Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 260)
- Language
- German, English, Hebrew
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260 8. Kongreßsitzung: Generaldebatte heben, die in den letzten Jahren so systematisch entweiht worden ist? „Im Zeichen der Arbeit kehrt das jüdische Volk in sein freies Heim zurück" — das ist kein Ausspruch eines Poale-Zion, das sagte der Vater der Zionistenkongresse und des gesamten politischen Zionismus — Theodor Herzl. Und je mehr das jüdische Volk sich den Toren Erez Israels nähert, desto stärker wird das Zeichen der Arbeit in Palästina und hier im Zionistenkongreß. Wir fordern und mahnen und hoffen: je heller das Zeichen der Arbeit aufleuchten wird, desto schneller wird das jüdische Volk zu seinem freien und selbständigen Heim zurückkehren (Beifall). Dr. JOSEF SCHECHTMANN (Rev., Südafrika —mit Beifall begrüßt, während die Delegierten der Linken den Saal verlassen, spricht jüdisch): Die revisionistische Fraktion des XVIII. Kongresses hat beschlossen, mit der alten Tradition des Kongresses zu brechen, nach der jeder Redner alle Fragen, die auf der Tagesordnung stehen, behandelt. Von unseren Rednern wird jeder einen bestimmten Fragenkomplex berühren und in den Kommissionen konkrete Resolutionen vorschlagen. Mir hat meine Fraktion den Auftrag gegeben, ausschließlich von den außenpolitischen Fragen, von der zionistischen Politik, zu reden. Diese Fragen sind und bleiben Zentrum und Grundlage jedes Zionistischen Kongresses. Man versucht immer wieder, den XVIII. Kongreß von diesem Boden wegzuführen, und kleinliche Diskussionen und Parteigezänk treten an Stelle jener großen Fragen. Wir müssen den Kongreß wieder zu dieser seiner politischen Grundlage zurückbringen. Es war die Tragödie des modernen politischen Zionismus, daß zwischen dem Zionismus als nationalpolitischem Ideal und dem jüdischen Leben ein Abgrund klafft. Das zionistische Ideal hat nichts gemein mit den tatsächlichen Interessen des jüdischen Volkes. Die jüdische Not, die von Jahr zu Jahr steigt, erhält nicht ihre Antwort durch eine Immigration nach Palästina, sondern durch Massenemigration in andere Länder. Nur ein kleiner Strom ist nach Palästina gegangen. Jetzt ist die Lage radikal geändert. Es ist jene Zeit gekommen, die Herzl und Nordau vorausgesagt haben: die jüdischen Massen drängen mit historischer Notwendigkeit nach Erez Israel. Der Zionismus ist nicht nur Ideal des Volkes, des Klal-Israel, sondern er ist reales Bedürfnis für den einzelnen jüdischen Menschen, für den Reb Israel, weil die jüdischen Massen keine Wahl haben und ihre heutigen Wohnländer verlassen müssen. Es gibt kein anderes Land für die Immigration, als Erez Israel. Zum ersten Male in der Geschichte des Zionismus gilt voll und ganz die alte klassische Formel des politischen Zionismus: Judennot — Judenstaat. Der Judenstaat ist die Antwort auf die Not der jüdischen Massen. Wenn ein Kongreß vor einer solchen Aufgabe steht, muß er klar und deutlich sein Wort zum Sei des Zionismus sagen. Schon auf dem letzten Kongreß haben wir diese Forderung gestellt, da wir die Entwicklung des jüdischen Lebens vorausgesehen haben. Damals bezeichnete man diese Resolution als eine Resolution über das Endziel. Jetzt hat sich die Lage grundsätzlich geändert, es