Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 446)
- Language
- German, English, Hebrew
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308 11. KONGRESS-SITZUNG: Debatte über die Palästina-Referate wirklicher Fachmann ist, ist es zwar auch ein Uebel, aber notwendig. Doch goutiere ich gar nicht halbe Fachleute, die sich anschicken, die Richtlinien unserer Kolonisation zu bestimmen. Diese Mischung von Fachmännern und Laientum hat ihre Gefahr. Ich will hier von der Beziehung der Exekutive zum Jischuw in Palästina sprechen, die ich als Tourist kennen gelernt habe und nicht als einer, dem es vergönnt ist, im Lande zu leben. Es hat, wie ich glaube, in Palästina noch nie eine Exekutive gegeben, die sich in einer derartigen psychologischen und atmosphärischen splendid isolation befunden hat. Ich persönlich habe für diese Stellung weitgehendes psychologisches Verständnis und eine gewisse ästhetische Bewunderung für Männer, die sich so halten können. Aber wir sprechen von ihnen als von Politikern, und es gibt nichts, was in der heutigen Situation des Aufbaues gefährlicher und demoralisierender sein könnte als eine Exekutive, die der Jischuw nicht als die seine empfindet. Sacher ist ein sehr offener Mann. Er sagt selbst in seinem Bericht, wenn man der Exekutive vorwirft, sie sei nicht zu sehr zu Versammlungen gegangen und habe sich nicht an Demonstrationen beteiligt, dann nehme er es auf sich. Eine Exekutive Palästinas kann aber nicht eine solche sein, die gewissermassen sagt: Es gibt einige Verwaltungssachen, die wir verwalten, gut oder schlecht, und im übrigen macht euch eure Geschäfte allein. Was wir heute brauchen, ist eine Leitung des Kolonisationswerkes, von welcher der Jischuw empfindet, dass sie seine Sorgen teilt. Sie können aber welche Gruppe des Jischuw immer fragen, ob sie diese Exekutive als die ihrige angesehen hat, und Sie werden schwerlich eine Antwort in positivem Sinne bekommen. Und das genügt, um über diese Exekutive das Urteil zu sprechen. Man hat uns eine Konzeption aufgezwungen, als ob eine Exekutive nur ein Verwaltungsapparat zu sein brauchte. Erst wo diese Verwaltungsprobleme, welche die Exekutive als ihre eigentlichen angesehen hat, aufhören, beginnen die wirklichen Probleme der Exekutive. Erst wo Herr Sacher seine Aufgabe als erfüllt betrachtet, beginnt die eigentliche Aufgabe der Exekutive. Dies nicht verstanden zu haben, war der grundlegende Fehler dieser Exekutive. Und ich gebe Ihnen als Desinteressierter, denn ich werde mit aller Wahrscheinlichkeit die neue Exekutive ohnehin nicht mitwählen, den Rat, bilden Sie keine Exekutive im Gegensatze zum Jischuw, sondern eine solche, die eine vertrauensvolle autoritative Instanz des Jischuw sein kann. Nun etwas über die Probleme, die Miss Szold hier aufgeworfen hat. Ich bin hier in der einzigartigen Lage, dass ich als Vertreter einer oppositionellen Gruppe all dem, was ein Vertreter der Exekutive hier gesagt hat, mit vollem Herzen zustimmen kann. Die Probleme, welche Miss Szold hier aufgeworfen hat, sind von ungeheurer Wichtigkeit. Wenn das, was