Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 596 (sequence 734)
- Language
- German, English, Hebrew
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596 2. COUNCIL-SITZUNG: Referate über die Aufgaben der Agency verstehen werden, die Sache in die Wege zu leiten. Es scheint mir wesentlich, den Organismus zu schaffen, der sich um diese Dinge, die Finanzierungen, die Kredite für Handel und Industrie und dergleichen, kümmert. Denn ich glaube, ein gesundes Verhältnis wird in Palästina dann entstehen, wenn mindestens 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung der Landwirtschaft angehören und der Rest in allen anderen Gebieten der Wirtschaft tätig ist. Nun zum letzten Punkt meiner Darlegungen: Was soll das Minimum des Programmes der landwirtschaftlichenSiedlung für die Agency für die nächsten fünf Jahre sein? Ich halte mich da im Rahmen desjenigen, was die Survey Commission entworfen hat: wenn es der Agency gelingt, 1000 Familien, das sind 4000 bis 5000 Seelen jährlich auf das Land zu bringen, so würde das für den Anfang als das Mögliche und Notwendige zu betrachten sein. Mit den anderen Kategorien von Einwanderern kommen wir dann zu einer Immigration von 15 000 bis 20 000 Seelen im Laufe eines Jahres, sodass in den nächsten 5 Jahren 100 000 Menschen verankert werden können. Wenn Sie bedenken, dass in den letzten acht Jahren unter den grössten Schwierigkeiten 100 000 Menschen in das Land gekommen sind und angesiedelt wurden, so ist es nicht zuviel, wenn in den nächsten fünf Jahren weitere 100 000 Seelen hineinkommen. (Beifall.) Unsere Erfahrung zeigt, dass für die Ansiedlung ohne Boden und ohne dessen Amelioration ungefähr 600 bis 700 Pfund pro Familie notwendig sind. Wenn wir in Betracht ziehen, dass ein Teil der Mittel aus eigenen Geldern der Immigranten fliessen würde (es sind auch Massnahmen nötig, um diese Art Immigration zu ermutigen), so wäre ein Budget vom 700 000 Pfund im Jahr dasjenige, was nötig ist, um 1000 Familien ins Land zu bringen. Dies also wären die Grundprobleme: Verankerung der Jewish Agency gegenüber der Regierung, Bestehen auf den Forderungen der Palestine Survey Commission, Ansammlung einer Bodenreserve, Ansiedlung des jüdischen Arbeiters besonders im Küstengebiet und ein Kolonisationsprogramm von etwa 1000 Familien im Jahr. Auf diesen Grundlinien könnte die praktische Arbeit der Agency eingeleitet werden. Wir stehen alle noch unter dem Eindruck der gestrigen Versammlung. Wenn ich ihn in einem Bilde schildern soll, so war es ein Spektrum der Judenheit, das von Rabbi Lipschitz rechts bis zu Leon Blum links hinüberleitet. Wenn man farbige Strahlen in einer Linse vereinigt — ich hoffe, Professor Einstein wird mir nicht widersprechen — (Heiterkeit) so kommt ein farbloser heller Lichtstrahl heraus. So ist es in unserer Arbeit: in Palästina muss etwas entstehen, was wieder in die dunkelsten Winkel des Getto, in alle Teile des jüdischen Lebens Freude, Stolz und Ehre ausstrahlen wird. (Stürmischer Beifall.)