Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 184)
- Language
- German
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110 ’ r Nr. 8. Reskript der Hofkammer an den Hofrat zu Salzburg behufs vorbereitender Massnahmen zur Aufhebung des Judenleibzolles (3. Dec. 1790) 1). ״Wir haben Uns bei einer von dem Münchner Hofjuden Levi Anschel entstandenen Klage gegen das Pflegerecht Deisendorf wegen eines strafenden Judenzolls betreffend veranlasst, gefunden, höchstens Orts einen* Vortrag unterthänigst vorzulegen, in welchem überhaupt der Wünseh vgeäussert wird, dass dieser die Menschheit schändete Leibzoll dfer! Judenschaft durch die Generale an die Mautämter gänzlich aufgehoben, auf den Grenzsäulen bei den Mautämtern die Aufschrift Judenzoll .ausgelöscht, der Hebräer aber wie jeder andere Reisende betrachtet werde, wenn er seinen Waarenzoll und das Weggeld erlegt. Eben also wurde höchsten Ortes vorgestellt, dass der Schreiber der hiesigen Hauptmaüt jederzeit einen in der Stadt befindlichen Juden gleich einen Lohnlaquei oder Büttel für die Bezahlung in alle Häuser begleiten müsse, diese Begleitung aber nicht allein für eine Kanzleiperson unanständig sei, sondern auch den Schreiber an seine Amtsgeschäften hindere, folglich von Seite des hochfürstlichen Hofrates jemand anderer soferne diese Begleitung in Rücksicht der Polizei ferners nötig gefunden würde, hierzu aufgestellt werden sollte, indem man einen besoldeten Maut- Schreiber nicht mehr dazu gebrauchen lassen wolle. Wir haben aUem diesem noch beigefügt, dass die Aufhebung des Judenzolls den höchst edlen Gesinnungen nicht anders als analog sei, dass seine Hochfürstlichen Gnaden höchstihre aufgeklärte Denkungsart im Auslande bereits durch so viele weise Anordnungen, welche jederzeit die Vertilgung veralteter Missbrauche und Vorurtheile bezielten, berühmt gemacht haben; diesen Leibzoll bei allen Maut- Stationen zusammen nur eine sehr geringe Summe betrage dabei fast bei allen Mautämtern verschieden sei und dennoch über diesen unbeträchlichen Zoll vielfältige Anstände erhoben haben, wie es die mit den Juden Levi Josua, Oppenheimer u. Comp., Levi Anschel und abgeführten diesortigen Acten beweisen, dass es endlich auch für jeden Reisenden, der mit hohen Meinungen von der Salzburgischen Aufklärung an die Grenze kömmt, gewiss ein besonderer Contrast sein müsste, gleich bei der ersten ״Maut“ eine grosse *) Originalakt im Landesre^ierungsarchiv Salzburg.