Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 16 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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•tör. U Jüdische Korrespondenz Seite 7 Papiere aüsgesetzt seien. Der Autor warich dieses System weiter fortzufetzen, da die Emigräntenströme bei chikanöser Behandlung ihren Weg nach Amerika via. Belgien oder Holland nehmen würden, was wahrscheinlich nicht im Interesse der französischen Schiffahrtsgesellschaften gelegen sei. Frankreich, so heißt es weiter,, brauche Arbeiter; es entsende Kommissionen .nach Polen, um . Arbeitergruppen zu rekrutieren und wenn Arbeitsuchende bei ihm anpochen, werde ihnen , die Türe gewiesen oder man suche sie auf andere Weise fernzuhallen. Frankreich stehe schon in dem Rufe, dem Zionismus feindlich gesinnt zu sein, es fruktifiziere schon von der anti-jüdischen Politik des Kardinals Dubois in Palästina; will es sich,, so fragt der Autor, auch noch den Vorwurf der Intoleranz zuziehen und seinen Ruf als. Land des Asylrechtes einbüßen? (Bon der Histadruth Jeruscholajim.) Einem Privatbriefe Rabbi Kooks, des Gründers der Histadruth Jeruscholajim Organisation, entnimmt die „I. P. Z." :/Mit der Zeit wächst allmählich die Notwendigkeit, die Ideen - der „Histadruth Jeruscholajim" zu verwirklichen. Um' den Völkern und ihren Führern unsere Forderung auf Erez Jisroel verständlich zu machen, müssen wir sie über, unsere Wünsche bezüglich der Wiederauflebung des heiligen jüdischen Geistes im jüdischen Volke in Erez Jisroel aufklären. Ohne diese werden sie unsere Forderungen nicht begreifen. Herbert Samuel, der mit Chiefrabbi Kook vor seiner Abreise ein längeres Gespräch hatte, äußerte sich ebenfalls in diesem Sinne und fügte noch hinzu, daß auch Lloyd George ihm gesagt habe, daß die Forderung der Juden auf Palästina nur auf Grund der Heiligkeit der Bibel gerechtfertigt werden könnte. Auch der englische König hat auf ein Begrüßungsschreiben Rabbi Kooks in diesem Sinne sich geäußert. Als nächste Aufgaben der Histadruth Jeruscholajim bezeichnet. Rabbi Kook die Gründling einer Muster-Jeschiwah (Talmud-Akademie) in Jerusalem, . Gründung eines Beth-Din-Gadol in Jerusalem mit Wirksamkeit für ganz Erez Jisroel^.-der. in KonL<xkt..stcht , mit den Thora-Autoritäten und Rabbinern des Exils, Gründung eines Fonds für religiöse Zwecke, Erwerbung eines Platzes in der Nähe der. Kossel-Maarowi, unl dort eine große Synagoge zu errichten. (Sprachenstreit in Jerusalem.) Der Stadtrat von Jerusalem beschloß die Einhebung einer fünfprozentigen Abgabe.von den Wohnungsmieten. Die Zahlungsaufträge und Quittungen wurden ausschließlich in arabischer Sprache abgefaßt, worauf 'viele Juden die Zahlung verweigerten, da sie nicht arabisch verstehen. Der Stadtrat führte Klage bei den Behörden und erhielt nach einigen Tagen von Oberstleutnant Pophanr die Antwort, daß die Frage des Gebrauches der arabischen Sprache in lokalen Amtsgelegenheiten in Erwägung stehe, daß aber derzeit eine Zahlungsverweigerung auf Grund der Unkenntnis der arabischen Sprache nicht gerechtfertigt sei. Gleichzeitig erhielt die zionistische Kommission einen Brief von General Stoxres, in welchem dieser sagte, er sei durchaus dafür, daß die hebräische Sprache im Lande anerkannt werde, und es sei erwünscht, daß der Stadlrat alle seine Kundmachungen sowohl in arabischer als auch in hebräischer Sprache veröffentlicht. Eine Abschrift des Briefes sandte General Storrs an den Stadtrat. . Bisher allerdings ist eine Wirkung nicht festzusteÜen.' (Der „Bund" gegen den Zionismus.) Im offiziellen bundistischen Organ, „Der Wecker", wird ein vom Zentralkomitee des „Bund" in Hommel an das jüdische Proletariat der ganzen Welt gerichtetes Radiotelegramm veröffentlicht, in dem scharf gegen die Zionisten Stellung genommen wird. Der Zionismus-Habe sein < Geschick mit dem Jmperalismus der Entente verbunden und suche die jüdische Bourgeosie und ihre Wortführer, die Zionisten, Rettung im Lager der allweltlichen Kontrerevolution. Die jüdischen Arbeiter werden deshalb nnfgefyrdert, mit allen Kräften den Zionismus zu bekämpfen. (Organisation der sesardischen Inden.) Die vor