Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 589 (sequence 727)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 589 dem Jom Kippur; sie waren so assimiliert, dass sie auch davon nichts wussten. Er machte den letzten Versuch und sprach das Wort „Jerusalem" aus. „Als ich dieses Wort aussprach,*' erzählt er, „strahlten die Augen der Priester; sie sagten: Jerusalem wissen wir alle, wir sind doch aus Jerusalem gekommen." Das ist das grosse einigende Moment, die grosse Legende. Die Aufgabe unserer Freunde, der Nichtzionisten, ist es, Realitäten zu schaffen. Wir alle wollen es. Ein guter Anfang ist da. Aber vergessen wir nicht, die Realität allein genügt nicht. Erhalten wir die grosse Legende Erez Israel. Der Galil ist ein Psalm, eine jüdische Kolonie ist ein Kapitel Ruth, Keren Hajessod und Keren Kajemeth sind das Buch Esra und Nehemia. Jerusalem ist das Schir Haschirim. Die Bibel lebt, sie wird zur Realität, aber nicht nur Realität, sondern eine ideale Realität. Träumer sollen wir sein. Das ist das Schöne an uns. Wir, die wir Praktiker, Rechenmeister und Krämer geschimpft werden, sind die grössten Idealisten der Welt geworden. Ich frage Sie: ist das nicht eine idealistische Bewegung? Ich habe von den Juden in Amerika Opfer für Erez Israel verlangt. Profitieren sie von diesen Opfern? Ich habe ihnen nichts versprechen können. Das ist Idealismus. Dieser Tag ist ein Tag, den Gott schafft. Es gibt einzelne Tage, die mehr schaffen als lange Zeiten in der Geschichte der Menschheit. Das ist einer der grossen Tage. Wir sollen uns freuen, wie Juden sich freuen. Wir haben eine besondere Art, uns zu freuen. Wir begeistern uns, dann werden wir nüchtern, dann zanken wir uns. Aber freuen wir uns unserer Einigkeit! (Stürmischer Beifall.) Mit dem Absingen der Hatikwah schliesst die Sitzung um 18 Uhr 20 Minuten.