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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 294

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 294 (sequence 432)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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294 11. KONGRESS-SITZUNG: Referat über Gesundheits- und Erziehungswesen es heisst, dass religiöse Schulen die Schulen des Misrachi sind. (Zwischenruf seitens des Misrachi: leider ist es so!) Nun, meine Herren (wendet sich gegen Misrachi), dann sind Sie Misrachisten und ich bin Jüdin! (Beifall.) Besondere Beschützer der jüdischen Religion, Kohanim gibt es nicht in dem Sinne, dass sie verantwortlicher sind als andere. Ich bin ebenso verantwortlich für die Personen, die der Misrachiorganisation angehören. (Beifall.) Ich glaube, dass die Misrachiorganisation sich eine wunderbare Aufgabe zum Ziele gestellt hat. Sie hat sie auch zum Teil wunderbar ausgeführt. Ich habe die Chedarim in Palästina besucht und auch die Talmudei Thora der Sefardim. Und obzwar ich nie eine Misrachischule besucht habe — man wird mir das hier zum Vorwurf machen —, kann ich dennoch bestätigen, das zwischen den Chedarim und den Talmudei Thora der Sefardim auf der einen Seite und den Misrachischulen auf der andern Seite ein Unterschied von Jahrhunderten besteht. Die Misrachischulen haben die traditionelle Unterrichtsweise so modernisiert, dass wir ihnen Dank schulden. Aber wenn ich religiös eingestellt bin, kann mir keine Organisation meine Verantwortlichkeit abnehmen. Und deshalb gibt es religiöse Schulen, die nicht, wenigstens noch nicht, dem Misrachi angehören. Meine persönliche Einstellung ist, dass ich als Leiterin des Erziehungswesens so neutral sein muss, wie nur ein Mensch sein kann. Das ist eine religiöse Forderung, die ich an mich selbst gestellt habe. Und ich stehe vor Ihnen, hoher Kongress, mit absolut reinem Gewissen. Fehler mag ich gemacht haben, aber nicht mit Absicht. Die Absicht war absolute Neutralität. Ferner hat man mir einen zweiten sehr milden Vorwurf gemacht und gesagt: diese Frau ist aus Amerika gekommen, wie kann sie eigentlich die Forderungen des Misrachi verstehen? Ich verstehe sie. Nicht nur verstehe ich sie, sondern ich ehre sie auch. Ich will jede Beihilfe gewähren, damit das, wofür ich Zionistin geworden bin, nämlich die Hoheit, die Ehre, die Würde und der Wert des jüdischen Gesetzes, uns auch für die Zukunft gewahrt bleiben. Meine Verehrten! Es wäre mir viel lieber, wenn ich wie Martin Buber zu Ihnen heute über jüdischen und hebräischen Humanismus, besonders in unseren Schulen, sprechen könnte. Mir gefällt es auch nicht, über Administration zu sprechen. Wenn ich über Ideale sprechen könnte, und besonders wenn ich über verwirklichte Ideale sprechen könnte, nicht nur Ideale, die man im Munde trägt, wie glücklich wäre ich gewesen! Wenn ich hätte sagen können, dass unsere Schulen, ob Misrachischulen, allgemeine Schulen oder die Schulen der Arbeiterschaft, soweit sind, dass sie den ganzen Inhalt unserer tausendjährigen Geschichte so durchgearbeitet haben, dass er unseren Kindern voll beigebracht wird! Aber es ist meine tiefste Ueberzeugung, dass wir, wenn wir nicht eine administrative Einheit etablieren, schwach vor der Welt dastehen werden. Wir müssen unser System so aufbauen, dass jeder Lehrer frei arbeiten kann, dass das Erziehungsdepartement frei arbeiten

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