Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 428)
- Language
- German
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305 Während der neueste Historiker des Deutschtums im Lande Posen darüber klagt, dass die eingewanderten deutschen Bauern ״ein Stück deutschen Volkstums nach dem anderen aufgaben und polnischer Sitte und Sprache sich anschlossendie eingewanderten deutschen Juden mit keinem Worte und nur einmal jüdische Handelsleute erwähnt, während ein anderer von den ehemaligen evangelischen Deutschen Posens aus polnischer Zeit behauptet, dass sie verschwunden seien, ״ohne andere Spuren zu hinterlassen, als diejenigen, welche die Geschichte festhält“ D, sagt ein nicht minder berufener Kenner deutscher Kultur und deutschen Wesens, dass ״die Juden im Mittelalter recht eigentlich die Träger der deutschen Kultur nach Osten gewesen, wohin sie aus Deutsland ausgewandert sind“, und dass sie am längsten die deutsche Sprache in fremden Ländern bewahrt haben1 2). Des Zusammenhanges mit dem deutschen Mutterlande blieben die polnischen Juden sich zu allen Zeiten bewusst. Eine in Krakau 1534 erschienene Concordanz sagt von der deutschen Sprache: ״Es ist die bei uns Deutschen gewöhnliche Sprache*. Eine 1551 in Krakau erlassene und 1637/38 erneuerte Unterrichtsordnung gebietet, dass jeder Lehrer seinem Pentateuchunterrichte lediglich die deutschen Glossen des Mose Särtels zu Grunde lege, ״denn das ist unsere Sprache, in der wir reden“. Ein gefeierter polnischer Gesetzeslehrer des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts R. Joel Serkes sagt mit Stolz: ״Wir vom Stamme der Frommen Deutschlands“. Der 1612 in Posen verstorbene R. Mordechai Jaffe sagt: ״Wir, die Söhne Deutschlands“. 1682 oder kurz zuvor wird ein Gesetzeslehrer, der auf polnischen Hochschulen vorgebildet war und drei polnische Rabbinate bekleidet hat, gepriesen als ״der Sohn eines 1) Schmidt a. a. O. S. 16ייז ei, Zeitschrift der hist- Geseüscb. für d. Prov* Posen IX 123. 2) Adolf Hildebrand, Professor der Germanistik an der Universität Leipzig und Mitherausgeber des ״deutschen Wörterbuchs“ der Bruder Grimm auf der 2f>. Philologenversammlung zu Wurzburg (Zeitung d> Judent. a. a. O.), Berliner im Jahrbuch für jüd. Gesch. und Liter, a. a. O., der auf Germania 128, 69 hinweist• 20