Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 288)
- Language
- German, English, Hebrew
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150 5. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Ich habe in den Referaten einen Hinweis darauf vermisst, wie sich die Organisation in der Gallith mit der Erziehung des jüdischen Volkes beschäftigen soll. Das ist wichtig für uns Zionisten, besonders für die jüngeren. Was sollen wir Hunderttausenden junger Juden geben, die in einer Hölle leben, die die furchtbarsten Qualen durchmachen, die den Ewigkeitssinn in ihrem Leben zu verlieren drohen und von Verlockungen bis zum Abgrunde gezogen werden? Sie sehen keinen Zweck und kein Ziel mehr in ihrem Leben. Warum ist das so? Brodetsky hat gesagt, ein Grund, weshalb die Juden in England weniger Zionisten sind als in Russland oder Polen, sei der, dass wir Ostjuden wissen, was Pogrome sind. Es hat weh getan, das zu hören. Wiederholet nicht diese beleidigenden Bemerkungen. Nicht der russische Kosak hat uns zum Zionismus gebracht, sondern der jüdische Grossvater, die jüdische Grossmutter, der jüdische Geist. Wir sind auf dem Schoss von Menschen aufgewachsen, von denen jeder gewusst hat, dass er eine Fahne in der Hand trägt, die er in derselben Reinheit, wie er sie bekommen hat, weitergeben muss. Diese Empfindung fehlt der jüdischen Jugend in den Grosstädten. Es fehlt ihr die Verantwortlichkeit für jeden Schritt, den sie tut. Unsere Jugend ist von Leichtsinn erfüllt. Alle Wege unserer Propaganda und Erziehungsarbeit müssen geändert werden. Es gilt, die ganze Seele des Menschen zu ergreifen. Auch mit dem Mysterium des Todes müssen wir wirken. Wenn der junge Mensch erkennt, dass sein Leben begrenzt ist, dann wird er auch einsehen, dass das Leben nichts wert ist, wenn es nicht ein Instrument für die Idee der Ewigkeit ist. Nicht mit Logik können wir wirken, wir müssen andere Mittel anwenden. Besonders wichtig ist für uns die Kunst. Wo sind die organisierten jüdischen Künstler? Das ist auch eine Aufgabe der Zionistischen Organisation, die jüdischen Künstler zu organisieren. Es ist jetzt keine Zeit für die jüdischen Dichter, Gedichte zu schreiben über die Schönheit einer Blume, über die Schönheit von blauen Augen. Wir haben eine gewaltige Idee, die das Herz der jüdischen Dichter anziehen und ihre Seele begeistern muss. Ihre Gedichte sollen von dieser Idee in allen ihren Formen zum Volke sprechen. Wo sind die jüdischen Maler? Sie beschäftigen sich mit Kitschmalerei und verstehen nicht, die Idee in scharf umrissenen Farben der Jugend vor Augen zu führen. Wo sind die Rabbonim? Sie sollten das richtige Wort verstehen, das sie zu der Jugend zu reden haben. Ich meine, dass diese Frage nicht nur den Misrachi, sondern auch die allgemeinen Zionisten und Linken interessieren sollte. Denn es herrscht in der Jugend von heute ein starker Trieb nach dem Religiösen. Zu den Schrecken des jüdischen Lebens, über die Ruppin sprach, gehört auch die Tatsache, dass heute viele junge Juden sich nicht aus materiellen Gründen, sondern aus Gründen wahrer religiöser Sehnsucht den christlichen Kirchen zuwenden. Ich glaube nicht, dass unsere Jugend in Erez Israel weniger Interesse für die Religion hat. Sie hat Interesse in einem