Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 197)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8604-3484754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ruppin, Gelber 197 VORS. PRÄS. MOTZKIN: Ich teile dem Kongreß mit, daß die Kommission für die deutsche Frage in einem Mehrheitsbeschluß zu dem Ergebnis gekommen ist, über diese Frage im Plenum keine Diskussion vorzunehmen. Die Kommission legt dem Plenum vier Resolutionen vor: Zwei Mehrheitsresolutionen, auf die sich sämtliche Gruppen des Kongresses mit Ausnahme der beiden revisionistischen Gruppen geeinigt haben, ferner eine der Jabotinsky-Revisionisten und eine der Demokratischen Revisionisten. PRÄSIDIALSEKRETÄR DR. GELBER (verliest in hebräischer, jüdischer, englischer und deutscher Sprache die Resolutionsanträge): A. MEHRHEITS-RESOLUTION 1. Protest und Forderung. Der XVIII. Zionistenkongreß, versammelt in Prag, erachtet es als seine Pflicht, ' in seiner ersten Willenskundgebung seine Stimme zu erheben und seiner Erschütterung über das tragische Schicksal der deutschen Juden und seiner Entrüstung über ihre Entrechtung und Entehrung Ausdruck zu geben. Nach einem Jahrhundert der Emanzipation der Juden und Anerkennung der Gleichberechtigung eines jeden Volkes und Individuums im Rahmen des Staates ist es im gegenwärtigen Deutschland soweit gekommen, daß eine halbe Million Juden ihrer elementarsten Menschenrechte beraubt, daß durch die offizielle Sanktionierung von Rassenvorurteilen die Würde und die Ehre des jüdischen Volkes beleidigt werden und daß eine Politik und Gesetzgebung statuiert werde, deren Grundprinzipien die Existenzgrundlagen des jüdischen Volkes vernichten müßten. Der Zionistenkongreß, eingedenk der Prinzipien der Freiheit und Gleichberechtigung aller Völker, Rassen, Religionen, Weltanschauungen und Individuen und der Postulate menschlicher Gerechtigkeit, die von jeher die sittliche Grundlage der zionistischen Idee gebildet haben; getragen von jenem Selbstbewußtsein und Stolz, aus dem die nationale Renaissancebewegung des jüdischen Volkes entstanden ist, frei vom Gefühl der Feindseligkeit gegen das deutsche Volk, aber durchdrungen von der Verpflichtung zur Wahrung der Rechte des jüdischen Volkes in der Welt, erhebt feierlichen Protest gegen das ungeheuerliche Unrecht, das den deutschen Juden angetan worden ist, gegen die systematische Politik ihrer staatsbürgerlichen, ökonomischen und sozialen Entrechtung, gegen ihre gesellschaftliche und menschliche Diffamierung und gegen die Behinderung ihrer religiösen Lebensformen durch das Verbot der Schechita. Die mit allen Machtmitteln des Staates durchgeführte Entrechtung der Juden Deutschlands, in diesem Maße einzigartig und unvorhersehbar im zwanzigsten Jahrhundert, stellt eine neue furchtbare Erscheinungsform der Jahrhunderte alten Judenfrage dar, wie sie der große Schöpfer des Zionismus, Theodor Herzl, aufgezeigt hat, und deren Lösung Ziel und Inhalt der zionistischen Bewegung ist. Die Überzeugung von der Wahrheit der zionistischen Lösung der Judenfrage und der Kampf der Zionisten für die Verwirklichung des zionistischen Ideals kann jedoch niemals mit der Bereitschaft verknüpft sein zu irgendwelchem Verzicht auf die volle Gleichberechtigung und die Sicherung der Lebensrechte der jüdischen Gemeinschaften in den verschiedenen Ländern. Daher hält es der XVIII. Kongreß für seine Pflicht, zu erklären, daß die Zionisten der ganzen Welt nicht ruhen werden, bis die Entrechtung und Entwürdigung der Juden Deutschlands ein Ende nehmen wird. Abgesehen davon, daß die Geschehnisse in Deutschland einen der wertvollsten Bestandteile des jüdischen Volkes und der zivilisierten Menschheit in seiner Existenzmöglichkeit zu vernichten drohen, bedeutet die Erschütterung der Daseinsmöglichkeiten der jüdischen Gemeinschaft eines Landes die Gefährdung der Existenz aller anderen jüdischen Gemeinschaften der Welt. Es ist daher die selbstverständlichste Pflicht der Selbsterhaltung des jüdischen Volkes, den Kampf gegen die Entrechtung der deutschen Judenheit als die gemeinsame Sache des gesamten Volkes zu führen. Aus dieser Erkenntnis heraus hält es der XVIII. Zionistenkongreß für notwendig,