Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 298)
- Language
- German
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257 XXI, Rothschilds Sehreiben an Metternich in Angelegenheit der türkischen Anleihe. Durchlauchtigster Herr Staatskanzler! Durch meine Handelsfreunde in Konstantinopel ist mir die Eröffnung zugekommen, dass die hohe Pforte sich in momentaner Geldverlegenheit befindet und zur Deckung der augenblicklich dringendsten Bedürfnisse einen Vorschuss von einigen Millionen Gulden Conv. Münze zu erhalteu wünscht, welcher nach Ablauf mehrer Jahre rückzahlbar sein sollte. Es ist Euer Durchlaucht bekannt, dass mein Haus schon im Jahre 1880 seine Bereitwilligkeit, mit der hohen Pforte in direkte Verbindung zu treten, dadurch bethätigt hat, dass es zu diesem Behufe Bevollmächtigte nach Konstantinopel sandte, denen im Jahre 1834 mein Neffe Nathaniel von Rothschild in gleicher Absicht folgte, ohne dass jedoch diese sämtlichen Bemühungen zu irgend einem Erfolge geführt hätten. Heute noch wie damals wird es sich mein Haus zur grössten Ehre rechnen, der hohen Pforte seine Dienste widmen zu können, und es würde es sich in einem solchen Falle gewiss zur angelegentlichsten Aufgabe machen, der Türkischen Regierung die möglichst vortheilhaften Bedingnisse zu stellen. Ein unerlässliches Erfordernis wäre aber in einem solchen Falle, dass für einen ähnlichen Vorschuss ausser der von der hohen Pforte selbst zu gewährenden Sicherheit, diese möge nun in dem Unterpfände der Kupferminen in Klein Asien oder in gewissen zur Deckung aufzuweisenden speziellen Einnahmszweigen bestehen, die hohe österreichische Staatsverwaltung sich geneigt finden Hesse, die subsidiarische Garantie für Capital und Zinsen zu übernehmen. Die Gründe, welche diesem Begehren zur Rechtfertigung dienen, liegen zunächst in den von mir seihst gemachten bedauerliehen Erfahrungen bei einem Euer Durchlaucht wohlbekannten Geschäfte mit der hohen Pforte, sie gehen aber ausserdem aus der politischen und finanziellen Lage des Türkischen Reiches so unbestreitbar hervor, dass ich es wohl unterlassen darf, Hocbdieselben mit der Auseinandersetzung der darauf bezüglichen Details zu ermüden. Ich bitte demnach Euer Durchlaucht meinen gegenwärtigen vorläufigen gehorsamsten Antrag zur geneigten Kenntnis zu nehmen, Jahrbuch der J. U G. XVIII, 17