Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 284)
- Language
- German, English, Hebrew
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146 5. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Adolf Bernhardt (A. C. — spricht deutsch): Die Allgemeinen Zionisten Grossrumäniens haben mich damit betraut, auf dieser Kongresstribüne der Exponent ihrer Ansichten über die Tätigkeit oder Untätigkeit der Exekutive in den letzten zwei Jahren und der Dolmetsch ihrer Stellungnahme zu den hier gehaltenen Referaten des Präsidenten und einzelner Mitglieder der Exekutive zu sein. Tief davon durchdrungen, dass das jüdische Volk, wenn auch in beispielloser Weise nur mit moralischen und ethischen Waffen, einen schweren Kampf um die Wiedereroberung seiner Heimat führt, erachten wir es als Pflicht gerade eines demokratischen Volkswesens, überall und jederzeit, insbesondere aber in seinem Parlamente, im Interesse des Zusammenhaltens im Innern und der Schlagkraft nach aussen, sich in der Kritik der Lage und der Führung — selbst wenn sie berechtigt wäre — Zurückhaltung aufzuerlegen. Aus diesem Grunde bedauern wir es, dass von mancher Seite diese goldene Regel staatserhaltender Weisheit unbeachtet gelassen, ja geflissentlich missachtet wird. Wir sind übrigens überzeugt, dass es diesmal gar nicht notwendig ist, sich Zwang anzutun. Wer nur in den Niederungen kleiner und kleinlicher Fragen sich wohl fühlt oder aus reinem Oppositions- oder Negationsgeist nur die Unterlassungen oder die jeder menschlichen Tätigkeit anhaftenden Schattenseiten herausstreichen will, wird immer Stoff zur Unzufriedenheit herausfinden. Das ist aber dann nicht mehr Kritik, sondern einfache Nörgelei. Wir betrachten das Geschehene oder Nichtgeschehene von einer höheren Warte, so wie es dieser Platz und der Moment erheischt, und so sehen wir, dass unsere Führung im grossen und ganzen ihre Pflicht erfüllt, wir uns also nicht zu zwingen brauchen, eine vehemente Kritik zu unterdrücken. Aus dieser Erkenntnis heraus fühlen wir uns im Gegenteil gedrängt, der Exekutive den Dank für das Geleistete auszudrücken. Insbesondere fühlen wir uns zu Dank dem Führer, Dr. Weizmann, gegenüber verpflichtet, dem es unter schweren gesundheitlichen Opfern gelungen ist, Nichtzionisten für den Aufbau Erez Israels zuerst heranzuziehen und sie dann zu gruppieren, um so das wichtige Instrument der erweiterten Jewish Agency zu schaffen. Das als so undankbar verschriene jüdische Volk und insbesondere wir Zionisten, die wir mit seelischer Unruhe die Nachrichten über den Krankheitsprozess Dr. Weizmanns erwarteten, haben mit freudigster Genugtuung sein Erscheinen beim Kongress begrüsst und wünschen ihm herzlichst baldige vollständige Wiederherstellung. In der Jewish Agency-Frage stehen die Allgemeinen Zionisten Grossrumäniens geschlossen hinter unserem Führer. Die Begleitumstände vor, während und nach den Wahlen der nichtzionistischen Mitglieder Rumäniens für die Jewish Agency haben uns bewiesen, dass Kreise, die sich