Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 477)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jehuda 339 land. Und eine solche Erklärung ist geeignet, selbst die mutigsten Menschen davon abzuschrecken, sich mit der hebräischen Sprache zu befassen. Die jüdischen Vater wagen es nicht, ihre Söhne hebräisch unterrichten zu lassen. Es gibt Hunderte und Tausende von Fällen, dass Eltern, die un3 nahestehen, die hebräische Kultur preisgegeben haben, weil sie von der Behörde abhängig sind und fürchten, wenn die Sache bekannt würde, ihre Posten einzubüssen. Die Wahrheit muss gesagt werden, und wir müssen die Heuchelei der russischen Regierung vor der ganzen Welt verkünden. Jedes Haus, in dem sich ein hebräisches Buch findet, ist in Gefahr. Selbst wenn man den Hausherrn nicht einsperrt, wird er doch sein Teil bekommen. Eine solche Atmosphäre genügt, um Furcht einzuflössen und die Menschen von aller kulturellen Arbeit abzuhalten. Es werden Menschen, weil sie hebräisch lehren, des Klerikalismus, des Chauvinismus, der Konterrevolution, des Zionismus beschuldigt und in die Verbannung geschickt. Das geschieht ohne Beweise, auf administrativem Wege, ohne öffentliche Verhandlung. Wir haben zu verschiedenen Malen versucht, uns zu beklagen. Jizchak Rabinowitsch, der eine Beschwerde erhob, wurde für drei Jahre eingesperrt. Und auch Menschen, die Statuten hebräischer Kulturvereine einreichten, wurden eingesperrt. Früher war an diesen Dingen die Jewsekzia schuld, jetzt aber sind es die leitenden Behörden, und an sie müssen wir unsere Forderungen stellen. im vergangenen Jahre haben wir noch einen Versuch gemacht. Wir haben Maxim Gorki zu seinem Jubiläum beglückwünscht und ihm bei dieser Gelegenheit unsere Lage in Russland dargestellt. Auf diesen Brief haben wir weder von ihm, noch von der Regierung eine Antwort erhalten. Lunatscharski aber hat in einem Vortrag in Leningrad darauf reagiert, indem er sagte: „Jene bürgerlichen Zionisten, die nach Palästina wollen, hindern wir nicht daran, hinzugehen. Schulen oder Unterricht in der toten Sprache werden wir nicht erlauben.*' Und das geschah zwei Monate nach der Veröffentlichung des Gesprächs Zeitlins mit Lunatscharski! So gross ist die Heuchelei. Hebräische Bücher, alte und neue, werden in den Bann getan. Man kann solche Bücher einzig für wissenschaftliche Zwecke bekommen und muss dafür eine spezielle Bewilligung einholen. Wir gehen kulturell zugrunde, wir siechen dahin, es gibt keine Entwicklung, und trotzdem hören wir nicht auf, hebräische Kulturarbeit zu leisten. An jedem Orte haben wir illegale Klassen von kleinen Kindern, voa Jugendlichen und von Erwachsenen, die ihrem Alter und ihrem Wissen entsprechend hebräische Sprache, jüdische Geschichte und Literatur bei uns lernen. Wir haben 18jährige junge Leute, die bei Beginn der Revolution sechs Jahre alt waren, die Kultur der Jewsekzia durchgemacht haben und unter schrecklichen Bedingungen erzogen wurden. Sie sitzen unter uns und lernen Geschichte und halten Vorträge über die hebräische Literatur. Obwohl wir unter Höllenqualen leben, geben wir die Arbeit nicht auf. Sie geht von selbst weiter. Die zionistische Bewegung ia Russland lebt.