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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 563

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 563)
Language
German
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445 Von Eurnik kommt endlich Wasserzug, der, wie er selbst erzählt, diesen Namen angenommen hat, um dem Befehl der preußischen Regierung zu genügen, ohne das jüdische Gesetz zu verletzen, nach der weit größeren Stadt Plock a. d. Weichsel, die damals preußisch war, und wo er die Zeit der napoleonischen Kriege erlebt und überlebt. Er ist dort ursprünglich der von den Vornehmen der Gemeinde angestellte Syndikus gewesen. Nachdem er mit seinen Auftraggebern in Zwiespalt geraten ist, macht er sehr wechselvolle Schicksale durch. Die großen Gebäude, die er aufführt, und von denen er am Schluß seiner kurzen Denk- Würdigkeiten berichtet, stehen noch heute. Sie fuhren in Plock den Namen Wasserzugsche Häuser. Ich veröffentliche diese Memoiren, denen der Verfasser die pietätvolle Erwähnung der Wohltätigkeit seines Vater Reb Jisrael Isserl in Schokken voranschickt, nicht wegen der großen Ereignisse, die er schildert. Es sind im Gegenteil kleine und ganz kleine Verhältnisse, in denen sich das Leben des Verfassers abspielt. Sie waren wohl nur für ihn selbst und für die Seinigen von Bedeutung. Aber sie geben einen eigenartigen Einblick in das KleinstadtJeben der posenschen und polnischen Juden im achtzehnten und beginnenden neunzehnten Jahrhundert und die kleinen Züge, die er mit wenigen Strichen zeichnet, sind um so wertvollere Kleinbeiträge zum Leben der Juden, als Wasserzug naiv und unbefangen plaudert und der Leser überall den Eindruck großer Wahrheitsliebe empfängt. Und was er von den pommersehen Juden erzählt, lässt ebenfalls einen intimen Blick in die Häuser der Greifenhagener Kleinstädter tun. Das Manuskript, das mir vorlag, ist die jetzt in meinem Besitz befindliche Originalhandschrift. Der Autor benutzte eia selbst verfertigtes kleines Oktavheft von insgesamt 32 Seiten, deren einzelne Blätter er von l—16 mit hebräischen Ziffern bezeichnete. Wenn auch die Handschrift ursprünglich eine sehr schöne Kursive und gewiß deutlich war, so hat sie jetzt durch das Alter gelitten, besonders weil der Verfasser außerordentlich klein schrieb. Wenn es auch gelang, fast jedes Wort zweifelsfrei zu lesen, so blieben doch auf der ersten und letzten Seite, die sehr stark abgerieben sind, weil das Heft ohne Umschlag ist,

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