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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 208

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 208)
Language
German
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IRI
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204 tizen, die für den Geschichtsforscher von grossem Interesse sind. Wenn wir aus der unübersehbaren Reihe von Gutachtensammlungen die des R. Joel Serkes zu näherer Betrachtung herausgreifen, so rechtfertigt sich dies dadurch, dass R. Joel, einer der hervorragenden Talmudgelehrten Polens, gerade vor einem entscheidenden Wendepunkte in der Geschichte der polnischen Juden lebte und wirkte. Br starb in Krakau im Jahre 1640, und 8 Jahre später begann der blutige Kosakenaufstand Bogdan Chmielnickis, der Hunderttausenden von Juden das Leben kostete und eine grosse Anzahl blühender Gemeinden völlig vernichtete. Für die Erforschung der Ursachen dieses Aufstandes, der den Juden besonders verhängnisvoll wurde, ist die Kenntnis der Verhältnisse in der vorhergehenden Periode von Wichtigkeit, und die Gutachten des R. Joel werfen auf die jüdisch-polnischen Zustände jener Zeit manches interessante Schlaglicht. R. Joel Serkes war in mehreren Gemeinden Polens Rabbiner, in Lubmila, Brzezc und zuletzt in der grossen Gemeinde Krakau. Was die allgemeinen Prinzipien betrifft, von denen er sich bei der Abfassung seiner Gutachten leiten lässt, so hält er es für wesentlich, immer auf die Quellen zurückzugehen. ״Diejenigen“, sagt er in einem Gutachten (No. 80), ״welche nach dem Schulchan Aruch allein entscheiden, geraten oft in Widerspruch mit der halachischen Norm; denn da sie die Quelle der Entscheidung nicht kennen, erdichten sie sich die Begründung, und-geben dadurch Anlass zu Streitigkeiten in Israel.“ Nur in Notfällen sieht er von dieser Gepflogenheit ab; so sagt er einmal (R. No. 100) mit Bezug auf eine frühere Entscheidung, er habe dieselbe zur Zeit der Lubliner Messe getroffen, wo er ausser dem Schulchan Aruch keine Bücher bei sich gehabt hätte, nach Einsichtnahme in die Entscheidungsschriften jedoch gehe er von seiner früheren Ansicht ab. Der grosse Verkehr zur Zeit dieser Messen wurde nämlich auch dazu benutzt, um Zusammenkünfte zu veranstalten, bei welchen wichtige religiöse Fragen diskutiert und allgemeine Anordnungen getroffen wurden. — Bei Gelegenheit einer erleichternden Entscheidung (R. 79) erklärt er, dass es gegen seine Gewohnheit sei, sich für die erleichternde Praxis lediglich auf die eigene Ansicht zu stützen (ואנחנו כגזע חסידי אשכנז' דרכנו שלא להקל כדעת עצמינו). In der Form seiner Ausführungen strebt er

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