Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 292)
- Language
- German
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229 er ihn im Jahre 1706 zum Gatten seiner Tochter Blumle erkor. 1709 übernahm er das Rabbinat von Schnaittach als Nachfolger des R. Bärmann Fränkel, behielt jedoch seinen Wohnsitz in Fürth. 1717 ) übernahm R. Mosche das Rabbinat in Bunzlau (Böhmen). Als dort 1721 seine Frau Blumle starb, schloss er eine zweite Ehe mit Rebecka, der Tochter des gelehrten R. Baruch Austerlitz, der, aus Eisenstadt gebürtig, als Darschan in P r a g wirkte und Schwiegersohn des dortigen Primators und Schtadlan Samuel Taussig war* 2). Während seiner Amtstätigkeit in Bunzlau kam R. Mosche Brandeis häufig auf längere Zeit nach Prag, um für Verbreitung von Thorakenntnis zu wirken. Die Art seiner Auffassung des Talmuds und der Scharfsi .111, den er hierbei entwickelte, verschafften ihm den Ehrennamen ״R. Mosche Charif“ 3). Nachdem er 16 Jahre in Bunzlau amtiert hatte, übernahm er 1783 das Rabbinat in Mainz, wo er bald in grossem Ansehen stand. Als Rabbiner der Landschaft (Obererzstift) hatte er auch den Vorsitz auf den Judenlandtagen, die gewöhnlich in Aschaffenburg oder Miltenberg abgehalten wurden 4). Als Rabbiner Moyses Levi unterschreibt er 1741 in Mainz ein Protokoll über eine neue Judenordnung in 77 Artikeln (Schaab 1. c. S. 354). Ueber eine im Jahre 1763 beim Regierungsantritt des Kurfürsten Emmerich Joseph in Mainz von R. Mosche gehaltene Predigt wurde im ״Israelit“ (1868 S. 25) ausführlich berichtet. Hochverehrt wegen seiner ungeheuchelten Frömmigkeit, seiner bedeutenden Gelehrsamkeit und seiner schrankenlosen Wohltätigkeit, starb R. Mosche Brandeis in Mainz am Mittwoch. den 27. Siwan (24. Juni) 1767. Bei der Leichenfeier wurden viele Gedenkreden gehalten, u. a. von seinem Sohn Jakob, Rabbiner in Darm stadt, der als einziger von fünf Söhnen den Vater überlebte. Der älteste Sohn, Bezalel, war *) Carmoly hat das unrichtige Jahr 1727. 2) Vgl. auch meine Blätter V, 11. 3) Vgl. den Nachruf im Memorbuche von Mainz; auch abschriftlich mitgeteilt von Kaufmann in Mtsch. 37 S. 390. 4) Vgl. Bamberger 1. c. S. 26, wo 1753 (wohl Druckfehler für 1733) als Jahr des Amtsantritts verzeichnet ist; das. S. 24 n. 1 werden religiöse Entscheidungen des R. Mosche Brandeis angeführt; die dort enthaltene Am gäbe, dass er 36 Jahre in Mainz wirkte, beruht auf Irrtum.