Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 321)
- Language
- German
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Briefe von H. Grätz an Raphael Kirchheim. Von S. Unna in Frankfurt a. M. Anlässlich des hundertsten Geburtstages von Grätz übergebe ich die nachfolgenden Briefe, die ich in der Bibliothek der israelitischen Religionsschule (Abt. Kirchheim) gefunden habe, der Öffentlichkeit. Wenn auch zum grossen Teile die darin besprochenen persönlichen* Angelegenheiten für unsere Zeit nicht von Bedeutnng sind, so dürfte doch manches vom Inhalt dieser Briefe — insbesondere Grätz’ Ausführungen über die Reform im Judentum und seine Stellung zu den Parteien — auch heute noch allgemeinem Interesse begegnen. I. Breslau, d. 2. Oct. 63. Theurer Freund! Heute komme ich zu Ihnen in einer geschäftlichen Angelegenheit. Sie sollen uns zur Besetzung der Stelle am Seminar verhelfen, die durch Joels Abgang vakant geworden ist. Uns ist ein Dr. Werner empfohlen worden, der jetzt in Ihrer Stadt ist. Kennen Sie ihn? Wollen Sie die Güte haben und uns Auskunft über ihn geben. Verlangt wird — nächst religiösem Wandel — gute philologische Kenntnisse in den klassischen Spraeben und ein Ausweis darüber durch ein Oberlehrerexamen oder mindestens die Fähigkeit, es zu absolvieren. Ferner Kenntnisse in Bibel und Talmud und die Fähigkeit zu predigen oder sich dazu heranzubilden. Mir fallt auch ein, dass ich von einem jungen Geiger, Neffen Ihres rabbinischen Freundes, gehört habe, dass er ein guter Kopf und religiös sein soll. Kennen Sie ihn? Ist er Philologe und un peu Theologe, d. h. Demi-Rabbin? Wenn Sie den einen oder den