Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 91)
- Language
- German, English, Hebrew
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3. Sitzung: Referate über Palästinawirtschaft Verhältnisses von Arbeitgeber und Arbeitnehmer suchen. Alles können sie! Wir haben solche Leute unter den Juden gefunden; aber machen wir den Unternehmer unsicher, machen wir es ihm unmöglich, seine Waren abzusetzen: dann ist die Sache zu Ende. An den Grenzen Palästinas hört die Macht unserer Ideologie auf. Wo wir in Konkurrenz mit anderen Märkten, mit anderen Ländern treten, müssen wir unter Konkurrenzbedingungen produzieren. Daraus ergibt sich alles. Ich stehe nicht auf dem Standpunkt — ich habe es oft gesagt, und ich wiederhole es von dieser Stelle — ich stehe nicht auf dem Standpunkt, daß der jüdische Arbeiter in Palästina für den Aufbau des Landes ein Opfer an seinem Lohn bringen soll. Ich behaupte, daß eine Industrie möglich ist in Palästina mit solchen Löhnen, wie es der jüdische Arbeiter braucht, denn ich halte ihn — ceteris paribus — für leistungsfähiger als andere Arbeiter. Wenn der Versuch gemacht werden soll, alle Probleme der Arbeit, die es irgendwo in der Welt gibt, in Palästina zu lösen, wenn Arbeitsverträge der fortgeschrittensten Länder uns nicht genügen, sondern darüber hinaus Konstruktionen versucht werden und die Behauptung aufgestellt wird, es sei unsere Aufgabe, für uns und vielleicht für die ganze Welt jetzt schon diese Prinzipien durchzusetzen, dann übernehmen wir, eine arme, kleine Nation in den Anfängen ihrer Entwicklung, eine Aufgabe, die wir nicht erfüllen können. Darauf kommt es an! Darauf kommt es an, meine Herren! Das muß man verstehen. Man kann nicht das Wunder des Aufbaues von Palästina vollbringen und dabei — gestern ist von der Mitarbeit an der Erlösung der Welt gesprochen worden — schon heute Problemlösungen versuchen, die vielleicht erst unsere Zukunft der Menschheit bringen kann. Wir stehen vor der Frage: was ist unsere höhere nationale Pflicht, unser höheres nationales Recht? Ich behaupte, der Arbeiter in Palästina kann unter menschenwürdigen Arbeitslöhnen und einer ebensolchen Arbeitszeit, in einem ebensolchen Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer leben wie in jedem Lande, 80