Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 588 (sequence 726)
- Language
- German, English, Hebrew
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588 1. COUNCIL-SITZUNG: Eröffnungsreden Herbert Samuels und die andern. Ich weiss nicht, ob es Nichtzionisten oder Zionisten sind. Wir betrachten die Nichzionisten als Zionisten. (Lebhafter Beifall.) Ich habe hier Reden gehört von Nichtzionisten. Diese Reden hätten auf dem zionistischen Kongress gehalten werden sollen. Ich habe andere Reden von Zionisten gehört, ich will keine Kritik üben, aber ich fürchte, sie konnten vielleicht auf dem zionistischen Kongress kritisiert werden. Die Aelteren unter Ihnen werden sich vielleicht einer alten Sitte unter den Juden erinnern. Unsere Eltern haben nach dem Versöhnungstag, nachdem man das Fasten, die Kasteiungen, die Zerknirschung und die langen Gebete dieses Tages überstanden hatte, einen bescheidenen Bissen zu sich genommen und sind dann in den Hof hinausgegangen, um die Pflöcke für die Sukkah einzuschlagen. Ich hatte diesen Eindruck heute, nach dem gestrigen Tag und der gestrigen oder der heutigen Nacht. Wir schlagen tatsächlich die Pflöcke ein, um die Sukkah zu machen, und die Sukkah begrüsst man mit „Sukkath Schalom"; sie ist das Symbol des Friedens, wie diese grosse Sukkah hier, die Sukkah des Friedens. Die Sukkah schafft nicht den Jom Kippur ab, der Jom Kippur bleibt Jom Kippur. Man feiert nur dann auch Sukkoth. Die Rede des sogenannten Nichtzionisten, meines verehrten Freundes, des von uns so geliebten Marshall, war vielleicht eine zionistischere Rede als die der Zionisten. Er hat uns gesagt, dass wir unsere Kongresse haben und dass nur noch eine Organisation dazu gekommen sei. Das Wort, dass diese Versammlung eine historische sei, ist mir unangenehm. Auf einer historischen Versammlung sagte man nie früher: das ist eine historische Versammlung. Der zukünftige Historiker wird es, so hoffe ich, sagen. Wir haben uns unter der Fahne von Erez Israel vereinigt. Wir Zionisten sind hierher gekommen nicht gegen Herzl, sondern mit Herzl. Unsere Organisation ist in die Jewish Agency eingetreten mit all dem, was Ussischkin so schön dargestellt hat. Wir bringen eine Mitgift mit und ein grosses Vermögen in dem Symbol Herzl. Aber wir vereinigen uns hier unter der Fahne von Erez Israel. Erez Israel ist immer im jüdischen Volk ein einigendes Moment gewesen. Damit soll nicht gesagt sein, dass nicht unsere alte Religion auch ein einigendes Moment ist und dass es nicht wichtig ist, sie zu kräftigen. Aber das allein genügt nicht. Erez Israel ist ein grosses Moment. Und als solches wird es im ganzen Judentum von den Falaschas in Abessinien bis zu den Marannen in Portugal, von den extremen Reformrabbinern Amerikas bis zu den Wunderrabbis in Galizien anerkannt. Professor Josef Halevy, der Entdecker der Falaschas, erzählte einmal, dass, als er nach Abessinien kam, um zu versuchen, den jüdischen Ursprung der Falaschas nachzuweisen, er die Priester der Falaschas gefragt habe, ob sie etwas von Sabbath wüssten. Sie wussten nichts. Ob sie etwas von Pessach wüssten — sie wussten nichts. Zuletzt fragte er nach