Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 348)
- Language
- German, English, Hebrew
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210 8. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Leute denken, dass wir eine Koalition wollen, um einige Genossen in die Exekutive hineinzubringen, so erkläre ich, dass wir danach nicht jagen. Wir brauchen einen stärkeren Zionismus. Wenn Sie für einen schöpferischen Zionismus sind, dann werden wir uns einigen. Wenn auf diesem Kongress die Mehrheit für einen solchen Zionismus sich einsetzt, werden wir uns einigen. Es gibt im Zionismus ein schönes Wort: Es gibt im Zionismus Interessenten, Parteien, die Interese am Zionismus haben, und es sind allgemeine Zionisten vorhanden, die kein Interesse haben. Sie sind desinteressiert, sie sind frei. Es gibt also Parteien, deren Grundlage keine Gedanken, keine Ideen, keine Weltanschauung, kein Zionismus bildet, sondern nur Interessen. Ich nehme diese Beschuldigung an. Ich stehe hier im Namen von Interessenten, ja ich habe Interesse am Zionismus, und meine Interessen sind Keren Kajemeth, Alijah, Hachscharah, eine Jugendbewegung und eine neue Kolonisation. (Beifall.) Und das Unglück des Zionismus besteht darin, dass es zu viel feine Leute gibt, die kein Interesse am Zionismus haben, die viele Jahre mit Diskussionen über Agency und delikate Politik vergeuden und kein brennendes Interesse am Zionismus haben. Mir geht es aber ums Leben, wenn ich verlange, dass dieses Regime durchbrochen wird, da ich nicht glaube, dass dieses Regime uns wird weiterführen können. (Beifall.) Ich weiss: wenn ich sagen werde, dass das neue System im Zionismus unsere Arbeit untergraben hat, sehr viel offen und noch mehr unterirdisch; wenn ich sagen werde, dass unsere Bourgeoisie Klassenvorurteile hat — ich werde nicht sagen Klasseninteressen, die ausserpalästinensische zionistische Bourgeoisie hat noch keine Klasseninteressen, nur Klassenvorurteile —, so wird man mich> angreifei. Man wird sich beleidigt fühlen. In unserer kleinen zionistischen Welt spielt sich eines ab: wie es sich christelt, so zionistelt es sich. Es gab Jahre des Pittsburger Programms, als die amerikanischen Zionisten mit der Forderung nach radikalen sozialen und nationalen Reformen auftraten. In Deutschland nach der November-Revolution waren die deutschen Zionisten ungeheuer radikal. Nun ist eine fascistische Welle gekommen. Man hat begonnen, sich mit den Arbeitern zu zanken, und auch bei uns hat man das psychologisch sofort mitgemacht. Und ich bin sicher, dass die Leute, die bei uns diese bittere Arbeit durchgemacht haben, nur eines wollten: den Zionismus von den Utopisten mit ihren Experimenten retten. Sie wollten uns eine feste Führung, eine starke Hand, eine gute Wirtschaft geben. (Zwischenruf: Was ist mit der sozialistischen Agency?) Fürchten Sie sich nicht, sie wird gebaut werden. Nun bin ich nicht daran interessiert, die einzelnen Personen, die in der Exekutive sitzen, anzugreifen. Ich will über das ganze System sprechen, über die Möglichkeit, im Zionismus ein Regime der Usurpation einzuführen, eine Herrschaft gegen die Mehrheit, durch Drohungen, dass, falls wir, Gott behüte, nicht am Ruder sind, keiner imstande ist, die Sachen