Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 337)
- Language
- German, English, Hebrew
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Farbstein 199 Grünbaum schilderte die Jewish Agency mit sehr schwarzen Farben. Dr. Reich hat uns eine glänzende Zukunft der Jewish Agency angedeutet. Ich glaube, beide sind im Unrecht, Grünbaum unterschätzt die Zionistische Organisation, Reich überschätzt den neuen Partner. Dr. Schmarja Lewin hat die Frage gestellt, was eigentlich den Nichtzionisten zwingt, in die Jewish Agency einzutreten; mich drückt aber eine zweite Frage: Ganze sechs Jahre dauerten die Unterhandlungen mit den amerikanischen Non-Zionists, um sie zu bewegen, für Palästina zu arbeiten, sechs Jahre haben die Amerikaner Bedingungen gestellt. Haben Sie bei der Krim-Sache auch sechs Jahre Bedingungen gestellt? Warum ist Erez Israel schlimmer als die Krim? Man soll lieber keine Frage stellen. Wir Zionisten waren gewöhnt, auf unseren Kongressen, Versammlungen, Massenmeetings ehrlich und offen unsere Forderungen zu stellen und für sie zu kämpfen. Nur aus diesem Grunde ist es uns gelungen, die Massen, die uns verstanden haben, zur Arbeit heranzuziehen. Ich fürchte, es kommen neue Zeiten, wo wir vielleicht, um nicht den Frieden zu stören, sehr oft die Lippen bis aufs Blut zerbeissen und auf unseren Kongressen werden schweigen müssen. Der Misrachi in Polen hat in Anbetracht dieser Schwierigkeiten und der Gefahr, die damit verbunden ist, als erste Losung die der absoluten Ganzheit der Zionistischen Organisation aufgestellt; es könnten ernstere Reibungen vorkommen, aber eine Sache müssen wir alle unabhängig von den Fraktionen, zu welchen wir gehören, im Auge behalten: Es darf nichts geschehen, was die Zionistische Organisation zerbrechen oder ernst schädigen könnte. Noch einen Hauptpunkt hat der Misrachi gerade vor dem jetzigen Kongress aufgestellt: die unerschütterliche Losung „der Judenstaat'*. Wir beginnen eine neue Periode zusammen mit neuen Partnern. Wir wollen ehrlich sein und ihnen im vornherein ganz klar sagen, wohin wir zu streben beabsichtigen: zum „Judenstaat**. Von dieser Tribüne wurde über zwei Nationen gesprochen, für die Palästina ein Heim sein soll. Ich will offen sagen, ich wünsche mir nicht ein Palästina, ich fordere ein Erez Israel; ein Erez Israel, welches, nach den Worten Dr. Weizmanns, so jüdisch sein soll, wie England englisch. Man möge uns doch nicht immer belehren, wie unsere Beziehungen zu der arabischen Bevölkerung sein sollen. Darüber haben wir schon eine alte Lehre in der Bibel: „Ein Gesetz, die gleichen Rechte für Euch und den Fremden, der zwischen Euch lebt'*, und noch weiter: „liebet den. Fremden'*. Diese Vorschrift wird uns vollkommen genügen. Mit Recht hat Ussischkin gesagt: Machen wir doch nicht immer Liebeserklärungen an die, die uns verachten. 21