Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 265)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 265 — historischer werden, wenn Sie das auf diesem Kongresse gefallene Wort auf die Palästinaarbeit und auf jede andere zionistische Arbeit anwenden wollen und sagen: asu awal bal tilch'amu! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich gebe nunmehr das Wort nur noch Herrn Dr. Benderski zu einer Erklärung und dem zweiten Herrn, der zu einer Erklärung vorgemerkt ist, Herrn Foner. Hierauf werden wir sofort in die Abstimmung eintreten. Ich glaube, daß der Kongreß damit einverstanden ist, daß wir, da wir diese Angelegenheit der Palästinakommission zur ausgiebigen Besprechung anvertraut haben, hier nicht darüber weiter diskutieren, sondern einfach abstimmen. (Beifall.) Nun muß ich Ihnen noch zu meinem großen Bedauern eine traurige Mitteilung machen. Einer unserer ältesten und treuesten Gesinnungsgenossen, ein langjähriges Mitglied des Zentralkomitees der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Dr. Kaufmann in F r e i b u r g, der mit sehnendem Herzen hierher blickte auf den 10. Kongreß in der Hoffnung, an ihm teilnehmen zu können, ist nach kurzem Krankenlager soeben verschieden. (Die Versammlung erhebt sich.) Wir werden diesem Manne, der in den Zeiten, wo der Zionismus aufs schärfste bekämpft wurde, als echter Mann zielbewußt und energisch für die zionistische Sache an der Seite von Theodor Herzl eingetreten ist, ein treues Andenken bewahren. Ich danke Ihnen, daß Sie sich zum Zeichen der Ehrung des Verstorbenen von Ihren Sitzen erhoben haben. Nun erteile ich Herrn Dr. Benderski das Wort. Del. Dr. Benderski (sagt in hebräischer Sprache folgendes): Hoher Kongreß! Unsere Gesetze existieren nur auf dem Papier. Wenn das in fremden Staaten und in fremden Parlamenten geschieht, so ist es vielleicht verständlich, Aber auch in unserem Parlamente existieren die Gesetze nur auf dem Papier. Wieviel Redner haben denn hier, außer am Sonntag, hebräisch gesprochen? Ihre Zahl ist gleich der Zahl der jüdischen Offiziere in der deutschen Armee, sie ist gleich der Zahl der jüdischen ordentlichen Professoren daselbst. Auch der Rabbiner Schmelkes hat 40 Kr. Strafe für seine Jargonsprache bezahlt und nicht für die hebräische. Wie es eine „Mizwah" ist, über den Auszug aus Aegypten zu erzählen, ist es auch eine Mizwah, in öffentlichen Versammlungen hebräisch zu sprechen. Wenn man für die Verbreitung unserer nationalen Sprache nicht nur mit dem „Kopf", sondern auch mit dem „Herzen" eintreten würde, so hätte ich meine ganze Ansprache hebräisch gegeben. Da ich aber schon jetzt böse Gesichter im Kongreßgebäude sehe, so muß ich auch das Gesetz stören und zur deutschen Sprache übergehen. (Deutsch fortfahrend): Meine Damen und Herren! Ich habe die zum Kongreß gekommenen Aerzte und Mediziner zu einer Versammlung einberufen, um den Versuch zu machen, sich zu organisieren. Auf meiner Reise über Palästina, die ich vor drei bis vier Monaten gemacht habe, ist mir die Gelegenheit geboten worden, mich über den unzulänglichen Stand der Hygiene und des Sanitätswesens in Palästina zu überzeugen. Die jetzt noch guten Gesundheitsverhältnisse müssen mit der Zeit unbedingt schlechter werden. Was wird aus den blühenden Kolonien nach 20 Jahren werden müssen, wenn Sie in Erwägung ziehen, daß die sanitären Verhältnisse sehr viel zu wünschen übrig lassen. Auf Einzelheiten will ich hier nicht eingehen. Es wird Ihnen auch ohnedem klar erscheinen, daß für das Sanitätswesen viel mehr gesorgt werden muß, als es jetzt der Fall ist