Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 29 ihres freien und großmütigen Vaterlandes so ergeben ist — seien Sie willkommen und gegrüßt mit dem hebräischen Gruß Schalom, das heißt: „Frieden!" Unser Werk des Friedens und der Zivilisation braucht nur eines: es braucht Sympathie, aufmerksame Beachtung und ein wenig Geduld seitens der Welt. Ich hoffe, daß Sie uns Ihr Wohlwollen gewähren werden (Lebhafter Beifall). (Hebräisch fortfahrend): Hoher Kongreß! Wir versammeln uns diesmal in . einer Zeit der Not und des Leidens. Die ganze Tragödie des zweitausendjährigen Galuth hat sich unseren entsetzten Blicken entschleiert. Der Antisemitismus hat letztens unserem Volke in der Diaspora einen Stoß ins Herz versetzt. Die Fundamente der Emanzipation sind wie von einem Erdbeben erschüttert und durchwühlt. Die ganze Fassade unserer Zivilisation kracht. Gefährlicher Zündstoff ist an vielen Stellen aufgespeichert. Es ist eine Gefahr zu reden, aber eine viel größere, zu schweigen. Die ruhigen Diasporastimmungen mancher früheren Kongreßtagungen sind verrauscht, und das frühere Idyll gesicherter jüdischer Gleichberechtigung hat sich vor unseren Augen in ein umtobtes und gewitterdräuendes Armageddon verwandelt. Wir stehen vor den Trümmern der Judenemanzipation in einem der größten Staaten der Welt. Ein Gebilde, an dem Generationen gebaut haben, ist plötzlich von einem Sturm hinweggefegt worden. FRÜHERE PROPHEZEIUNGEN. War dies wirklich so plötzlich, so unvorhergesehen, so unmöglich vorauszusehen? Nein, tausendmal nein! Schon vor 36 Jahren sah Theodor Herzl mit höchster Sorge diese antisemitische Lawine herannahen. Seine Judenstaats-Formel war so trostlos notwendig, so verzweifelt folgerichtig, weil er alles klar vorausgesehen, weil er einen feinen Instinkt für die Stimmungen der Massen und der Parteien in der W7elt hatte, weil er es vermochte, dem geheimen Pulsschlag der Zeit verständnisvoll zu lauschen. Warum stand es ihm so klar vor Augen, daß es für das jüdische Volk ein Gebot der Selbsterhaltung ist, für sich eine Heimstätte vorzubereiten? Weil er kein ängstlicher Ghettojude war, sondern ein stolzer Führer, ein begeisterter Sohn seines Volkes und ein moderner Mensch. Weil er die Wahrheit in der Tragödie der jüdischen Heimatlosigkeit schauen konnte und den Mut hatte, sie der Welt zu verkünden. Ob es sich um das Judenproblem oder um irgendein anderes Problem handelt — alles Gute kommt aus der Wahrheit, alles Böse aus der Lüge. UNSERE KÄMPFE UND WIDERSTÄNDE. Die Lüge in unserer eigenen Mitte, die Lüge der Assimilation und der Mimikry bemühte sich, unser Volk glauben zu machen, der Antisemitismus sei eine vorübergehende, rasch überwundene Episode, ein Popanz, die Kinder zu schrecken. Diese Symptome, behauptete sie,