Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 476)
- Language
- German, English, Hebrew
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338 12. KONGRESS-SITZUNG: Referate über hebr. Kulturarbeit in der Diaspora Freunde der hebräischen Schule aber müssen eine hebräische Vollschule wollen. Die hebräische Schule soll ganz unser sein. (Beifall.) L.Jehuda (Russland — spricht hebräisch): Im Namen der jüdischen Arbeiter in Sowjetrussland, wo die hebräische Sprache verfolgt wird, begrüsse ich den XVI. Zionistenkongress. Wir sind gewohnt, aus Sowjetrussland übertriebene Nachrichten zu hören. Eine Nachricht, die nicht mit Mord beginnt und mit Mord endet, genügt uns nicht. Das ist ein schlechter und schädlicher Weg. Wir haben kein Recht, zu übertreiben. Es genügt, wenn wir die Wahrheit wissen. Ich will in kurzen Worten nur ein paar Einzelheiten aus dem Leben der Juden in Russland erzählen, speziell über die Lage der hebräischen Sprache. Die Revolution hat alle kulturellen Institutionen völlig zerstört, nichts ist geblieben; die Verfolgungen, die von Seiten der Regierung in Szene gesetzt wurden, haben die besten Kräfte, die führenden Menschen, die Schriftsteller und Redner vertrieben; alle haben sie Russland freiwillig oder gezwungen verlassen. Nur wir einfachen Menschen sind geblieben, wir hebräischen Lehrer, die nicht geflohen sind oder nicht fliehen konnten. Die hebräischen Lehrer begannen sich den neuen Bedingungen der kulturellen Arbeit anzupassen. Von Schulen ist nichts zu sagen. Kurse, Klubs, Buchverlage, Zeitungen, nichts ist geblieben. Wie sollten wir die Kulturarbeit fortsetzen? Wir mussten uns der Regierung anpassen. Wir nahmen die Schüler der Schulen, teilten sie in Klassen und mit Hilfe der Eltern begannen wir unsere Tätigkeit fortzusetzen. Wir glaubten, dass der gegenwärtige Zustand nur kurze Zeit dauern und dass andere Zeiten kommen werden. So arbeiteten wir mehrere Jahre. Inzwischen fing die Jewsekzia an, uns immer mehr zu verfolgen, und wir kamen in grosse Gefahr. Die Jewsekzia, die merkt, dass unsere Tätigkeit grossen Einfluss auf die Jugend übt und dass sie selbst ohnmächtig ist, die Jugend zu beeinflussen, verlangte von den Behörden, dass sie diesem „Spiel" ein Ende machen. Und sie hat alles durchgesetzt. So müssen wir illegal weiter arbeiten. Ueber die gegenwärtige Lage sind verschiedene Nachrichten verbreitet worden. Darunter auch gute Nachrichten. Man weist auf das offizielle Gespräch hin zwischen Prof. Zeitlin und Lunatscharski, das die Gemüter beruhigt hat. Damit hat man die jüdische und aie nichtjüdische Welt irregeführt. Es ist ja richtig, dass offiziell kein Dekret besteht, das die hebräische Sprache verbietet. Zu solcher Unverschämtheit ist man noch nicht gekommen. Die Regierung sagt: „Wir verfolgen die Sprache nicht. Ein zivilisiertes kommunistisches Land kann keine Sprache verfolgen." Und das ist die offizielle Kundgebung, die in der Welt verbreitet wird. Praktisch ist die Sache ganz anders. Es herrscht eine Atmosphäre des Hasses rings um unsere hebräische Kulturarbeit. Die Jewsekzia erklärt, die hebräische Sprache sei das einzig Konterrevolutionäre in Russ-