Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 593 (sequence 731)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 593 gerade das Umgekehrte von früher: nicht auf den Bergen, sondern in den Tälern liegen die grossen geschlossenen Siedlungen. Ihr Gebiet abzurunden und zu einem grossen Ring jüdischer Kolonien zusammenzuschliessen, dies sollte, wie ich vorschlagen möchte, die Aufgabe der Jewish Agency sein. Unsere ganze Kolonisation litt bisher an einem grundlegenden Mangel. Eis ist unmöglich, eine Kolonisation auf lange Sicht zu machen, auf fünf, sechs und acht Jahre, ohne dass man genau die Gebiete kennt, wo diese Kolonisation gemacht werden soll. Unsere ganze kolonisatorische Tätigkeit wurde nun — ich übe hier keine Kritik, es war eine Notwendigkeit, denn die Zionistische Organisation war gezwungen, in dieser Hinsicht von der Hand in den Mund zu leben — dadurch gehindert, dass wir auf diese Weise eine grosse Preissteigerung in den in Betracht kommenden Gebieten hervorriefen. So kam es, dass unsere kolonisatorische Tätigkeit gegen uns arbeitete, indem sie im umliegenden Gebiet die Preise in die Höhe schnellen Hess. Ej ergibt sich daraus die grundlegende Notwendigkeit, die Kolonisation in einem grösseren Stil zu betreiben, und dazu ist es notwendig, eine Bodenreserve zu haben, sodass man für eine längere Reihe von Jahren mit Land versorgt ist. Das ist die allernotwendigste und wichtigste Tat, welche die Jewish Agency auszuführen hat: diese Bodenreserve zu schaffen und sie dem Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung zu stellen. Nach meiner Meinung ist die Grundlage unseres ganzen Lebens in Palästina die Schaffung eines starken jüdischen Bauernstandes, und darum ist die ganze landwirtschaftliche Kolonisation das Alpha und Omega unserer ganzen Tätigkeit. Auf der landwirtschaftlichen Kolonisation baut sich das jüdische Dorf, auf diesem wieder die Industrie auf, und schliesslich und endlich wissen wir aus der Weltgeschichte, dass die landwirtschaftliche Kolonisation die Basis der Kultur ist. Palästina ist ein kleines Land und infolgedessen ist es wesentlich, dass auf den Gebieten, wo eine Siedlung möglich ist, das Maximum von Menschen angesiedelt werden muss. In dieser Beziehung kommt in erster Linie die Küste in Betracht. Die Küste ist fruchtbar und hat Wasser. An der Küste wird ein Produkt gepflanzt, das heute eine Weltmarke geworden ist. Die Palästina-Orange ist ein Produkt, das den Absatz des kleinen Palästina in sehr grossem Masse steigern kann. Ich will nicht astronomische Ziffern nennen, sondern nur darauf hinweisen, dass manche ernsthafte Experten der Meinung sind, dass die Produktion der Küste sich auf sehr grosse Summen steigern lassen kann. Und schon heute bewegt sich eine grosse Menge jüdischen Kapitals nach der Küste Palästinas. Es kommt aus England, Südafrika und Amerika. Die jüdischen Pflanzungen Jaffa und Haifa wachsen mit jedem Jahre. Hier möchte ich aber eines bemerken und einschalten: Ich bin nicht gegen den Zustrom des Kapitals nach Palästina, das sich an der Küste ansammelt. Ich weiss sehr wohl,