Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 334)
- Language
- German, English, Hebrew
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196 8. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Organisation übernehmen kann; glaubt man, dass unsere nichtzionistischen Partner in der Agency eigentlich auch Zionisten sind; konstruiert man, dass das Basler Programm in der Balfour-Deklaration enthalten ist und die Balfour-Deklaration im Palästina-Mandat und dass die Agency auf dem Boden von Deklaration und Mandat steht, sodass also eigentlich die Nicht-Zionisten das Basler Programm nun auch unterschreiben: gut, dann halte man auch nicht an einer in diesem Fall überflüssig gewordenen Zionistischen Organisation fest. Wir sind nicht sentimental, wenn sie nicht mehr nötig ist, muss sie abgeschafft werden und für etwas anderes Platz machen. Aber es geht nicht an, zu sagen, dass man die Zionistische Organisation im Gegenteil erhalten und kräftigen soll, ohne zu sagen wie. In der Proklamation Prof. Weizmanns scheint die Notwendigkeit auch empfunden zu sein, aber man gibt uns doch nichts, wenn man sagt, dass die eigentliche zionistische Propaganda eine Aufforderung zur sittlichen Entscheidung für den jüdischen Nationalismus sein soll, denn niemand weiss, was eigentlich dieser Nationalismus ist, für den zwanzig Zionisten zwanzig verschiedene Definitionen geben, und den man, wenn man will, ja auch mit dem Unterschreiben des jetzt in der Agency inkorporierten Basler Programms identifizieren kann. Gewiss ist die Möglichkeit vorhanden, der Zionistischen Organisation eine Aufgabe zu geben, und das ist sogar eine dringende zionistische Notwendigkeit, gerade das wäre Aufgabe der Exekutive und speziell des Organisationsdepartements gewesen, aber sowohl in der Enquete, wie auch danach ist man gerade dem ängstlich aus dem Wege gegangen. Es handelt sich nämlich darum, festzustellen, was der Zionismus in Palästina erreichen muss, wenn er das jüdische Problem wirklich lösen will. Aber weil man eine Diskussion hierüber scheut, nachdem durch fortwährende Interpretationen das Basler Programm und die Balfour-Deklaration ihres Inhaltes beraubt sind, weist man die Diskussion als ein müssiges Theoretisieren und als überflüssige ideologische Betrachtungen ab, wie das bei uns schon so geht: man theoretisiert das ganze Jahr und redet das ganze Jahr über Ideologie, aber wenn jemand zu unbequemen Ergebnissen kommt, weil er sich nicht an Fiktionen klammert und der Sache auf den Grund geht, sagt man ihm: Ach ja, gehen Sie mit diesem ewigen Theoretisieren; wir bauen auf. Nun hat es mit diesem Aufbauen eine sonderbare Bewandtnis, aber wir werden das noch sehen. Ich bin überzeugt, dass man sich über das wirkliche zionistische Ziel klar werden muss; ich kann nicht in Details eingehen und muss auf meine diesbezügliche Publikation verweisen; aber gerade jetzt wird diese Notwendigkeit zwingend. Man hatte, als man über die Erweiterung der Jewish Agency sprach, vor allem politische Befürchtungen; man musste demnach annehmen, dass politisch etwas getan werden muss, was die Nichtzionisten nicht interessiert. Das ist so. Was bedeutet denn eigentlich ein Kolonisationsregime} Es bedeutet eine Regierung, deren Gesetzgebung und Administration auf