Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 376)
- Language
- German, English, Hebrew
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238 9. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte gewendet. Es sind schon acht Monate verstrichen. Die meisten haben geantwortet. Von diesem Führer der revisionistischen Partei haben wir bis zum heutigen Tage keine Antwort bekommen. Ist das ein Beweis, dass wir die revisionistische Bewegung isolieren und nicht zulassen, dass sie sich an den Beratungen der Exekutive beteiligt? Herr Sacher hat schon erwähnt, dass Herr Grossmann ihm ein Portefeuille in ihrer Regierung angeboten hat. (G r o s s m a n n : Es ist nicht wahr. Es ist nicht einmal ein Witz. Zwischenruf: Ihre ganze Kabinettbildung ist auch nur ein Witz.) Das Unglück unserer Bewegung ist, dass wir keine richtige Opposition haben, eine Opposition, die morgen bereit wäre, die Arbeit zu übernehmen. (Sehr richtig!) Als ich nach dem Wiener Kongress nach London zurückkam, habe ich auch dies in meinem Bericht gesagt. Einige Monate später hat Herr Grossmann auch mir ein Portefeuille vorgeschlagen. (Grossmann : Einmal ist das ein Witz, das zweite Mal ist es eine Unwahrheit.) Ich möchte als Antwort darauf Herrn Grossmann nur an den Besuch erinnern, den er mir in meinem Hause in Leeds im Jahre 1926 abgestattet hat. Da habe ich nun Herrn Grossmann eine andere Sache vorgeschlagen. Es ist wichtig, dass die Opposition auch die Möglichkeit haben soll, ihre Ideen und ihr Programm vor der öffentlichen Meinung der zionistischen Bewegung kundzugeben. Ich war der erste, der Herrn Grossmann die Möglichkeit verschafft hat, vor einem grossen Publikum über seine Bewegung zu sprechen. Man hat mich deswegen angegriffen. Ich glaube aber, dass allen Parteien, ob sie nun klein oder gro^s sind, die Möglichkeit gegeben werden sollte, frei ihre Meinungen zu verkünden. Nur eine Sache habe ich in den Reden der Herren Jabotinsky und Grossmann bemerkt. Sie haben kein Wort von dem Programm gesprochen, das sie dem Kongress vorlegen. Man kann nun sagen, dass man das Programm der Bewegung in ihrer Literatur finden kann. Ich habe die Literatur der Revisionisten sehr eingehend studiert. Ich habe Grossmanns Buch sogar zweimal gelesen. Dort heisst es, nachdem er uns auf zwanzig Seiten kritisiert hat: Wenn wir die Mehrheit bekommen werden, werden wir eine von drei Sachen durchführen. Es heisst aber nicht, welche von diesen drei Sachen. (Heiterkeit.) Ich frage nun den Kongress, ob er bereit ist, die Verantwortung für die ganze Bewegung einer Partei zu übergeben, die hierher kommt und es nicht einmal für nötig findet, offiziell und direkt zu erklären, was ihr Programm ist. Der Vorschlag, mit dem die Revisionisten zu diesem Kongresse kommen, ist wirklich eigenartig. Die Partei, die seit sechs Jahren eine Propaganda in der ganzen Welt in grossem Masstabe betreibt, kommt zu diesem Kongress mit einer Delegation von 20 Mitgliedern. Und nun rühmt sich Herr Grossmann damit, dass die Partei stark gewachsen ist, und schlägt vor, dass man einer Partei, die sechs Prozent des Kongresses ausmacht, die Verantwortung für die gesamte zionistische Arbeit übergibt. Ich glaube behaupten zu können, dass 90 Prozent des Kongresses auf dem Standpunkt der Agency stehen. 90 Prozent des Kongresses akzeptieren die Politik von Dr. Weizmann.