Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 14 (sequence 21)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476276--3933-3480076
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 14 Dr. Schreiber (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Mir ist, geehrter Kongreß die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, an diese dichtgescharte Versammlung, zu der unsere Glaubensgenossen aus allen Teilen des Erdballes erschienen sind, ein herzliches Willkommen zu richten. Die geehrte Leitung des Kongresses hat die Freundlichkeit gehabt, den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde zu Ihren heute beginnenden Beratungen einzuladen und das Präsidium der Kultusgemeinde ist mit besonderer Vorliebe, mit großem Vorzuge dieser Einladung nachgekommen, indem es mich, als ein bescheidenes Mitglied des Vorstandes, dazu ausersehen hat, Ihnen im Namen unseres großen Gemeinwesens, das vielleicht neben Warschau das zweitgrößte auf dem europäischen Kontinent ist, unsere freundlichsten Gesinnungen zu verdolmetschen. (Lebhafter Beifall.) Indem ich dieser auszeichnenden Mission nachkomme, kann es mir, geehrter Kongreß, selbstverständlich nicht zustehen, ein Bekenntnis abzulegen zu den Problemen und zu den Theoremen, mit denen Sie sich beschäftigen und befassen werden. Das würde füglich über die Reichweite eines Mandates hinausgehen, welches eine immerhin größere Körperschaft, die verschiedenen Ansichten huldigt, zu verleihen vermag. Aber, geehrter Kongreß, das darf und will ich hervorheben, die tiefe Einsicht für die Größe der Idee, welche, wie die geehrten Herren Vorredner bereits hervorgehoben haben, aus dieser Stadt hervorgegangen ist, welche ein getreues Mitglied unseres Gemeinwesens erdacht, erfaßt und mit seinem sprühenden, von aller Welt bewunderten Geist geadelt hat, (lebhafter Beifall), ja, es ist wahr, geehrter Kongreß, diese Idee hat eine Welt entzündet und nicht allein die jüdische, sie hat die einen mit Feuerbegeisterung jubelnd mit sich fortgerissen, aber andere, Sie müssen mir dieses Bekenntnis verzeihen, nicht ganz überzeugt, aber doch mindesten zur Nachdenklichkeit gestimmt. (Beifall.) Denn das Echo, das Ihre Idee verbreitet hat, war viel zu kräftig, die Stoßkraft viel zu mächtig, als daß diese Sache überhört oder gering geachtet werden konnte; und dieses Lob und diese Anerkennung muß Ihrer Bewegung mit aller Uneingeschränktheit zuerkannt werden. Ist sie doch lediglich als eine geistige Evolution zu erfassen, als gewissermaßen sittliche Gegenforderung gegen feindselige Zeitströmungen, erfüllt und gesättigt mit historischen Gesichtspunkten, mit wirtschaftlichen Ideen, mit nationalen Bestrebungen und brennend vor inbrünstiger Sehnsucht nach der Wiederaufrichtung des alten und längst zertrümmerten Judenstaates. (Langanhaltender, lebhafter Beifall.) Unsere große Gemeinde, geehrter Kongreß, die an der Schneide zwischen Osten und Westen eine gewaltige Kulturaufgabe zu erfüllen hat, die Gemeinde, welche für die jüdischen Interessen opferwillig sich hingibt, welche über das jüdische sittliche und religiöse Leben einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung sorgt, als Feuerwächter unseres Glaubens, sie bringt selbstverständlich, wie allen jüdischen Angelegenheiten, auch Ihrer Sache ein lebendiges Verständnis entgegen. (Bravo!) Unsere Gemeinde wird daher Ihre Beratungen und die Entschließungen, die hier zur Reife gedeihen sollten, mit teilnahmsvoller Aufmerksamkeit verfolgen, und sie wird insbesondere jene Entschließungen, die gegebenenfalls die Interessen und den Wirkungsbereich unserer Gemeinde streifen könnten, entsprechend beachten. (Beifall.) Wir hegen daher den aufrichtigen Wunsch, daß Ihre schwierigen Beratungen zu einem gedeihlichen Ziele führen, damit sie dem Judentum, den jüdischen Glaubensgenossen unbeschränkt durch enge territoriale Grenzen, die ein solcher Weltkongreß repräsentiert, zum Segen gereichen und zu glücklichen Ergebnissen führen. (Beifall.) Und nun, geehrter Kongreß, ein Wunsch vom Herzen: Mögen die Tage, die Sie hier in diese große, herrliche, gastfreundliche Stadt zusammengeführt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.