offiziere in die polnische Armee.) Auf ein Schreiben des jüdischen Sejmklubs an das Kriegsministerium wegen der Nichtaufnahme der gewesenen jüdischen Offiziere in die polnische Armee in ihre früheren Offizierschargen erhielt ersterer nachstehende Antwort: „Betreffend Offiziere der nichtpolnischen Nationalität. Bezüglich der im Schreiben des jüdischen Sejmklubs berührten Angelegenheit hat das Kriegsministerium an die ihm unterstellten Rekrutierungsbehörden einen Befehl gerichtet, der die obige Angelegenheit im Sinne der im besagten Schreiben enthaltenen Wünsche regelt." Dr. Abraham Kirsch ges. A. Aus Halberstadt kommt die Trauerbotschaft vom Ableben des Dr. Abraham Hirsch, der am 12. August im 53. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet hat. Das Ableben dieses Mannes bedeutet einen unersetzlichen Verlust für das Judentum, besonders für die Agudas Jisroel, dessen eifrigster Verfechter er war. Nur 53 Jahre waren ihm beschieden, aber jeder einzelne Tag dieser knappen Jahre war ein Leben, erfüllt von dem Bestreben der Aufgaben gerecht zu werden, mit denen heilige Tradition ihn schon an der Wiege begabte. Tradition der Heimat, Tradition der Familie. Reines Wollen zeigte ihm den Weg, vornehme Gesinnung rankte um alle Erfolge selbstprüfende Demut, klare Erkenntnis gipfelte in einer Welt voll Treue gegen seinen Schöpfer und sein heilig Wort. Schon was er' seiner Kehilla, den von ihm so sehr geliebten Halberstadt leistete, gehört als kostbares Erbe dem Klall Jisrael an, und wenn Halberstadt eine über den zahlenmäßigen Wert hinausragendc Stellung einnimmr, wann diese Kehillo führend in so vielen Fragen geworden ist, so ist dieses Rätsel in der wunderbaren Persönlichkeit gelöst, welche Abraham Hirsch darstellte. Es gab für ihn schlechthin keine „Kleinigkeiten"; was ihm als Problem des Tages seine Gemeinde verlegte, er suchte es ganz zu erfassen und hat es gemeistert. Sein Traum war es, daß so wie Halberstadt auch jede Gemeinde, jeder Einzelne sich dienend dem Ganzen anschließe. Das war das Leitmotiv seiner unermüdlichen Tätigkeit zum Wohle der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" oas weitete stetig seinen Blick und ließ ihm die Krönung seines öffentlichen Lebens erscheinen in der Stunde, in welcher er vor acht Jahren an einem Frühlingstage des jüdischen Werdens in Kattowitz die erste Versammlung eröffnete und leitete, in welcher sich die religionstreuen Teile der Judenheit mit banger Frage und stolzer Hoffnung einander suchten — unter dem Namen „Agudas Jisroel". Seit dieser Stunde hielt er, mit rührendem Glauben an den endlichen Sieg der Thora in der jüdischen Gemeinschaft, das Banner der Aguda hoch, pflanzte in schweren Zeiten ihre Fahne im Osten auf, und wenn es mit des Allmächtigen Hilfe gelang, den furchtbaren Erschütterungen, dem rasenden Ansturm gegen die heilige Thora dort zu .begegnen, so ist dies ein Verdienst von Abraham Hirsch und Gleichstrebender, die er zu hohem Ziele vereinigte. Für ihn war Judentum und Thoraj Thora und Menschentum ein Begriff, und dieser Totalität einer geschlossenen Weltanschauung beugte sich jeder. Es mar sein Ideal, daß auch die Führer der jüdischen Gemeinden, die Rabbiner, zu dieser Einheit herangebildet würden und diesem Ideal diente er als Kurator des Rabbinerseminars, wobei er sich stets als Vollstrecker des selbstlosen Willens seines Großoheims, des unvergeßlichen Rabbi Esriel ges. A. begriff. Mit einer reinen Hand Wohltaten streuend, mit reinem Herzen Liebe spendend und um Liebe werbend, so schritt er durch sein Dasein, und in seinen keuschesten Stunden, deren es unzählige gab, wandte er den Blick ostwärts, allwo die Armen des heiligen Landes in Dankesthränen zu ihm sprachen, um auch dort die Einheit zu ahnen, die der sterbende Moses erschaute, den heiligen Tempel eines heiligen Volkes im heiligen Lande. Das war ihm Erez