Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 329)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weizmann 191 Ich stelle es Ihnen nun frei, zu beurteilen, ob es richtig ist, in allgemeinen Sätzen eine Mandatarregierung anzugreifen und dann eine Exekutive zu wählen, die mit dieser Mandatarregierung tagtäglich verhandeln muss. Nun möchte ich einige Worte zur A g e n c y sagen: Viel — und ich danke ihm herzlich dafür — hat mir Schmarjahu Levin vorweggenommen. Wie jede Bewegung, ist auch diese aus zwei Momenten entstanden, aus einem negativen und einem positiven. Zunächst musste man, wenn man gewissenhaft ist und sich nicht mit dem, was ist, zufrieden gibt, zu dem Schluss kommen: in diesem Tempo, wie die Dinge gehen, können wir nicht weitergehen. Wir Zionisten bleiben eine Minorität im Judentum. Wir haben wohl Grosses erreicht, aber so, in diesem Tempo, werden wir den Bau Palästinas auch für unsere Generation nicht ausreichend weiterführen. Ich will nicht erst die Hunderttausende von Gefahren, die ein langsames Tempo in sich birgt, hier erwähnen, die Herren, die in Palästina leben, kennen sie. Das war das eine Moment, und das andere Moment war ein Glaube, wenn Sie wollen, eine Intuition, dass dieses Palästinawerk schliesslich und endlich in die Seelen aller Juden dringen wird und dass sie sich, wenn sie mit diesem Werke in Berührung kommen, von den Schlacken befreien werden, die eine jahrhundertelange Ghetto-Geschichte geschaffen hat. Und ich glaube, dass es schon heute viele nichtzionistische Juden gibt, die Palästina linden und empfinden und dafür arbeiten, vielleicht mit grösserem Eifer als manche Zionisten (Ruf: sehr richtig). Und noch etwas soll hier gesagt werden: Wenn es schlecht ging und wenn man Geld brauchte, schickte man uns zu diesen Juden, um das Geld zu suchen, und sie gaben es. Sie gaben nicht alles, was sie geben sollten, aber sie gaben. Und wie hier schon richtig bemerkt wurde, wir sahen mit eigenen Augen, wie Palästina die Seele dieser Menschen erschütterte. Dazu kommt noch das, was ich immer gesagt habe: die Balfour-Deklaration, Palästina ist nicht uns gegeben worden. Nicht den Menschen, die sich heute an die Ecken des Opferalters klammern, sondern ganz Israel. So hätte sich denn der Kongress zu der Hohe erheben sollen — und ich hoffe, er wird es noch tun —, aus dieser Agency eine Knesseth Israel zu schaffen (Beifall), ein mächtiges Instrument, das wir mit unserm Geiste beleben können. Schon heute hat die Sache mehr Kraft und Schwung, als wir vor einem Jahre dachten und glaubten, und morgen wird die Agency als zentrale Kraft im Judentum dastehen, weil eben Palästina diese Wirkung auf das Judentum hat. Es waren die zwei Momente, die mich und meine Freunde und Kollegen bewogen haben, diesen schweren Weg, der schon sechs oder sieben Jahre dauert, zu gehen. Grünbaum erinnerte mich mit Recht an ein Wort, das ich als junger Mensch gesagt habe: dass ich in den drei Tagen des Kongresses die einzigen drei Tage sehe, in denen ich mich als freier Mensch in der Welt fühlen kann. Und so war es auch bis zur Balfour-Deklaration.