Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 662 (sequence 667)
- Language
- German, English, Hebrew
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661 C. Die Beschlüsse des Kongresses. A) POLITIK. I. DIE JUDENFRAGE UND IHRE LÖSUNG. 1. VERSCHÄRFUNG DER JÜDISCHEN LAGE. Der XIX. Zionistenkongreß tritt in einer schweren Stunde der jüdischen Geschichte zusammen. Die abnormalen Bedingungen, unter denen Massen von Juden in der Diaspora leben, ihre Zerstreuung in aller Welt, ihre gewaltsame Loslösung vom Boden und der Urproduktion, die politische und soziale Rückständigkeit — verschlimmerten sich in den letzten Jahren. Der Geist des engen Nationalismus, der nach dem Weltkriege sich in einigen Staaten eingenistet hat, erschüttert die Grundlagen der ökonomischen Existenz der jüdischen Bevölkerung und stärkte die antisemitischen Krüfto. Die Erschütterung dor Positionen des jüdischen Volkes in den Ländern der alten Welt einerseits und die Einwanderungssperre in den Ländern der neuen Welt andererseits nahmen den Juden die Möglichkeit, wie einst, durch Wanderung einigermaßen ihre Not zu lindern. 2. DIE JUDENFRAGE IN DEUTSCHLAND. Die Katastrophe der deutschen Judenheit — die Zertrümmerung und Diffamierung dieser großen, auf einer hohen Kulturstufe stehenden und an schöpferischen Kräften reichen jüdischen Gemeinschaft, die den Höhepunkt der bürgerlichen Gleichberechtigung erreicht hatte — kam wie eine brutale Demonstration der Unsicherheit des jüdischen Lebens in der Diaspora und vernichtete die Hoffnung großer Teile des jüdischen Volkes, einst als nationale Minderheit für immer gesicherte Existenzbedingungen zu erlangen. 3. DIE ZIONISTISCHE LÖSUNG. Die zionistische Diagnose der jüdischen Situation hat sich auf tragische Weise bewahrheitet. Ebenso bewiesen die Ereignisse die Richtigkeit der vom Zionismus proklamierten Losung der Judenfrage. Palästina ist heute das einzige Land, das eine große jüdische Emigration aufnimmt. Das jüdische Volk hat seine Fähigkeit bewiesen, in Palästina Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Einreihung großer Massen von Juden zu schaffen, deren Niederlassung im Lande den nichtjüdischen Einwohnern nicht nur keinen Schaden zugefügt, sondern ihnen direkten Nutzen gebracht hat. 4. DIE JÜDISCHE NATIONALE HEIMSTÄTTE. Die Ergebnisse der schöpferischen Anstrengungen des jüdischen Volkes in Palästina haben bewiesen, daß die jüdische Einwanderung und Ansiedlung in Palästina in einem viel schnelleren Tempo, als das bisher geschah, vor sich gehen kann, und haben die Aussichten auf Wachstum und Entwicklung der Jüdischen Nationalen Heimstätte in Erez Israel vergrößert. Gleichzeitig fordert die Lage der Juden in der Welt jetzt mehr denn je die größtmögliche Beschleunigung des Tempos des Aufbauwerkes in Palästina.