Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 282)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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144 5. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte etwas machen, wir müssen andere Wege gehen. Ohne Zweifel müssen wir den Versuch machen, neue Quellen zu erschliessen. Es gibt aber keine grössere Dummheit, als diese Quellen so zu erschliessen, dass man die bisherige Arbeit diskreditiert. Wehe denen, die den Versuch machen, unsere grosse Arbeit für Keren Kajemeth, die wir machen müssen in der Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung der Bodenfrage, dadurch zu schädigen, dass sie, wenn man vom Keren Kajemeth redet, so tun, als ob der Keren Hajessod der Agency etwas unrein wäre. Die Agency ist eine Chance für uns, kein Geschenk. Auch dieser Vertrag ist kein Abschluss, sondern der Anfang einer Aktion. Sein Inhalt wird erst bestimmt werden durch unsere Qualität innerhalb dieses Bündnisses. Wer sich nichts zutraut, wer glaubt, er könne sich durch Paragraphen sichern, der wird schliesslich einsehen müssen, dass die Führung der hat, der die bessere Qualität hat. Fangen Sie an, diese Agency als existent zu behandeln, wie es Jabotinsky getan hat, zu vergessen, dass sie noch nicht existiert, dann haben Sie sie sofort erledigt. Sie ist ein Werdendes, unser Kind, durch uns geschaffen, lebendig durch unseren Geist, durch unsere Arbeit. (Zwischenruf: Ein Mamser!) Ich weiss nicht, ob Sie die Bemerkung für geschmackvoll halten, mir erscheint sie töricht. Als die Juden aus Babylon nach Erez Israel zurückgingen, da vergass man nicht zu erwähnen, dass auch die Mamserim mit zurückzogen als Teil des Volkes. (Beifall.) Seien Sie überzeugt, dass Ihre Sucht nach Legimität den Beweis erbringt, dass Sie eine sehr überalterte Gesellschaft sind. Brodetsky hat in seinem Referat über Propaganda Vorschläge gemacht, die gut sind und die wir unterstützen müssen, der Inhalt seines Referates ist jedoch ebenso ergänzungsbedürftig wie der des Referates von Ruppin. Wenn Sie an die Zukunft der Organisation denken, dann sollte ein Kongress wissen, dass wirklich eine ideologische Krise in dar jüdischen Welt besteht, dass Probleme da sind, denen wir noch nicht gewachsen sind. Eines aber wissen wir: Es beginnt eine Zeit einer neuen starken Zionisierung in der Welt. Die Jewish Agency ist vor allem auf die Länder des Westens zugeschnitten, wo wir nicht so weit sind, um die Welt so schnell zu zionisieren. Und Sie müssen dieses Problem einmal richtig verstehen. In diesen westlichen Ländern ist der Zionismus in einem gewissen Sinne in den Anfängen. Die Judenheiten der Länder sind nicht erobert. Weder ist es die deutsche Judenheit noch die amerikanische, und ich finde es überaus bedauerlich, wenn Zionisten immer so mit Stolz auf ihre zionistischen Leistungen in ihren Ländern hinweisen. Wir lehnen das für uns ab und wir werden es anderen zionistischen Vertretern raten, genau so wie wir, die wirklichen Probleme zu sehen und zu erkennen. Wir können ihnen nur gewachsen sein, wenn wir ihre Quellen erkennen. Solange man aber entzückt ist, wenn alte Lieder hier immer wieder gesungen werden, solange der Kongress nicht eine Stätte ist, von der neue Erkenntnisse ausgehen,