einigen Monaten in Jerusalem gegründete Organisation der sefardischen. Juden, wurde von der englischen Regierung anerkannt. Die Zentrale dieser Organisation befindet sich in Jerusalem, mit Zweigstellen in Jaffa, Haifa, Hebron, Tiberias und Safed. Nun gedenkt sie ihre Tätigkeit auch auf andere Länder auszudehnen. Die Zahl der sefardischen Juden auf der ganzen Welt beläuft sich auf über 1 '/4 Millionen Seelen. Ziel dieser Organisation ist unter anderem den materiellen nnd geistigen Stand der sefardischen Juden der ganzen Welt zu heben, ihre Interessen zu verteidigen, sie zum nationalen und gesellschaftlichen Leben heranzuziehen und unter ihnen den zionistischen Gedanken der Wiederauflebung des jüdischen Volkes und die Besiedelung Palästinas zu verbreiten. (Ein weiblicher Prediger!) Lilli Montagu, die Schwester Lord Gwaythlings und des Ministers für Indien, Montagu, wurde als erste weibliche Predigerin in der Reformsynagoge, Hoolstreet Hanovergate West, erwählt. (Rücktritt des Großradbiners der Türkei.) Ans Konstantinopcl wird geschrieben: Der Großrabbiner, Chaim Nahum Effendi, hat dem Justizministerium sein Abschiedsgesuch überreicht. In dem Gesuch dankt Chaim Nahum Effendi der türkischen Regierung für die Unterstützung, die ihm während seiner zwölfjährigen Amtstätigkeit von der Hohen Pforte zuteil geworden sei. Wie verlautet, soll der Grund zu seinem Rümritt in den Schwierigkeiten liegen, die entstanden sind durch seinen Wunsch, die Teilnahme der Juden fremder Staatsangehörigkeit an den Wahlen dnrchzusetzen. Nach Schluß des Blattes. (Weltkongreß der Agudas Jisroel.) Einberufung der „Kenessijoh Gedauloh". Vom 21. bis 26. April fanden im Zentralbureau der Agudas Jisroel in Zürich unter Teilnahme auswärtiger Führer wichtige Beratungen statt. Das bedeutendste Ergebnis ist der Beschluß, die erste „Kenessijoh Gedauloh" (Weltkongreß der Agudas Jisroel) im Herbst 1920 einzuberufen. Die Tagesordnung für..den Kongreß wird demnächst bekanntgegeben werden und bürfteu in der Hauptsache folgende Fragen behandelt werden: Thora (Erziehungswesen), Erez Jisroel (Palästinafragen), Emigration, jüdische Volkswohlfahrt. Samiliennachrichten. Moriz Nasch und Frau beehren sich, ihre Freunde von der am 6. Mai 1920 in Baden stattgefundenen Vermählung ihrer Tochter Nelly mit Herrn Max Preiser in Kenntnis zu setzen. Berta Fürst (Wien), Tochter des Herrn Markus Fürst, und Herr (kmanuel Schlesinger (Paks, Ungarn), Verlobte. Neue Bücher. „In Fesseln" (Der Traum eines Klausners). Damatisches Gedicht m 3 Aktein Bmr Jischok Leib P erez. Uebertragen von Siegfried Schmitz. R. Löwit Verlag, Wien irnd Berlin 1920. Preis drosch. M( 5 —, geb. Mk. 7 —. — lieber die Bedeutung I. L. Perez, des tiefsten ostjüdischen Dichters, noch viele Worte zu verlieren, ist längst überflüssig geworden. Seinen Platz in der Weltliteratur hat er sich bereits erobert. Zur Uebertragung seiner Dramen „Die Nacht auf dem allen Markt" und „Die goldene Kette" gesellt sich nun als drittes «In Fesseln", eine inhaltlich kühne Dichtung, ein in der Foriu meisterhaftes Bühnenspiel. In künstlerischem Gewände, mit Buchschmuck von Uriel Birnbaum, stellt das vorliegende Bändchen eine reizende und interessante Neuerscheinung auf dem Büchermärkte dar. „Das Pariser PSlkerbundabkommen." Vorgeschichte, Text. Kritik und Kommentar. Von Dr. Paul v. Auer. gr. 8°. 64 S., K 12*—, Mk. 6 — (zuzügl. 20 Proz. Tellerungszuschlag). Manz, Wien. — Die Arbeitmacht uns mit dem Völkerbundproblem im allgemeinen und mit dem Pariser Abkommen im besonderen vollkommen vertraut. An der Hand des Textes lernen wir die Verfügungen des Abkommens kennen, wobei ein reichhaltiger Kommentar und eine treffende Kritik uns zur Verfügung stehen, die auch vom Staildpunkte der Revision des Vertrages und der Fortbildung des Völkerrechts von Interesse sind. Ein separates Kapitel bespricht den Stand der zwischenstaatlichen . Organisation vor dem Kriege und ein zweites die Vorgeschichte, beziehungsweise Entstehung des Völkerbundes. Der Autor nennt den in Paris geschaffenen Völkerbund die organisierte Sicherung der unerträglichen ^Friedensbedingungen; eine Zwangsjacke die wohl die Be-