Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 314)
- Language
- German, English, Hebrew
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176 7. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Auch die sozialistische Bewegung hat zwei Perioden durchgemacht, eine Periode der Romantik und dann eine Periode der Wirtschaftlichkeit. Wir müssen die Periode der Romantik überwinden und uns den eisernen Gesetzen der Wirtschaft und der Politik unterwerfen. Man hat die Palästina-Exekutive sehr heftig bekämpft, aber nicht mit sachlichen, modernen Argumenten, sondern lediglich aus Gefühlen und Stimmungen heraus. Ich erkläre, dass die gegenwärtige Palästina-Exekutive die erste moderne Exekutive ist, die wir seit 1920 hatten. (Zwischenruf Mereminski: Wenn Geistlosigkeit modern ist, dann haben Sie recht.) Auch Parlamentarismus ist modern, und zum Parlamentarismus gehört der Begriff der Verantwortlichkeit. Während die Exekutive früher das Spielzeug verschiedener Stimmungen war, hatte die jetzige Exekutive den Begriff persönlicher Verantwortlichkeit. Sie hat hartnäckig auf ihrer Ueberzeugung beharrt. (Unruhe links.) Sie hat sich nicht schleppen lassen und so hat sie die Lage beherrscht. Sie kann nichts dafür, dass sie nicht die Möglichkeit hatte, die ganze Bewegung zu führen und nur einen Teil der Macht hatte, nicht aber die volle Macht. Jetzt, da wir in die Jewish Agency eintreten wollen, müssen wir ein grosses kolonisatorisches Programm auf weite Sicht mitbringen und so die Grundlage der Zusammenarbeit schaffen. Die Unterschiede zwischen uns Zionisten sind keine Klassenunterschied 3. Auch der linke Flügel vertritt keine Klasseninteressen, sondern vertritt nur Klassenromantik. Wenn es sich anderseits darum handeln wird, den Lebensstandard des jüdischen Arbeiters zu heben, ihm billige Wohnungen zu verschaffen usw., wird auf diesem Kongress nur eine verschwindende Minderheit, die auf dem Klassenstandpunkt steht, sich dagegen stellen. Aber wenn es sich darum handelt, ob man kolonisatorische Experimente fortsetzen soll, die nicht lebensfähig sind und zionistische Mittel vergeuden, so bin ich dagegen. (Unruhe links.) Die Zionistische Organisation darf nicht auf ihre Schultern die Last der Schaffung konkreter Unternehmungen laden. Wenn Arlosoroff die alten Wahrheiten des zionistischen Programms von den Dingen und Bedingungen revidiert haben will, so ist das falsch. Die Privatinitiative, die private planmässige Tätigkeit, ist nicht Anarchie; sie hat die Entwicklung des Landes mächtig gefördert. Die Jewish Agency muss mit der bisherigen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Routine brechen. Es handelt sich nicht nur darum, welchen Scheck die Nichtzionisten für den Keren Hajessod auf den Tisch legen werden. Wir müssen auch fragen, ob wirklich die grossen kolonisatorischen Unternehmungen geschaffen werden, von denen man in Amerika sprach, und die Kreditinstitutionen, die der Bericht der Survey Commission fordert. Der gegenwärtige Augenblick muss auch für eine neue und grosse Anleihepolitik ausgenützt werden. Aber die erste Basis einer jeden Anleihe ist die Rentabilität unserer Wirtschaft. Also: Ziffern, Buchhaltung und Statistik!