Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 15 (1927) Basel, 30. August bis 11. September 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 413)
- Language
- German, English, Hebrew
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Locker, Nurock, Goldmann Bei Kongreß nimmt die Einsetzung der gemeinsamen Palästinakommission gemäß der am 17. Januar 1927 von Dr. Weizmann und Mr. Louis Marshall unterzeichneten Vereinbarung zur Kenntnis und hofft, daß die Arbeit dieser Kommission erfolgreich sein wird. Dr. Nahum Goldmann (A. <J., Eadikal — deutsch): Ich beantrage, über die einzelnen Teile dieser Eesolntion getrennt abzustimmen. Zum ersten Teile schlage ich folgendes Minoritätsvotum vor: Der Kongreß bedauert, daß Präsident Dr. Weizmann im Verlaufe seiner Verhandlungen in Amerika zwecks Erweiterung der Jewish Agency sich veranlaßt sah, in seinem Briefwechsel mit Louis Marshall die amerikanischen Zionisten in ihrem Kampfe um die Anerkennung der Priorität Palästinas zu desavouieren, wodurch der Anspruch der Zionisten auf Erlangung der Hegemonie im jüdischen Leben in seinen Grundlagen erschüttert wurde. Diese Kesolution bezieht sich nicht auf das Abkommen mit der Marshall-Gruppe, sondern auf den Briefwechsel mit Marshall. Wir sind der Ansicht, daß der Präsident der Organisation, auch wenn er an sich berechtigt war, den Beschluß des letzten Kongresses in Bezug aiif die Erweiterung der Jewish Agency durchzuführen, nicht so weit gehen durfte, wie er es in dem Briefwechsel getan hat. Es hat sich hier der in der Geschichte der zionistischen Bewegung einzigartige Fall ereignet, daß der führende Mann der Bewegung eine der größten Landesorganisationen, die ein Jahr lang in einem heftigen Kampfe mit einer antizionistischen Gruppe um die Priorität Palästinas stand, desavouiert hat. Der Kongreß ist verpflichtet, dazu Stellung zu nehmen. Die amerikanischen Zionisten haben diese Desavouierung nur widerwillig hingenommen. Dr. Wise hat hier erklärt, daß die amerikanischen Zionisten so diszipliniert waren, daß sie ihre TJeberzeugung unterdrückt und dem Befehle des Präsidenten Folge geleistet haben. Sie hätten sicherlich besser daran getan, weniger diszipliniert gegenüber dem Präsidenten und umso mehr auf die Würde und die Forderungen der zionistischen Sache bedacht zu sein. Es handelt sich darum, künftigen ähnlichen Fällen vorzubeugen und dem Präsidenten der Organisation deutlich zu sagen, daß er nie so weit hätte gehen dürfen, unsere stärkste Landesorganisation im Kampfe für ein integrierendes Prinzip des Zionismus zu desavouieren. Der Kongreß muß daher gegen diesen Briefwechsel mit Marshall entschieden Stellung nehmen. (Lebhafter Beifall bei den Kadikaien.) 24* 371