Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 586 (sequence 724)
- Language
- German, English, Hebrew
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586 1. COUNCIL-SITZUNG: Eröffnungsreden chen sie dem, was in diesem Saale geschieht. Wenn ich meiner Meinung Ausdruck geben darf, so muss diese Versammlung nicht nur des Landes gedenken, sondern — und das in erster Linie — des Volkes. Es geht nicht bloss um den Aufbau von Erez Israel, sondern um den Aufbau des jüdischen Volkes durch Erez Israel. (Beifall.) Erez Israel hat den Hunger nach Boden in den jüdischen Massen geweckt. Er muss nach Möglichkeit gestillt werden. Wohl überlegt muss jeder Klafter Bodens ausgenützt werden, um einen hungrigen jüdischen Mund zu sättigen. Kein Luxusort für Reiche und kein Winterurlaubsquartier soll Erez Israel werden, sondern ein wohnlich Dach für die jüdischen Massen. Wir hoffen, dass in den Bergen und Tälern, die unsere Ahnen bewohnt, wiederum das Licht fruchtbarer Arbeitstage für die Armen aufgehe und dass aus ihren bescheidenen Heimen am Abend der Friedensschein der Gerechtigkeit strahle. In jenen Zeiten, da aus Erez Israel die Lehre von dem einzigen Gott ausging, welche die Welt von dem Elend des Götzendienstes erlöste und die Grundlagen unserer modernen Zivilisation schuf —, in jenen Zeiten waren Erez Israels Berge und Täler von einer armen, aber arbeitsfrohen Bevölkerung besiedelt, die ein bescheidenes, doch reines und sittliches Leben führte. Meiner Meinung nach ist eine der Hauptursachen für das Wirken jener grossen sittlichen Kraft, die bis in unsere Tage reichend das heutige Antlitz der Welt formte, in der sittlichen Lebensauffassung der Bevölkerung von Erez Israel zu suchen. Um daher Erez Israel für die grosse Aufgabe geeignet zu machen, die wir und die ganze Welt von dem der Menschheit heiligen Lande erwarten, genügt nicht der blosse Aufbau des Landes, sondern dieser Aufbau muss auf gerechten sozialen Fundamenten erfolgen, damit jene ethische Sphäre gebildet werde, in der einzig und allein unser jüdisches Volk leben und sich entwickeln kann. Denn nur als Gemeinschaft freier Menschen kann das jüdische Volk existieren. Selbst in den schlimmsten Zeiten seiner düsteren Vergangenheit konnte das jüdische Volk niemals Sklave sein. Denn das höchste Gut, welches die Gattung Mensch sich so schwer erkämpft hat, die naturgegebene Freiheit, sie wurde uns als Gesetz unseres Lebens zuteil. So kann denn Erez Israel nur durch freie Juden entwickelt und zur Blüte gebracht werden. Die bescheidenen Wünsche, die ich hier zum Ausdruck gebracht habe, möchte ich mit einem Zitat aus unserem Gebetschatz schliessen. Gar manches Gebet, gar manche Stelle unseres Schrifttums ist durch die neue Judensiedlung in Erez Israel wieder zum Leben erwacht und neu erhoben und beseelt worden. Hier denke ich an jene erhabene Gebetstelle, welche unsere Chaluzim, unsere Pioniere, zu einem Tanz gewandelt haben; sie lautet: „Reinige unsere Herzen, dir zu dienen in Wahrhaftigkeit!" In diesem Augenblick grossen Geschehens wollen wir die Unterschiede der Klassen, der Parteien und Gruppen, in die wir geteilt sind, vergessen und