Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 260)
- Language
- German, English, Hebrew
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122 4. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte die Geschichte! Ich, obwohl ich arm bin, und du, der Reiche, beide haben wir bloss je eine Stimme bei der Entscheidung. Wir sind gleich. Wir sind Bürger.** Zwanzig Jahre revolutionärer Propaganda wären nie imstande gewesen, solch ein Wunder in einer gebückten Menschenseele zu entfalten, wie dieser Schekel, diese Idee, dass arm und reich gleichberechtigt sind. „Zu Döbling ein Friedhof, im Friedhof ein Grab — dort liegt er, der Grosse, der dieses uns gab!" 25 Jahre sind vorbei, und hier stehen Sie vor der Liquidation. Entscheiden Sie nun selbst, ob ich die Demokratie für gut oder schlecht halte. Nein, es gibt einen Unterschied zwischen Demokratie und Gewirokratie, zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Und es gibt einen praktischen Zusammenhang zwischen Idealismus und Leistungsfähigkeit. Und es ist gefährlich, diese Unterschiede und Zusammenhänge zu vergessen. Diese Unterschiede haben nicht nur die Nichtzionisten erkannt, das hatte nicht nur der XIV. Kongress erkannt: das hat heute auch die zionistische Leitung erkannt, die weiss, was für eine Ware sie Euch gebracht hat. Darum bringt man diese Konstitution nicht vor einen freien Kongress, sondern vor einen Kongress, der schon mit gebundenen Händen dasteht. Wenn auch die Mehrheit des Kongresses von vornherein für die erweiterte Agency ist: aber die Frage der Garantien würde ein freier Kongress doch prüfen wollen. Darum wollte man keinen freien Kongress und man hat etwas Präzedenzloses geschaffen: Die Nichtzionisten sind eingeladen worden, sich schon am 11. August hier in Zürich zu versammeln. (Zwischenruf: Sie sind schon hier!) In der parlamentarischen Geschichte anderer Völker kann man kein Beispiel finden, wo man ein Parlament so offen vor ein fait accompli gestellt hat. Wir Revisionisten hatten vor einiger Zeit eine Korrespondenz mit der Exekutive bezüglich der Erklärung unserer Wiener Konferenz, dass die Fortsetzung der Verhandlungen mit den Nichtzionisten ungesetzlich war. Als die Exekutive uns fragte, warum „ungesetzlich**, antworteten wir: Weil die Basis der Verhandlungen nicht mehr den Bedingungen des XIV. Kongresses entspricht. Darauf antwortete die Exekutive: Das sind ja nur „Vorbereitungen**. Sind das nun bloss „Vorbereitungen**? Versuchen Sie nun hier zu verlangen, dass die Angelegenheit — die Frage der Garantien — an die Exekutive zwecks weiterer Verhandlungen zurückverwiesen werde! Sie wissen wohl, was man Ihnen antworten wird: „Die Leute sind schon hier. Wollen Sie wirklich einen Weltskandal, eine grobe Beleidigung, einen Riss zwischen Zionisten und Nichtzionisten haben?'* So steht die Sache! Man schlägt dem Kongress einen schlechten Vertrag vor, und seine Hände sind schon gebunden. Ich möchte noch folgendes sagen. Ihr werdet doch bald nach Hause fahren und dort Euren Kindern in die Augen schauen. Es wächst eine Jugend auf, von der Ihr noch nicht wisst, wie sie aussehen wird. (Zwischenrufe von der Linken: Die Ihrige wird sie nicht sein.) Schlecht wird