Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 634 (sequence 639)
- Language
- German, English, Hebrew
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634 22. Kongreß-Sitzung: Bericht der Politischen Kommission Eine solche Institution wird eine Quelle von Gegensätzen und Konflikten der beiden Teile der palästinensischen Bevölkerung sein und die Aussichten einer gemeinsamen Arbeit von Bevölkerung und Regierung verringern. Die Errichtung einer solchen Körperschaft ist auch im Hinblick auf die Rückständigkeit der städtischen Selbstverwaltungen im Lande ein falscher Schritt. Aus diesem Grunde bestätigt der Kongreß zum wiederholten Male seinen Widerspruch gegen die Errichtung eines gesetzgebenden Rates auf der gegenwärtigen Stufe der Entwicklung des Landes und sieht sich gezwungen, den Plan der Regierung auf das entschiedenste abzulehnen. MEIR GROSSMANN (Judenst., A-C. — spricht jüdisch): Die Kongreßfraktion der Judenstaatspartei hält es für notwendig, folgende Erklärung abzugeben: Wir stimmen für die Resolution über den Legislative Council in ihrer jetzigen Form, nachdem wir in der Politischen Kommission bindende Versicherungen über den Gang des weiteren Kampfes gegen den geplanten. Legislative Council verlangt und bekommen haben. VORS. PRÄS. Dr. WEIZMANN: Wir schreiten zur Abstimmung, unJ ich bitte Sie, die Abstimmung durch Erheben von den Sitzen durchzuführen. (Der ganze Kongreß erhebt sich von den Sitzen.) Die Resolution erscheint einstimmig angenommen. Das Wort hat nunmehr zur Begründung eines Minderheitsvotums Herr Stricker. ING. ROBERT STRICKER (Judcnst., Österreich — spricht deutsch): Als Redner in der politischen Debatte habe ich Ihnen angekündigt, da!> meine Freunde von der Judenstaatspartei hier einen Antrag über die Stellung der Zionistischen Organisation zur Judenstaatsidee einbringen werden. Das Grundsätzliche, was zu dieser Resolution zu sagen ist, habe ich bereite gesagr und Lch möchte nur kurz auf einige Einwände zurückkommen, die teils in der Debatte, teils außerhalb dieses Saales vorgebracht wurden. Da> Hauptargument gegen eine Judenstaatsresolution ist immer: Man soll daran denken, man soll daran glauben, und man soll nicht davon reden! Solange ich das Gefühl hatte, daß die Zionisten an den Judenstaat glauben, habe ich nie von ihnen verlangt, daß sie von ihm reden. Seit zehn Jahren kämpfe ich dafür, daß sie vom Judenstaat reden, um zu beweisen, daß sie daran glauben. Im Jahre 1925 ist in einem Blatt, das der Majorität und insbesondere der Führung der Zionistischen Organisation immer sehr nahestand, in der „Jüdischen Rundschau", eine Schlagzeile erschienen: „Churchillsches Weißbuch und Judenstaat von Theodor Herzl." Und unter dieser Schlagzeile wurde ausgeführt, von nun ab sei nicht mehr das Buch von Theodor Herzl, sondern das Churchillsche Weißbuch unser Programm. Da habe ich mir vorgenommen, aufzustehen und immer und immer wieder davon zu sprechen. Und ich habe mir geschworen, daß ich nie in irgend einer zionistischen Gruppe sein werde, deren Programm nicht der Judenstaat ist. 1925 hat die Abkehr vom Judenstaat begonnen, und man ging immer weiter und weiter. Herr Professor Weizmann hat in der Polemik mit mir gesagt, man soll vom Heiligsten nicht sprechen — und damit hat er den Judenstaat gemeint. Herr Professor Weizmann, wenn Sie mir den Glauben beibringen könnten,