Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 276)
- Language
- German, English, Hebrew
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138 5. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Bedingungen, mit den Verhältnissen, welche die Verwirklichung unseres Ideals erschweren. Für diese Bedingungen ist aber die Leitung nicht verantwortlich. Es gibt keine Persönlichkeit und keine Gruppe, welche uns davon überzeugen könnte, dass sie wirklich imstande ist, unsere Lage zu verbessern. Wir haben die Führer der Fraktionen und der Opposition gehört und wir brauchen nur die Rede Jabotinskys als Beispiel zu nehmen. Es war eine glänzende oratorische Leistung, es war aber kein konstruktiver Gedanke darin, der uns davon überzeugen konnte, auf welchem konkreten Wege die Situation verbessert werden könnte. Was die politische Situation in Palästina betrifft, so will ich eine persönliche Bemerkung machen. Noch bevor es Revisionisten gegeben hat, habe ich eine Reihe von Artikeln veröffentlicht — und ich hatte die Freude, dass sie von Achad Haam zitiert wurden —, in welchen ich gezeigt habe, dass die Beziehungen der Administration zur Aufbauarbeit nicht so gut sind, wie sie sein sollten. Aber wir sind zur Ueberzeugung gekommen, dass nicht Worte und Reden diese Verhältnisse ändern können, sondern nur der Aufbau Palästinas selbst. Der Hauptpunkt, in dem wir bereit sind, die Exekutive zu unterstützen, ist der Plan der Jewish Agency. Man redet hier ständig von zwei Lagern, von Zionisten und Nichtzionisten. Wir glauben, dass es drei Lager gibt: Zionisten, Antizionisten und Nichtzionisten (neutrale Juden). Wir sind der Ansicht, dass es für Erez Israel und für das jüdische Volk viel besser ist, wenn wir die Nichtzionisten zu unserer Arbeit heranziehen, als dass wir sie in die Reihen unserer Gegner stossen. Vor 32 Jahren ist Theodor Herzl nach England gekommen, um mit jenen Juden zu verhandeln, von denen jetzt einige zur Jewish Agency herangezogen worden sind. Es ist ihm damals nicht gelungen. Es gab noch keine Balfour-Deklaration und kein Mandat, und der Aufbau des Landes war noch im embryonalen Zustand. Was Herzi nicht gelungen ist, ist Chaim Weizmann gelungen. Wir betrachten dies als seinen grössten Erfolg. Er hat uns die Balfour-Deklaration gebracht und er hat die Jewish Agency geschaffen. Die Juden, die zu der Jewish Agency hinzugezogen wurden, sind nicht neu und unbekannt in der jüdischen gesellschaftlichen Arbeit. Ich habe gehört, wie Grünbaum erklärte: „Weizmann sagt, dass Marshall der Führer des jüdischen Volkes ist, und Marshall sagt, dass Weizmann der Führer des jüdischen Volkes ist. Nun können doch nicht zwei Führer des Volkes sein/* Grünbaum hat aber eines vergessen. Es gibt bei jedem Volke mehrere Führer, und wenn diese Führer zusammenkommen, zusammenarbeiten und sich vereinigen, ist das ein Segen für jedes Volk und kein Fluch. (Beifall.) Und noch eines. Weizmann hat in Louis Marshall den Führer des jüdischen Volkes in Amerika