Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVI. (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 270)
- Language
- German
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232 die Interessenten übernommen. Insbesondere hatte er dem Hofe Georg Ludwigs, Herzogs von Braunschweig und Lüneburg, derartige Mitteilungen zukommen lassen. Ganz klar ist die Eolle, die er dabei gespielt bat, nicht. Man braucht nicht gerade an eine politische Mission zu denken, dafür liegen keine genügenden Anhaltspunkte vor. Vielmehr scheint es; dass Lehman auf Veranlassung August II. dank seinen Verbindungen verschiedene wichtige Dinge ausgekundschaftet und sie als Privatmann unter eigener Verantwortung weitergegeben hat. Der eigentliche Unterhändler war der Gesandte Nostiz. Lehman wurde von Seiten der Hofbeamten kein grosses Vertrauen in dieser Sache entgegengebracht. In den Akten wird er ״bekanntermassen als ein grosser Schwätzer“ bezeichnet, ״von dem man befürchten müsste, dass er desavouiert werden dürfte.“ Das Resultat der Bemühungen Lehmans und das Maß seines Einflusses auf den Gang der Dinge sind aus den Akten nicht deutlich zu erkennen1). Lehmans Beziehungen zum sächsischen Hofe blieben nach wie vor in der Hauptsache wirtschaftlicher Art, und es ist gewiss nicht allzusehr von der Wahrheit entfernt, wenn er behauptet, dass in ganz Sachsen ״keiner Ihrer Königl. Maj. soviel auf Papier Creditirt, als ich gethan habe. u. noch hoffentlich thun kan u. werde“ 2). s Ausser dem Kurfürsten selbst und den schon genannten Hofbeamten nahinen auch andere mit dem Hofe in Verbindung stehende Persönlichkeiten Lehmans Dienste in Anspruch. Moritz von Sachsen, des Kurfürsten und der Gräfin von Königsmark unehelicher Sohn, bemühte sich um Lehmans Hilfe, als er sich um den kurländischen Thron bewarb. Er bat um Lehmans Freundschaft; denn er schätzte ihn als einen Mann, der sich auf grosse Geschäfte versteht, und erteilte ihm verschiedene Aufträge. Lehman musste des Grafen Wechsel honorieren und lieh ihm 20.000 Taler, deren Bezahlung sehr schwierig ״wurde, weil der König Moritz Schulden nicht tilgen x) Akten des Staatsarchivs Hannover ״betr. die Sendung des Juden Behrend Lehmann im Aufträge des Königs August von Polen wegen der schwedischen Angelegenheiten und den Polnischen Königstitel 1700“ (Cal. Br. Arch. Des 24. Polen No. 32 und Schweden No. 163). 2) Anlage I Brief vom 6. Januar 1704.