Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 356)
- Language
- German, English, Hebrew
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356 Ii. Kougreßsitzung: Generaldebatte und vom großen Brande im Judenviertel von Saloniki gesprochen. Auch jetzt leben die Juden Griechenlands in einer Atmosphäre der Furcht und Verhetzung. In Nordafrika, Tunis und Marokko, die unter der Oberhoheit des freiheitlichen Frankreich stehen, waren in letzter Zeit furchtbare Pogrome und die Regierung hat keine entschiedene Stellung dazu genommen. Die Juden Kurdistans, die jetzt drei Staaten, der Türkei, Persien und dem Irak, angehören, erleiden ein dauerndes Martyrium, sind täglich neuen Qualen durch die verwilderte Menge ausgesetzt. Diese Länder sind weit entfernt, wir haben keine geregelte Verbindung mit ihnen, aber die jüdischen Flüchtlinge, die Erez Israel erreichen, erzählen von Raub, Mord und Unterdrückung. Die Juden Kurdistans sind Arbeiter, ganze Familien leben von der Landwirtschaft und sie alle erhoffen sehnsüchtig die Möglichkeit zur Einwanderung und Ansiedlung in Palästina. Zu Fuß wandern sie nach Palästina, durchqueren die große arabischsyrische Wüste und — finden die Tore Erez Israels geschlossen. Hiermit überreiche ich dem Kongreßpräsidium einen Brief der Leitung der kurdischen Gemeinde in Jerusalem, der die Leiden dieser Menschen schildert. In der Türkei ist die zionistische Bewegung verboten und den Juden dort droht die Gefahr der Assimilierung. In Persien, diesem Staat mit der glänzenden Vergangenheit, dessen König uns einst die Freiheit wiedergab, leben jüdische „Marannen". Das Blut des Zionisten Mar Haim, den die Regierung töten ließ, schreit zum Himmel. Im Irak, dem Geburtslande des Talmud, wo die Juden vor der arabischen Invasion jahrhundertelang lebten und herrschten, wo sie eine wunderbare Kultur schufen, sind sie heute dem Spott und der Verfolgung des Pöbels preisgegeben. Es genügt, daß irgendein Gassenjunge schreit: „Der Jude hat meine Religion verflucht", und schon sammelt sich ein Mob an und Prügeleien und Schlägereien beginnen. Die Juden aber bringen diese Vorfälle nicht vor Gericht, aus Furcht vor der Rache ihrer Bedränger. Neuerdings gibt man den Juden keine Erlaubnis, nach Palästina zu ziehen, und nimmt ihnen damit den einzigen Weg zur Rettung. Auch in Syrien ist die Lage nicht günstig; die Juden dürfen ihre nationalen Angelegenheiten nicht offen führen, der Besuch von Juden aus Palästina und jede öffentliche Betätigung der jüdischen Jugend werden als zionistische Propaganda erklärt und in den Zeitungen als Grund zu Hetzereien benützt. Ich selbst leitete vor einigen Jahren eine Besichtigungsfahrt durch Syrien und wir wurden in Damaskus, der Hauptstadt der Omajjaden, mit Steinwürfen empfangen. In Jemen, im Reiche der Dynastie der Himjariten und des jüdischen Fürsten Jussuf Dhu-Nowas, herrschen Zustände des finstersten Mittelalters: die Juden dürfen keine Tempel bauen, sie dürfen auf kei- . nem Tier reiten usw. Bekannt sind die fürchterlichen Pogrome, die in Aden vorfielen. Man läßt die Juden nicht nach Palästina auswandern, man bekehrt die Waisenkinder mit Gewalt zum Islam. Dies ist die Lage der sephardischen Juden, eine Lage, furchtbarer und beschämender als die der deutschen Juden heute. Im Namen dieser Juden wollen wir uns nicht damit begnügen, dies alles öffentlich anzuprangern und unserm nachdrücklichen Protest gegenüber den betreffenden Regierungen Ausdruck zu geben, sondern wir fordern: