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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1920-01-01 · XIII. (1920) · page 241

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIII. (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 241)
Language
German
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IRI
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190 knastkritischen Blick des Literarhistorikers, sondern mit dem nüchtern erwägenden Verstände des Rechtslehrers an, und das mit Recht: denn Gesetzbücher gehören nicht zur ״schönen Literatur“! Jakob b. Ascher ging von dem Gesichtspunkte aus, dass ein Gesetzbuch, welches im praktischen Leben Anwendung finden soll, gar nicht nach allen Seiten geschlossen, nach einem einheitlichen Stile ah- - gerundet sein kann. ״Das Leben lässt sich theoretisch nicht konstruieren1 ״). Jakobs Augenmerk war bei der Abfassung der Turim nur au! die wissenschaftliche Genauigkeit und praktische Anwendbarkeit seines Gesetzbuches gerichtet, und vor diesem Endziele mussten alle ästhetischen Bedenken, die Maimonides gegen die Aufnahme von Quellen in einen Kodex vorzubringen wusste, zurücktreten. Was ihm an dem System des Mischne Thora brauchbar erschien, ohne dem praktisch-halachischen Endzwecke des Kodex Abbruch zu tun, hat Jakob b. Ascher in weitgehendster Weise dem Mischne Thora entlehnt2). Alle die Vorzüge, die der Kodex Jakob b. Aschers in sich vereinte, bedeuten somit in der Geschichte der Halacha einen grossen Fortschritt gegenüber dem Mischne Thora, der in den Tagen Jakob b. Aschers wissenschaftlich schon der Geschichte anzugehören begann, auch wenn er in der Praxis noch lange Zeit hindurch das Feld beherrschte. Denn gerade zu der Zeit, wo der Baal ha-Turim sein Gesetzbuch anlegte, sahen sich Verfechter des maimonidischen Systems genötigt, den Mischne Thora mit allerlei Glossen und Kommentaren zu versehen3) — ein Zeichen dafür, dass der blosse Mischne Thora, ohne Kommentar, nicht mehr ausreichend, also halachisch überwunden war. Der Mischne Thora ist und bleibt in der Literaturgeschichte ״ein an Grossartigkeit der Konzeption und Folgerichtigkeit der Durchführung von keinem Gesetzbuche der Weltliteratur übertroffenes Kunstwerk4״). In der Halacha wurde er durch Jakob b. Aschers Werk abgelöst und nach und nach verdrängt. * *) M. Guttmann, Maimonides als Dezisor, in Moses ben Maimon II, 812. 2) Z. B. Tut או״ךץ Nr. 427 f.; יו״ך Nr. 246 f. *) Gegen 1330 verfasste Scheintob ihn Gaon seinen מגדל עןץ und ca. 1340 Vidai de Tolosa den מגיד משנה. Dieser Zeit gehören auch die הגהות מיימוניות an• 4) Blau in Moses ben Maimon H, 358.

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