Jisroel,'Quelle des reinsten Glückes, die erschließen zu helfen, der innige Traum seiner umfassenden Menschenliebe war. David Bernhard Mern ges. A. Eine große Lücke ist in den Reihen der orthodoxen Juden Wiens durch das plötzliche Hinscheiden des Herrn D. B. Stern entstanden. Ein Mann von tiefster Frömmigkeit, durchdrungen von innigem Gottvertrauen, strenger Rechtlichkeit, eblent Charakter, erfüllt von Liebe zu seinen Mitmenschen ist leider allzu früh dahingegangen. Seine Emunoh war der Grundton seines Lebens, die ihm Kraft verlieh im manigfachen Lebenskämpfe ein streng jüdisches Haus aufrecht zu erhalten. In seiner Liebe zur Tauroh war diese ihm Beraterin sowohl im Leben, als auch im Hause bei der Erziehung seiner Kinder und Wahl seiner Schwiegersöhne. Alles was er beim täglichen Besuche der Schiurim gelernt, hat er auch gewissenhaft ausgeführt und war so sein ganzes Leben und Wirken eine ununterbrochene Awodath Haschem, wodurch er seinen Mitmenschen als Musterbild eines wahrhaft frommen Jehudi dastand. Groß war sein Wirken durch Ausübung der Mizwath Zdokoh. Sein Haus war den Bedürftigen stets offen uiid durch tatkräftiger Hilfe, inniger Anteilnahme hat er Bedrückte aufgerichtet, wie dies nur ein Mensch mit rechtem Sinn und liebendem Herzen für seine Mitmenschen zu üben befähigt ist. Die Achtung, das Ansehen und die Wertschätzung, die er in weitesten Kreisen genoß, offenbarte sich in der großen Zahl, der ihm die letzte Ehre erweisenden. Obwohl die Trauerkunde durch das plötzliche Hinscheiden nicht bekanntgegeben werden konnte, versammelte sich dennoch eine große Menschenmenge am Erev Schaboth Kaudesch, Erev Rosch Chaudesch Elul halb 3 Uhr nachmittags vor dem Trauerhause und geleitete den Verstorbenen zur Schiffschul, in dessen Vorhof seine irdische Hülle getragen wurde. Dortselbst sprach sein Bruder Josef Stern tiefempfundene Worte des Abschieds, schilderte dessen segensreiche Tätigkeit für die Allgemeinheit, die so frühzeitig zum Abschluß kam, und im Wirken seiner Kinder nunmehr Fortsetzung finden werde. Im Namen seiner Kinder klagte sein Schwiegersohn, Rabbiner S. Neuwirth, über den Heimgang ihrer Zierde und Krone, der ihnen Schützer. Berater und Wegweiser in allen Lebenslagen gewesen, wie er Wohltaten, die er erwiesen, stets im Stillen durchgeführt und durch solche Handlungen der Mizwoh erst die richtige Weihe gab. Im Namen der Familie sprach sein Schwager A. Koyn, schilderte die Vorzüge dieses edlen nun Dahingeschiedenen. Wegen vorgerückter Zeit des Sabbathrüsttages konnte nur uoch Herr Rabbiner M. Kramer beim offenen Grabe eine Gedenkrede halten. In tiefer Ergriffenheit betrauerte er den Heimgegangenen, entrollte sein Lebensbild, wie er ihn durch 25 Jahre seines täglichen Tempelbesuches schätzen lernte und wie er ihn bewunderte ob der Kraft und Ansdauer, mit der er erfolgreich zum Kidusch Haschem beigetragen, wie er durch sein unerschütterliches Gottvertrauen allen Tempelbesuchern und ihm zum Muster diente und im starken Festhalten an den Vorschriften unserer heiligen Thora die strenge Richtung im Tempel wahrte, rühmte seine zum Geben stets bereite Hand, die sich nicht im Maasergeben erschöpfte, sondern weit über dieies Maß hinaus „Chaumesch" gegeben hat. In der Megilloh sagt Rabbi Elieser: Wenn ein Gerechter scheidet, ist nicht für ihn, sondern für seine Mitmenschen der Verlust, wie wenn eine Perle abhanden kommt, sie ihrem Eigentümer fehlt, die Perle selbst ihren Wert behält, wo immer sie sich auch befindet. So wird auch er bei seinem Vater im Himmel Anerkennung für seine Taten finden und soll für uns ein Meliz jeuscher sein. Nekrologe. Gabriel Fischer. Am 7. September wurde die sterbliche Hülle Gabriel Fischers ges. A. nach Eisenstadt überführt, wo er an der Seite seines berühmten Vaters des Gaon Rabbi Gottlieb Fischer

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