Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 247)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kaplansky 109 Es war nötig, ein wenig von Dingen der Vergangenheit zu reden, die man vergessen wollte, weil diese Dinge in Zusammenhang sind mit den tatsächlichen Sorgen und Bedürfnissen der Arbeiterschaft in Erez Israel. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die von Nassr-ed-Din erzählt wird. Das war ein türkischer Herscheie Ostropoler, ein volkstümlicher Witzbold. Er ging einst mit einem Schäfchen und traf eine sehr lustige Gesellschaft. Sie sagten ihm: Hast du denn nicht gehört, dass morgen der Jüngste Tag ist, die Welt geht unter! Er wollte zwar daran nicht glauben, aber die jungen Leute zwangen ihn, das Schäfchen zu schlachten und eine schöne Mahlzeit zu machen, da doch die Welt morgen untergehe. Während Nassr-ed-Din am Feuer das Fleisch braten musste, gingen die jungen Leute im Bach daneben zu baden. Da warf Nassr-ed-Din ihre Kleider ins Feuer. Als sie zurückkehrten und ihn zur Rede stellten, erwiderte er: Morgen ist doch der Jüngste Tag, wozu braucht ihr Kleider? Es heisst doch im Koran, dass am Jüngsten Tag alle Leute vor Gott nackt zu erscheinen haben! (Heiterkeit.) Vor zwei Jahren hat man der zionistischen Bewegung erklärt, dass infolge der grossen Sünden, die die Arbeiterschaft begangen hatte, Palästina und die zionistische Welt untergehe. Man hat das arme Schäfchen der Arbeiterschaft geschlachtet. Da sollten Sie sich nicht wundern, wenn wir jetzt der Exekutive die Kleider abnehmen und ihre Politik in ihrer ganzen Nacktheit zeigen. Die Situation, in welcher sich Palästina und der Zionismus befindet, ist sicher reich an Möglichkeiten, über die Herr Dr. Weizmann heute gesprochen hat. Wir wissen sehr gut, dass ein Teil unserer Träume und Voraussagungen sich erfüllt. Durch unsere Arbeit und efördert durch objektive weltwirtschaftliche Bedingungen wird Palästina zur Brücke dreier Weltteile. Mit den Möglichkeiten treten jedoch auch Gefahren auf. Wir stehen nun vor der grossen Aufgabe, auf die Invasion des Privatkapitals zu antworten, so auch auf die Versuche des internationalen Kapitals, sich für Erez Israel zu interessieren. Wir können das nur durch die Verstärkung des nationalen Kapitals erreichen, durch Planwirtschaft auf nationaler Grundlage. Erez Israel soll nicht in eine Kolonie von exploitierten nichtjüdischen Arbeitern verwandelt werden, sondern in einen grossen Arbeitsplatz für die arbeitsuchenden jüdischen Massen. Es soll das grosse Wort Herzls erfüllt werden, dass der Zionismus eine grosse Arbeitsgelegenheit für das jüdische Volk ist. Und da sollte man nicht vergessen, dass der Grundstein dieses schöpferischen, gesellschaftsbildenden Prozesses 25 Jahre hindurch die jüdische Arbeiterschaft gewesen ist und es noch für weitere Generationen bleiben wird. (Lebhafter Beifall.) Schluss der Sitzung: 23 Uhr 15 Minuten.