Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 467)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Grünbaum 329 nicht nur weil die Regierungen unsere Forderungen nicht erfüllen wollen, sondern weil man uns nicht glaubt. Man glaubt nicht, dass unsere Bestrebungen und unsere Wünsche natürliche sind und unseren Lebensbedürfnissen entstammen. Man glaubt, dass dies eine künstliche Sache sei. Die Regierungen der verschiedenen Staaten, wo sich eine hebräische Bewegung entwickelt, glauben, es werde ein Jahr, es werden einige Jahre verstreichen, und diese Bewegung werde an sich selbst zugrunde gehen, die Juden werden sich den neuen Sprachen und neuen Kulturen anpassen und das Hebräische aufgeben. Diese Regierungen haben nichts dagegen, dass die Juden das Hebräische in dem Masse lernen, wie man es in Westeuropa lernt, als Zusatz zur allgemeinen Kultur und zur herrschenden Sprache im Lande. Wir fordern aber, dass die hebräische Sprache und Kultur kein Zusatz sei, sondern die Grundlage, die unser gesamtes Leben umfasst. Sie soll zum Zentrum unseres kulturellen Lebens werden. Darin ist der grosse Unterschied zwischen uns in den osteuropäischen Ländern und unseren Brüdern, die sich mit hebräischer Arbeit in Amerika, in England und den anderen Westländern beschäftigen. Dort betrachtet man das Hebräische als Zusatz, wir betrachten es als unsere Hauptkultur, als unser Hauptrecht und kämpfen für die Anerkennung dieses Rechtes. Und so wie die andern Völker berechtigt sind, ihre Kinder in ihrer nationalen Umgebung zu erziehen, auf den Grundlagen ihrer nationalen Kultur, so fordern wir auch für uns ein solches Recht einer ganzen Erziehung. Die Landessprache und Landeskultur sind uns bloss Zusätze, nicht aber sind es für uns unsere Sprache und unsere Kultur. Der Kampf ist schwer, wir haben aber gewisse Erfolge erreicht, uid es besteht kein Zweifel, dass wir, wenn wir die Sache weiter fördern, eine volle jüdische Erziehung erreichen werden auf der Grundlage der hebräischen Sprache, der hebräischen Kultur, Erez Israels und der hebräischen Chaluziuth. (Beifall.) Aus dem Gesagten haben Sie ersehen, dass ich keinesfalls beabsichtige, die Streitfragen der Erziehung zu berühren. Wir streben auch im Galuth an, das weite Programm zu schaffen, wie wir es für Erez Israel geschaffen haben. Wir wollen keinesfalls in unserem Parlament, wie der Kongress einmal von Herzl genannt wurde, die Polemik über die erzieherischen Fragen erwecken. Wir setzen keine Beschränkungen, wir wollen jede kulturelle Tätigkeit, die auf der Basis der hebräischen Sprache, Erez Israels und der Chaluziuth errichtet ist, umfassen. Es ist uns von diesem Standpunkt aus einerlei, ob in der einen oder der anderen Schule ein religiöser Geist herrschen wird oder nicht. (Zwischenruf vom Misrachi: Es ist doch ein Unterschied!) Für uns ist es aber in diesem Falle einerlei, wir wollen nur die allgemeine günstige Umgebung für alle unsere Schulen schaffen, in denen alle Fächer im Hebräischen unterrichtet werden, ausser denjenigen selbstverständlich, in denen uns das Gesetz zwingt, die Landessprache zu gebrauchen. Alle diese Schulen sollen uns gehören, ob sie