Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 194)
- Language
- German, English, Hebrew
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56 2. KONGRESS-SITZUNG: Bericht und Zukunftsprogramm der Exekutive für gekämpft, dass wir berechtigt seien, von der Regierung mehr positive Förderung zu erwarten. Das stärkste Argument zu unsern Gunsten ist und wird immer sein, dass wir selbst unsere Verpflichtungen peinlichst erfüllen. Unsere konkreten Leistungen in Palästina haben deutlich gezeigt, wie ernst wir unsere Aufgabe auffassen. Der Wert dieser unserer Leistungen ist der Mandatsregierung nicht verborgen geblieben. Obwohl einige unserer gerechten Forderungen, von denen eine Anzahl vom 15. Kongress spezifiziert wurde, noch weit von völliger Erfüllung entfernt sind, ist Grund für die Hoffnung vorhanden, dass die Regierung langsam zu einem vollen Verständnis ihrer Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Nationalheim gelangt. Ich kann diesen Teil meiner Rede nicht schliessen, ohne die peinlichen Ereignisse zu berühren, die sich im letzten Jahre am Kotel Maarawi abgespielt haben. Die Juden aller Welt waren betroffen, zu hören, dass jüdische Beter an diesem heiligen Platze am heiligsten Tage des jüdischen Jahres durch gegewaltsame Intervention der Polizei gestört wurden. Wir weisen mit Entschiedenheit als völlig falsch die Unterstellung zurück, die von unverantwortlichen Propagandisten ausgestreut wurde, dass die scharfen, durch diese Zwischenfälle in der jüdischen Welt hervorgerufenen Proteste die Absicht in sich enthielten, die Unverletzlichkeit der mohammedanischen heiligen Plätze in Frage zu ziehen, die vorbehaltlos von der Zionistischen Organisation anerkannt wird und stets anerkannt wurde. Wir gedenken nicht im mindesten, die religiösen Empfindlichkeiten anderer Völker zu verletzen, für die wir denselben Respekt verlangen, den wir für unsere eigenen beanspruchen. Ohne Bedenken verlangen wir als unser Recht, dass Juden an einem durch eine ununterbrochene Tradition von Jahrhunderten geheiligten Gebetsplatz ihren Gottesdienst in der durch ihren Glauben vorgeschriebenen Form und unter Bedingungen, die mit der im Mandat garantierten freien Ausübung des Gottesdienstes im Einklang stehen, ausüben dürfen. Auf wirtschaftlichem Gebiet ist die Lage erfreulicherweise heute sehr von der verschieden, die wir zur Zeit des 15. Kongresses vor zwei Jahren vorfanden. Damals litt Palästina unter einer schweren Handelsdepression, die sich im Sinken der Einwanderung, in der Auswanderung einer beträchtlichen Anzahl von Immigranten und in einer ernste Besorgnisse hervorrufenden Arbeitslosigkeit ausdrückte. Die jüdische Arbeiterschaft freilich hielt stand. Es ist ihr bleibendes Verdienst, dass sie die Schwierigkeiten mit einem Mut und einer Disziplin