Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 274)
- Language
- German, English, Hebrew
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Thon, Motzkin Dr. OSIAS THON (Allg., Westgalizien — spricht deutsch): Ich bin beauftragt worden, noch einmal über Theodor Herzl zu sprechen, und zwar im Anschluß an einen praktischen Zweck, den wir hier verfolgen. Im Anfang war Theodor Herzl der Mann und der Meister des Wortes. Als er aber wuchs und größer und groß wurde, ist er der Meister der Tat geworden. Früher sah er ins Leben hinein und erblickte darin das Heitere, das Schöne, schilderte es und die Menschen freuten sich daran. Da geschah es aber, daß er eine große Menschennot entdeckte, die Judennot, das Judenelend und das Unrecht, das den Juden geschieht, und da wuchs er, und aus dem Mann des "Wortes wurde ein Mann der Tat. Eine solche Tat Herzls ist unser Kongreß, eine weithin sichtbare und hörbare Tribüne, von der aus nicht geklagt, sondern angeklagt, nicht gebettelt, sondern gefordert wird. Er hat die Zionistische Organisation geschaffen, das große Instrument des jüdischen Daseinskampfes. So hat er unseren Willen geweckt und die Energie gestärkt. Dann hat er auch den Jüdischen Nationalfonds geschaffen. Über diesen will ich ein Wort sagen. Die Idee des Nationalfonds, wie sie das geniale Auge Prof. Schapiras geschaut, die schöpferische Kraft Herzls verwirklicht und ausgebaut hat, war folgende: Ein Volk, das in der Luft schwebt, kann jeder "Windhauch in alle Ecken blasen, man muß diesem Volke Boden geben, auf dem es stehen kann; ein Volk, das nur wandern kann, muß Boden erhalten, um ansässig zu werden. Man muß das bodenlose Volk zu einem Grundbesitzer machen, zu einem Großgrundbesitzer- An diese Idee schloß sich eine Reihe weiterer Ideen an, die alle den Zionismus zu einer großen Weltanschauung machten. So die Idee, einen neuen Juden zu schaffen, der geadelt und innerlich gefestigt sein soll durch seine Arbeit. Dann die große Idee, die uns von der Bibel her und von unseren Propheten her vertraut ist, daß die Erde nicht ein Spekulationsobjekt sein soll. Und dann kam die Praxis und verwirklichte die Theorie. Auf dem Boden des Nationalfonds siedelten sich junge Leute an, die unser Stolz sind, welche die schwere Arbeit auf sich nahmen, den Boden fruchtbar und ergiebig zu machen, Sümpfe zu trocknen und Sandwüsten in blühende Gärten umzuwandeln. Man glaubte einst, erst müßten wir das „Land Israel" haben und dann werden wir den „Boden Israels" (Admath Israel) bekommen. Dann aber überzeugte man sich: erst müssen wir den Boden haben und dann wird auch das Land unser sein. Das ist der Jüdische Nationalfonds, wie ihn Theodor Herzl geschaffen hat, als er aus dem Meister des Wortes ein Meister der Tat geworden war. Und darum, wenn wir Herzl ehren wollen, wollen wir es tun nicht durch große Worte, sondern durch Taten. Wir müssen sein Werk des Nationalfonds stärken. Es ist «ine alte zionistische Tradition von Herzl her, mit den Opfern bei uns selbst anzufangen. Darum richte ich an Sie den Appell: Ehren Sie Theodor Herzl in seinem Werke, vergrößern Sie den Jüdischen Nationalfonds, bereichern Sie den Großgrundbesitz des jüdischen Volkes (Beifall). VORS. PRÄS. MOTZKIN: Wir werden jetzt mit einer Sammlung beginnen. Ich habe die Ehre Ihnen mitzuteilen, daß in diesem Moment die Erklärung einer größeren Spende abgegeben worden ist. Herr Salman Schocken hat sich entschlossen, anläßlich des Kongresses dem Nationalfonds 3000 Pfund zu spenden (Beifall).